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1 Mord für 2

1 Mord für 2
drama , großbritannien/usa 2007 2007
original
sleuth
regie
kenneth branagh
drehbuch
harold pinter
cast
michael caine,
jude law, u.a.
spielzeit
86 Minuten
kinostart
20. Dezember 2007
homepage
http://www.concorde-film.de
bewertung

6 von 10 Augen

Ein Film und vier Namen, die sofort neugierig machen: "1 Mord für 2" ist die zweite Kinoadaption von "Sleuth", ein Zwei-Personen-Theaterstück von Anthony Shaffer, das 1972 kurz nach seinem Erscheinen das erste Mal verfilmt wurde (deutscher Titel: "Mord mit kleinen Fehlern") - damals unter der Regie des vierfachen Oscar-Preisträgers Joseph L. Mankiewicz und mit Schauspiel-Legende Lawrence Olivier sowie dem Shootingstar Michael Caine in den zwei Hauptrollen. 35 Jahre später scharren sich erneut vier illustre Herren um dieses Projekt: Angestoßen und co-produziert vom schönen Jude Law, Michael Caine diesmal in der älteren Rolle, hinter der Kamera Shakespeare-Virtuose Kenneth Branagh, und eine grundlegend neue Überarbeitung des Stoffs durch niemand geringeren als Literatur-Nobelpreisträger Harold Pinter, einen der bedeutendsten Dramatiker des 20. Jahrhunderts. Dieser Film ächzt schon fast unter der Last der hohen Erwartungen. Die er dann auch leider nicht zu halten weiß.

Der alteingesessene und stinkreiche Krimi-Autor Andrew Wyke (Caine) lädt den mittellosen Friseur und Teilzeit-Schauspieler Milo Tindle (Law) auf sein beeindruckendes Landhaus ein, denn es gibt Redebedarf: Wykes Ehefrau hat ihn zugunsten von Milo verlassen, und der junge Emporkömmling aus dem Arbeitermilieu will den ebenso verbitterten wie arroganten Schriftsteller dazu bewegen, endlich der Scheidung zuzustimmen, damit Milo und Wykes Frau zusammen glücklich werden können. Zu Milos Überraschung willigt Wyke ziemlich bereitwillig ein und macht seinem Konkurrenten sogar noch ein sehr verlockendes Angebot: Er bietet Milo an, gemeinsam einen Einbruch in das Landhaus und den Diebstahl wertvoller Juwelen zu fingieren. Durch den Gegenwert der "Beute" und die stattliche Versicherungsprämie sollen sie sich dadurch beide die Taschen füllen können.

Wer ahnt, dass das ein hinterhältiger Trick ist, liegt natürlich nicht ganz falsch. Aber diese Finte von Wyke ist erst der Anfang, und auch nur ein Sterbenswörtchen darüber zu verlieren, wie es danach weitergeht, käme einem massiven Spoiler gleich. Leider ist dieser erste große Wendepunkt allerdings auch der Moment, an dem "1 Mord für 2" langsam aber stetig abzubauen beginnt. Und das ist erstaunlicherweise fast ausschließlich die Schuld des Herrn mit den höchsten Ehren: Nobelpreisträger Harold Pinter.
Der hat natürlich bei der Adaption von Shaffers Original-Stück keine halben Sachen gemacht und im Gegensatz zur sehr werkgetreuen Verfilmung aus den 70ern keinen Dialog-Stein auf dem anderen gelassen. Die zentralen Knackpunkte der Handlung sind zwar noch dieselben, das brillant geschliffene Wortgefecht, dass sich Jude Law und Michael Caine hier bravourös um die Ohren hauen, ist hingegen brandneu und Pinter pur. Der geballte Wortwitz und die schiere Eleganz der Sprache wissen für eine gute halbe Stunde auch restlos zu begeistern, getragen von den beiden glänzend agierenden Darstellern, die sich ein zeitweise grandioses Dialog-Pingpong-Match liefern (selbstredend unbedingte Empfehlung, den Film im Original zu sehen).
Nicht weniger Eindruck schindet Regisseur Kenneth Branagh, der mit viel Ideenreichtum dem vermeintlich starren Wortduell zweier Herren eine beachtliche Dynamik verleiht, indem er Wykes hochmodernes und mit zahllosen technischen Spielereien ausgestattetes Haus zum heimlichen dritten Hauptdarsteller des Films macht. Wie Branagh zum Beispiel das Überwachungskamera-System des Hauses nutzt, um immer wieder neue und ungewöhnliche Einstellungen auf das Geschehen zu finden, ist ein Spektakel für sich, ebenso wie das kühle und minimalistische Innen-Design des Hauses, in dem jedes Möbelstück ein Kunstobjekt ist und mit aufregenden visuellen Reizen ein willkommenes Gegengewicht zur wortreichen Handlung des Films bildet.

Während sich Branagh, Caine und Law hier also souverän Bestnoten verdienen, ist es leider Pinter, der das gemeinsame Projekt schlussendlich in den Sand setzt, weil er es mit der Neubearbeitung eindeutig übertreibt. Im Original-Stück (und entsprechend auch in der ersten Verfilmung) war die Auseinandersetzung von Wyke und Milo ein repräsentativer Klassenkampf, das Duell eines überheblichen, elitären Vertreters der alten Oberschicht mit einem scheinbaren Nichtsnutz aus der Arbeiterklasse, dem es dann auch schließlich darum geht, Wyke stellvertretend für seinen Stand die Stirn zu bieten. Pinter hielt diese gesellschaftliche Komponente des Konflikts für nicht mehr zeitgemäß, womit er einerseits zwar durchaus Recht hat, andererseits aber vor dem Problem stand, den dramatischen Unterboden der gesamten zweiten Hälfte des Stücks entfernt zu haben.

Stattdessen entwickelt Pinter die Geschichte zum reinen Duell zweier Egomanen, bei dem der eigentliche Grund des Streits - Wykes Noch-Ehefrau - immer mehr in den Hintergrund rückt und es bald nur noch darum geht zu beweisen, wer die dickeren Eier hat. Das ist männliche Profilierungssucht in Reinkultur und das verbal-elegante Äquivalent zu zwei Büffeln, die um die Chefrolle in der Herde kämpfen und solange die Köpfe aneinanderrammen, bis einer umfällt oder aufgibt.
Das weiß jedoch nur bedingt zu fesseln, weil es kaum über die Ebene der gegenseitigen Austrickserei hinausgeht und keine signifikante Weiterentwicklung vom Anfang darstellt. Geradezu ärgerlich wird es allerdings am Ende, wenn Wyke langsam erkennt, dass Milo ein ihm gleichwertiger Gegenüber ist. Hier fängt Pinter auf einmal an, eine Ebene ins Spiel zu bringen, die nicht nur völlig aus dem Hut gezaubert erscheint, sondern mit dem Charakter Andrew Wyke auch eine 180-Grad-Wende vollführt, die vor allem deshalb so überraschend kommt, weil sie für die Figur überhaupt keinen Sinn macht. Pinters Bemühen um einen neuen "Dreh" für die Story in allen Ehren, aber was der große Dramatiker hier als Auflösung anbietet, untergräbt die gesamte vorangegangene Handlung und sorgt statt eines bissigen für ein eher befremdliches Finale.

Das macht aus "1 Mord für 2" noch lange keinen schlechten Film, aber einen ziemlich unbefriedigenden, was gerade angesichts der Spiel- und Inszenierfreude der Herren Caine, Law und Branagh besonders schade ist. Der alte Film von 1972 macht auf jeden Fall auch heute noch deutlich mehr Spaß als diese Neuauflage.

Frank-Michael Helmke

9

Ich fand den Film ziemlich genial.
Allerdings kenne ich das Original aus den 70ern nicht.
Mir hat der Kinobesuch (Sneak) ein vergnügliches Erlebnis und die schauspielerischen Leistungen von Cane und Law sind es schon wert, den Film anzusehen!

7

Wer das Original kennt wird handlungstechnisch etwas enttäuscht werden.Die sarkastisch witzigen Dialoge jedoch sind bei dieser Neuauflage allerdings bei weitem spritziger und einfallsreicher als beim Vorgänger aus den 70ern.Habe mich köstlich amüsiert - trotz Erinnerungen an das geniale Original!

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