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3 Grad kälter

3 Grad kälter
drama , deutschland 2005
original
regie
florian hoffmeister
drehbuch
florian hoffmeister
cast
meret becker,
sebastian blomberg,
bibiana beglau,
alexander beyer, u.a.
spielzeit
104 Minuten
kinostart
16. März 2006
homepage
bewertung

2 von 10 Augen

"Wusstest du, dass es am Bahndamm immer 3 Grad kälter ist?" fragt Jan (Sebastian Blomberg, "Alles auf Zucker") seinen Freund Steini (Alexander Beyer, "Good Bye Lenin"). Steini schüttelt den Kopf. Wusste er also nicht. Die Zuschauer vermutlich auch nicht, trotzdem ist diese Information keine wirkliche Bereicherung. Normalerweise geben Szenen, in denen ein geheimnisvoller Filmtitel aufgegriffen wird, Aufschluss über die Intention des Regisseurs und die Gesamtaussage des Films. Bei "3° kälter" ist das leider nicht der Fall. Die unerwartete Information über Temperaturschwankungen erklärt nämlich nicht, warum Jan nach fünf Jahren, in denen er als verschollen galt, plötzlich wieder auftaucht. Oder warum seine damalige Freundin Marie (Bibiana Beglau, "Der neunte Tag", "Kammerflimmern") ihn trotz der Enttäuschung und trotz ihrer Ehe mit Frank (Johann von Bülow, "Nach fünf im Urwald") immer noch liebt. Oder warum Frank nicht um Maries Liebe kämpft.
Fest steht, dass Jans Rückkehr die Leben aller seiner Freunde, die in der Zwischenzeit um ihn gebangt haben, gehörig durcheinanderbringt. Fest steht allerdings auch, dass das den Zuschauer relativ kalt lässt.

Regisseur Hoffmeister liefert nicht ein glaubwürdiges Motiv für die Faszination, die Jan bei seinen Mitmenschen auslöst. Seine bisherige Abwesenheit allein erklärt kaum, warum die Frau, die er so feige zurückgelassen hat, ihn immer noch unwiderstehlich findet. Auch Blombergs Darstellung der Figur hilft da wenig. Meist steht oder sitzt er da und starrt mit Hundeblick melancholisch in die Ferne, aus der er gerade zurückgekehrt ist. Er ist weder bewundernswert noch mitleidserregend, sondern einfach nur plötzlich da.
Hoffmeister hätte gut daran getan, das Dreiecksverhältnis und die Charaktere ordentlich auszubauen und sich darauf zu konzentrieren. Berechtigte Fragen, zum Beispiel warum Frank seine Ehe aufs Spiel setzt, indem er selbst Jans Rückkehr provoziert, werden nicht beantwortet. Stattdessen erweitert der Drehbuchautor und Regisseur die Geschichte um zwei weitere Pärchen, die ebenfalls zum Freundeskreis der Zurückgelassenen gehören. Da betrügt Steini seine Frau Jenny (Meret Becker, "Urlaub vom Leben"), mit der er gerade zusammengezogen ist, und Jans Bruder Olli verliebt sich in die Cellistin Babette, die bald die Stadt verlassen muss. Ab und zu gehen alle in den gleichen Club, in dem sie auch die einzigen Gäste sind, ein bisschen wie in einer Soap oder Telenovela. Wie und warum das die eigentliche Problematik um Jans Heimkehr bereichert, bleibt schleierhaft.

Die multiplen Handlungsstränge treiben die Geschichte nicht gerade voran, sondern lenken eher von der Haupthandlung (soweit es die denn gibt) ab. Dabei sollte ein Ensemble, das mit so hochkarätigen Schauspielern wie Meret Becker ausgestattet ist, eigentlich Garant für einen guten Film sein. Doch mit der Identifikation bleibt auch das Interesse am Schicksal der Figuren aus, und damit auch an pseudo-philosophischen Metaphern wie der des angeblichen Temperaturunterschieds am Bahndamm, den die Figuren im Laufe des Films häufiger überqueren. Die unmotivierten Handlungen und Fantasien der Figuren und eine abgedroschene Symbolik des offenen Wassers tun ihr übriges.

"3° kälter" will vieles sein und tiefe Einblicke ins Leben, die Einsamkeit und die Sinnlosigkeit geben. Tut er aber nicht. Regiedebütant Florian Hoffmeister ist eigentlich erfolgreicher Kameramann ("Liegen lernen"). Vielleicht hätte er dabei bleiben sollen.

Anna Plumeyer

Es wird sehr wohl erklärt, warum Frank Jans Rückkehr provoziert:
"Damit Deine Abwesenheit für uns keine Rolle mehr spielt."

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