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Almanya - Willkommen in Deutschland

Almanya - Willkommen in Deutschland
komödie , deutschland 2011
original
regie
yasemin samdereli
drehbuch
yasemin samdereli, nasrin samdereli
cast
rafael koussouris,
aylin tezel,
vedat erincin,
lilay huser, u.a.
spielzeit
97 Minuten
kinostart
10. März 2011
homepage
http://www.almanya-film.de
bewertung

8 von 10 Augen

Der sechsjährige Cenk (Rafael Koussouris) versteht die Welt nicht mehr. In der Schule wird er gehänselt, weil er aus Anatolien kommt. Dabei ist seine Mutter Deutsche und nur sein Vater Türke. Seine türkischen Großeltern Hüseyin (Vedat Erincin) und Fatma (Lilay Huser) haben gerade erst die deutsche Staatsbürgerschaft verliehen bekommen, was Cenks Dilemma noch vergrößert. Ist er nun Deutscher oder Türke? Bei einem Familienessen verlangt er lautstark eine Antwort. Um den Jungen etwas zu beruhigen, erzählt ihm seine Cousine Canan (Aylin Tezel) die ganze Familiengeschichte.
Das ist der eine Erzählstrang von Yasemins Samderelis Kinodebüt "Almanya - Willkommen in Deutschland", welches sie zusammen mit ihrer Schwester Nesrin geschrieben hat. Der andere Teil der Erzählung beginnt ebenfalls bei jenem Familienessen. Dort verkündet Hüseyin, das Familienoberhaupt, dass er ein Haus in der Türkei gekauft hat. Jetzt soll die ganze Familie die kleine Ruine in den Ferien wieder aufbauen.

"Almanya - Willkommen in Deutschland" ist Komödie und Drama in einem. Drama, weil die Samdereli-Schwestern (die auch schon am deutschen TV-Hit "Türkisch für Anfänger" maßgeblich beteiligt waren) von Problemen und Folgen der deutschen Gastarbeiterpolitik erzählen und somit natürlich mitten in den Kern der aktuellen Integrationsdebatte vordringen. Komödie, weil sie ihre Erzählung in helle, muntere Bilder packen und ihre Inszenierung stets darauf bedacht ist, der ganzen Thematik mit einem intelligenten Witz zu begegnen.
Besonders gelungen ist dabei die in Rückblenden erzählte Geschichte der Großeltern. Es trägt schon Züge von Fellini oder Lubitsch, wenn Canan ihrem Bruder erzählt wie sich Oma und Opa kennengelernt haben. Und wenn der junge Hüseyin dann als Gastarbeiter Nummer 1.000.001 wegen seiner Höflichkeit den großen Preis für den Jubiläumsarbeiter verpasst, erreicht der Film seine wahre Kraft.
Genau in dieser Phase ist dann auch der vielleicht schönste Regie-Einfall zu finden. Wenn Hüseyin seine ganze Familie nach Deutschland holt, sprechen alle Familienmitglieder perfektes Deutsch untereinander. Nur die Deutschen sprechen ein aberwitziges Gebrabbel, dass je nach Standpunkt an Dänisch oder die fiktive Sprache Charlie Chaplins aus seinem Meisterwerk "Der große Diktator" erinnert. Damit vermittelt "Almanya" mit ganz einfachen, aber hoch effektiven Mitteln das Gefühl der Fremde und des Kulturschocks und macht es so für den Zuschauer sehr anschaulich erfahrbar.

Leider kann der zweite Erzählstrang nicht mit der Kraft des ersten mithalten. Die Reise der Familie in die Türkei will vor allem die innerfamiliären Konflikte beleuchten und verfängt sich dabei in oberflächlichen Klischees. Das Verhältnis von Cenks Onkeln wirkt ebenso unglaubwürdig, wie Canans anfänglich geheime Schwangerschaft. Selbst der Humor wirkt hier flacher, fast schon belangloser.
Spätestens, wenn die Familie in einem alten Bus durch die Straßen Anatoliens fährt, wandelt sich "Almanya" mehr und mehr zu einem Abklatsch des US-Indies "Little Miss Sunshine". Das ist dann auch zuviel des Guten: Durch die unnötig kompliziert verschachtelte Narration verliert der Film an Tempo und Wirkung. Es ist schade, dass er gerade in dem Teil, der im Hier und Jetzt spielt, so schwächelt. Hätte man die bitterböse Ironie aus der Rückblendenerzählung auch in diesen Teil übernehmen können, dann wäre "Almanya" sicherlich ein kleines Meisterwerk geworden.

Das ändert aber nichts daran, dass "Almanya" ein Film ist, der ein sehr großes Publikum erreichen wird und das auch verdient hat. Schon bei seiner Weltpremiere auf der diesjährigen Berlinale hat sich gezeigt, dass das Werk das Zeug zum Publikumsliebling hat. Dagegen ist auch absolut nichts einzuwenden. Schließlich ist die nette Verspieltheit der Samderelis hundertmal angenehmer als Til Schweigers Komödienterror.

Patrick Wellinski

9

Mir hat der Film sehr gut gefallen. Er hatte viele Facetten (lustige, sentimentale, nachdenkliche) und originelle Ideen. Gerade zum Thema Einwanderung, das sonst so verbissen geführt wird, war das eine schöne Abwechslung. "Was sind wir denn nun, Deutsche oder Türken?" Mir scheint, als wenn sich diese Frage häufig stellt und nicht einfach zu beantworten ist.
Als Abklatsch von "Little Miss Sunshine" würde ich ihn nicht sehen. Sicherlich, toten Opa und Bus gab es da auch, aber das kann man ja auch als "Filmzitat" sehen ;-)

9

Süper!
Ein wunderbarer Film.
Tolle Besetzung, Wortwitz, und viele kleine Anspielungen (KRÜPP)
Macht euch einen schönen Kinoabend und seht selbst.
10 smileys und 9 Augen (nur für den Fall, dass ich demnächst mal 10 geben muss)

9

Sicherlich, an der ein oder anderen Stelle hätte der Film sicher genauso böse zubeißen dürfen wie in der als Rückblende verpackten Vorgeschichte der Großeltern.

Dennoch würde ich nicht dazu kommen, zu behaupten, es fehle ihm an Witz oder Tempo. Ein Film, der sich ohne großes Trara und dafür voller Humor mit den Problemen der Einwanderung auseinandersetzt.

Hierbei wird jedoch nicht an Direktheit gescheut (ich erinnere ebenfalls an Cenks Zitat, "Was sind wir denn nun, Deutsche oder Türken?"), die von den Darstellern in ihren Rollen authentisch hinüber gebracht wird.

Ich würde "Almanya" als einen Film weiter empfehlen, der ein breites Publikum ansprechen kann, und das im positiven Sinne, da der Film Humor und Intelligenz zu vereinen weiß.

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