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Der Auftragslover

Der Auftragslover
romantische komödie , frankreich 2010
original
l'arnacoeur
regie
pascal chaumeil
drehbuch
laurent zeitoun, jeremy doner, yohan gromb
cast
romain duris,
vanessa paradis,
julie ferrier,
francois damiens,
andrew lincoln, u.a.
spielzeit
105 Minuten
kinostart
6. Januar 2011
homepage
bewertung

6 von 10 Augen

Es ist schon zum Heulen mit den deutschen Verleihtiteln. Wer nach dem abstrus-denglischen "Der Kautions-Cop" dachte, es könnte nicht mehr schlimmer kommen (was ist eigentlich an dem vollkommen normalen Wort "Kopfgeldjäger" so falsch?), wird nun eines besseren belehrt. Das ist in diesem Fall doppelt schlimm, weil der Titel erstens an 80er Jahre-Trash erinnert und zweitens weil man in diesem Fall einen wirklich wunderbaren Originaltitel komplett verhunzt hat. Zugegeben, das geniale phonetische Wortspiel des "L'Arnacoeur" (aus arnaqueur = Betrüger und coeur = Herz) kann man kaum ins Deutsche übertragen, aber etwas besser hätte es schon sein dürfen.
Hoffentlich lässt sich von diesem trashigen Titel niemand abhalten, haben wir es doch hier mit einer der besseren Variationen des gefürchteten Genres der RomCom zu tun. Und das aus dem Land mit dem romantischen Image und der Stadt der Liebe. Zudem kann "L'Arnacoeur" (der deutsche Titelmurks wird wie bei uns in diesen Fällen üblich von nun an komplett ignoriert) mit einem wirklichen Traumpaar des modernen französischen Kinos aufwarten. Auf der einen Seite Romain Duris, der lässige Lothario und Filou, hierzulande wohl am besten durch die "Auberge Espagnole"-Filme bekannt. Und auf der anderen die wohl bezauberndste Zahnlücke der Welt, Vanessa Paradis, die schon als 14-jähriger Lolita-Fahrgast von "Joe Le Taxi" die Männerwelt verzauberte und nun mit 37 Jahren strahlender und schöner wirkt als je zuvor. Muss wohl die Langzeitbeziehung mit einem Depp sein.

Was man uns hier nun mit einiger Verspätung präsentiert, ist außerdem einer der erfolgreichsten französischen Filme des letzten Jahres mit über 3,7 Millionen Zuschauern. Anders als so mancher kulturell bedingter Erfolg (ganz ehrlich, natürlich kann man "Willkommen bei den Sch'tis" witzig finden, aber…) spielt "L'Arnacoeur" in einem grenzüberschreitenden und international vermarktbaren Format, der Romantischen Komödie. Die große Frage dabei: Umgehen französische Rom-Coms vielleicht die üblichen Klischees, die das Genre in den letzten Dekaden in den kreativen Bankrott geführt haben? Die Antwort: Nein, nicht so sehr wie nötig. Aber: Die Klischees werden wenigstens charmanter verpackt als in der x-ten US-Variante mit Jennifer Aniston, Sandra Bullock oder Matthew McConaughey, und Spaß hat man hier auch mehr als in den meisten seelenlosen Vertretern der Branche.
Die Ausgangsidee ist dabei so "high concept", wie es für die meisten Rom-Coms üblicher Brauch ist, was sie ja - leider oder Gottseidank, je nach Sichtweise - von jeglichem Realitätsanspruch und Glaubwürdigkeit befreit: Alex (Duris) ist der titelgebende "arnacoeur", ein Betrüger in Herzensangelegenheiten. Anders als der handelsübliche Heiratsschwindler wird er jedoch von (zumeist) besorgten Vätern dafür engagiert, ihre Töchter von ungeliebten Verlobten wegzulocken, was ihm mit seinem Team - seiner Schwester Marie (Julie Ferrier) und ihrem Ehemann Marc (François Damiens) - bisher noch immer gelungen ist. Sein neuester Fall stellt ihn allerdings vor seine größte Herausforderung, denn Alex hat feste Regeln, mit denen er sein reichlich unmoralisches Tun moralisch rechtfertigt: So bringt er nur Paare auseinander, bei denen die Chemie nicht stimmt und in der die Frau Besseres finden kann als den Verlobten in Frage. Bei seinem neuesten Opfer Juliette (Paradis) sieht das allerdings anders aus. Ihr englischer Verlobter Jonathan (Andrew Lincoln) ist ein Traum: reich, gutaussehend, Wohltäter. Dass Alex den Job trotzdem übernimmt, hat dann auch eher mit einem Schuldenberg und ein paar nicht sehr freundlichen Schuldeneintreibern zu tun. Also macht er sich daran, mühsam das eigentlich vergebene Herz von Juliette zu erobern. Und - Trommelwirbel bitte - wer kann sich vorstellen, wie das anfangs ausgesprochen feindselige Hin-und-Her zwischen Juliette und Alex ausgeht?

Das kann sich natürlich jeder vorstellen, aber immerhin lässt der Film dabei das Publikum etwas länger zappeln als die meisten anderen Genrevertreter. Wie bei jenen generell sollte man auch hier das Storykonstrukt besser nicht zu genau unter die Lupe nehmen, da wimmelt es nämlich genretypisch vor Plotlöchern, nur mangelhaft erklärten Beweggründen und Klischees. Dass etwa die überzogenen Verkleidungen und Aktionen des Herzensbrechertrios eigentlich durch kaum eine Gage bezahlt werden können zum Beispiel. Oder das der erwartete Ausgang wie üblich außerhalb der Genrekonventionen keinen Sinn macht.
Stattdessen sollte man sich konzentrieren auf ein paar Fragen, mit denen eine RomCom trotz allem noch zum Ansehen animieren kann. Etwa die nach einem unerlässlichen Element einer jeden funktionierenden RomCom, der Chemie zwischen dem zentralen Liebespaar. Und hier hat man mit Duris und Paradis die richtige Wahl getroffen, denn man kann durchaus nachvollziehen, wie Juliette ihrem netten, aber schon zu perfekten Verlobten den charmanten Filou Alex mit seinem ständigen Dreitagebart vorzieht.
Klischees ohne jegliche Spur von Timing und Atmosphäre aneinanderzuhängen oder sie zumindest auszukosten und wirken zu lassen, das macht dann schon einen beträchtlichen Unterschied im internen Genre-Vergleich aus. In diesem Kontext darf man auch den Handlungsstrang verstehen, in dem Alex sich über gemeinsame Vorlieben näher an Juliettes Herz bringen will - und dann ausgerechnet Wham!-Songs mitsingen und Dirty Dancing-Fan sein muss. Natürlich soll man sich da fremdschämen und muss auch herzhaft lachen, wenn er ausgerechnet mit dem tollpatschigen Marc die Hebefigur des Films einübt. Anders als für einen schnellen Gag kostet "L'Arnacoeur" so einen Strang aber vollständig aus, und wenn dann tatsächlich gegen Ende Jennifer Warnes und Bill Medley zu "(I've Had) The Time Of My Life" ansetzen, dann funktioniert das wenigstens. Konstruiert? Ja. Klischiert? Auch. Wirkungsvoll? Jawoll! Und wer hat schon ernsthaft angenommen, eine unter den Schönen und Reichen in Monte Carlo spielende Geschichte würde hier eine ernsthafte Beziehungsdarstellung wagen wollen. Immerhin kann man dank des glamourösen Settings auf deus ex machina-ähnliche arabische Scheichs verzichten.

"Immer noch besser als die Hollywood-Version" mag angesichts des Niveaus der RomCom-Konkurrenz ein vergiftetes Lob sein, ein Lob ist es trotzdem. "L'Arnacoeur" erfindet das Genre nicht neu, er widersteht nicht mal allen Fallstricken, die es im Laufe hunderter Variationen mit abfallenden Resultaten ausgeworfen hat. Aber das, was er macht, macht er mit Stil, Humor und Charme. Ein Film wie ein Soufflé: Ein sanft aufgeschlagenes Nichts mit fragwürdigem Nährwert, aber dennoch appetitanregend und im Erfahrungsmoment durchaus köstlich.

Simon Staake

7

Gelungene, recht kurzweilige romcom, die auch den Jungs gefallen könnte...

7

Erstaunlich schön der Film.
Humor, Romantik, ein kleines wenig Action und ein Bisschen Trash, abgerundet mit tollen Landschaftsbildern, coolen Autos und etwas Lifestyle.
Wie Rizla sagt: könnte auch den Jungs gefallen, hats in meinem Fall durchaus.

8

den Kommentaren meiner Vorgänger kann man nur zustimmen. Eine locker, leichte, unterhaltsame, romantische Komödie, mit gute Laune Garantie. Anschauen, es lohnt sich.

8

kein hollywood, aber dennoch sehr lustig & absolut sehenswert.

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