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11 Freundinnen

11 Freundinnen
dokumentation , deutschland 2012
original
regie
sung hyung cho
drehbuch
sung hyung cho
cast
lira bajramaj,
uschi holl,
dzsenifer marozsán,
anja mittag,
bianca schmidt, u.a.
spielzeit
100 Minuten
kinostart
23. Mai 2013
homepage
http://www.11freundinnen-derfilm.de
bewertung

4 von 10 Augen
11 Freundinnen - Poster

Man kann sich vorstellen, was dieser Film ursprünglich mal werden sollte. Das weibliche Pendant zu Sönke Wortmanns „Deutschland. Ein Sommermärchen“, die Quasi-Fortsetzung des deutschlandweiten Fußball-Taumels, 11 Freundinnenausgelöst von der WM im eigenen Land und diesmal zum perfekten Abschluss geführt durch die Frauen, die immerhin als amtierender Doppel-Weltmeister in dieses Turnier gingen und in der allgemeinen Auffassung so gut wie unbesiegbar waren.

Man weiß, wie die Realität aussah. Die Mannschaft von Nationaltrainerin Silvia Neid kam bei der WM im eigenen Land nie so richtig in Gang, lieferte in der Vorrunde nur ein überzeugendes Spiel ab und schied sang- und klanglos im Viertelfinale gegen die Japanerinnen aus. Ein Trauerspiel, an dass sich niemand wirklich erinnern möchte, denn das hatte leider gar nichts vom Sommermärchen mit seinem tragisch-heldenhaften Ende.

Entsprechend überrascht es wenig, dass man es mit der Fertigstellung von „11 Freundinnen“ nicht so sonderlich eilig hatte. Während Wortmanns WM-Doku damals im Schnellverfahren vollendet wurde, schon drei Monate nach dem Ereignis in die Kinos kam und somit die Nachwelle der Sommer-Euphorie noch mitnehmen konnte, wirkt „11 Freundinnen“ mit seinem Start fast zwei Jahre nach dem WM-Debakel eher wie pflichtschuldig nachgeschoben, so als hätte man sich nur mit gewissem Widerwillen dazu durchgerungen, da jetzt doch noch irgendwie einen Film draus zu machen, wenn man schon damit angefangen hatte.

11 FreundinnenDa aus dem vorgesehenen Triumphzug der Frauentruppe eben nichts wurde, überrascht es wiederum auch nur bedingt, dass Regisseurin Sung Hyung Cho (seit ihrem Überraschungs-Debüt-Erfolg mit dem äußerst charmanten „Full Metal Village“ so etwas wie der einzige Star unter Deutschlands Dokumentarfilmerinnen und daher eine naheliegende Wahl für diesen Film) nicht so richtig zu wissen scheint, wo sie mit diesem Film eigentlich hin will. Sie eröffnet „11 Freundinnen“ mit beeindruckenden Luftaufnahmen vom ausverkauften Berliner Olympiastadion vor dem Eröffnungsspiel, um dann mit einem harten Schnitt zurückzuspringen in den vorherigen Winter, wo das große Ereignis noch weit entfernt ist und die deutschen Fußballerinnen ihrem weit weniger beachteten Alltag zwischen Training und Beruf nachgehen.

Sung Hyung Cho betont ausführlich, dass die deutschen Fußballerinnen ein sehr anderes Leben führen als ihre männlichen Kollegen, dass sie von ihrem Sport nicht leben können und nebenher noch einen „normalen“ Beruf brauchen, dass die WM vor ausverkauften Stadien entsprechend ein absolutes Ausnahmeereignis für sie ist. Dieser Umstand verdient natürlich seine Berücksichtigung, derart ausgewalzt wie hier führt das allerdings zu eindeutiger Ungeduld beim Zuschauer, der sich alsbald fragt „Wann geht’s hier denn endlich mal um die WM?“, wenn er stattdessen eine Spielerin zu einem Orientierungsgespräch für ein mögliches Polizei-Praktikum begleiten darf oder Ersatz-Torhüterin Uschi Noll über die richtige Zubereitung von Gemüse referiert.

11 Freundinnen„Wann geht’s hier denn endlich mal um die WM?“ fragt man sich mit zunehmender Laufzeit dann auch immer öfter, denn der Film braucht geschlagene 70 Minuten, bis er endlich zu seinen ersten Bildern vom Eröffnungsspiel zurückkehrt und der Ball nun aber mal richtig rollt. Wenn man bedenkt, dass dies eigentlich das zentrale Ereignis des Films sein sollte, wirkt das etwas befremdlich. Befremdlich oder zumindest ungeschickt erscheint auch Chos Auswahl ihrer Protagonistinnen, denn in der Hinleitung zum Turnier konzentriert sie sich auf fünf Spielerinnen, von denen lediglich „Miss WM“ Lira Bajramaj einen etwas größeren Bekanntheitsgrad erreichte. Die anderen sind Ersatzspielerinnen, von denen zwei im Verlauf des Turniers nicht weiter auffielen und die anderen zwei bei der WM gar nicht dabei waren. Als es mit dem Turnier im Film endlich los geht, verschwinden die Protagonistinnen also quasi fast komplett von der Bildfläche. Suboptimal.

Ebenfalls quasi nicht zu sehen ist die Lichtgestalt des deutschen Frauenfußballs, Birgit Prinz. Dass sie hier sozusagen gar nicht stattfindet, ist symptomatisch für die allergrößte Schwäche von „11 Freundinnen“, der – wenn es schon keinen WM-Triumph zu dokumentieren und abzufeiern gab – auch noch die Chance auslässt, wenigstens die großen, ansatzweise kontroversen Themen dieser Weltmeisterschaft zu behandeln. Die Demontage der Legende Birgit Prinz durch Bundestrainerin Neid während des Turniers? Wird überhaupt nicht erwähnt. 11 FreundinnenDie von vielen Stimmen kritisierte Vermarktung der Frauen-WM als „sexy“ mit der Inszenierung der Spielerinnen als Models – eine Rolle, mit der sie spürbar fremdelten? Klingt hier nur kurz am Rande an, wenn man ein Foto-Shooting beobachtet, bei dem sich einige Spielerinnen nicht ganz wohl zu fühlen scheinen. Der unfassbare Erwartungsdruck auf der im Voraus zum Weltmeister ausgerufenen Mannschaft, der das Team im Turnier von Anfang an zu lähmen schien? Wird vorher mal kurz angesprochen, aber nachher nicht, denn eine Ursachensuche für das Turnier-Debakel findet ebenfalls nicht statt. 

So fehlt es „11 Freundinnen“ leider an etwas absolut Essentiellem: Einem erkennbaren Konzept, was man hier eigentlich transportieren will. Er erzählt nicht die Geschichte eines Turniers, nicht die Geschichte einer Mannschaft, nicht mal wirklich die Geschichte einzelner Spielerinnen. Eigentlich erzählt er nichts so richtig und wirkt die meiste Zeit wie eine ziemlich beliebig zusammengeschnittene Montage aus all dem Material, welches das Filmteam in den Monaten vor der WM halt so zusammengetragen hat, ohne selbst zu wissen, wo es eigentlich hin will. Damit hat der Film zur Frauen-WM 2011 mit seinem Thema eine entscheidende Gemeinsamkeit: Am Ende bleibt nicht viel mehr als Enttäuschung. 

Frank-Michael Helmke

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