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Girl on the Train

Girl on the Train
psycho-thriller , usa 2016
original
girl on the train
regie
tate taylor
drehbuch
erin cressida wilson
cast
emily blunt,
haley bennett,
rebecca ferguson,
justin theroux,
luke evans, u.a.
spielzeit
112 Minuten
kinostart
27. Oktober 2016
homepage
https://www.constantin-film.de/kino/girl-on-the-train/
bewertung

3 von 10 Augen

girl t 1Wenn Rachel (Emily Blunt) zweimal am Tag mit dem Zug an dem Haus vorbeifährt, in dem sie einst gelebt hat, dann quält sie sich beim Blick aus dem Fenster selbst. Denn darin lebt ihr Ex-Mann Tom (Justin Theroux) mit seiner neuen Frau Anna (Rebecca Ferguson). Doch vor allem das häufig vor dem Nachbarhaus zu sehende Pärchen erregt Rachels Interesse. Zwar hat sie Scott (Luke Evans) und Megan (Haley Bennett) nie persönlich kennengelernt, doch repräsentieren diese Beiden für sie das was für sie selbst nun unerreichbar scheint – eine perfekte Beziehung. Doch dieses Bild bekommt Risse, als Rachel Megan eines Tages mit einem anderen Mann auf der Terrasse beobachtet. Als am nächsten Tag dann sogar das Verschwinden der jungen Frau gemeldet wird, will Rachel helfen und mischt sich ein. Worüber nicht alle erfreut sind und auch Rachel selbst kann sich keinesfalls sicher sein, dass das was sie meint gesehen zu haben tatsächlich der Realität entspricht.

 

girl t 2Die Produktion von „Girl on the Train“ ging bemerkenswert schnell von statten, so als wollte man unbedingt noch vom großen medialen Wirbel um die Buchvorlage profitieren. Denn zurzeit ist es kaum möglich eine Buchhandlung zu betreten, ohne dort an zentraler Position dem Belletristik-Bestseller von Paula Hawkins zu begegnen. Nun ist es ja so, dass die Mehrzahl der Bücher bekanntlich von Frauen gekauft und gelesen wird und in der Tat handelt es sich bei dieser Geschichte um eine Art feministischen Thriller. Warum genau dem so ist lässt sich allerdings ohne einen fetten Spoiler kaum erklären oder beschreiben, daher belassen wir es hier bei der grundsätzlichen Feststellung.

Es sind drei starke, interessante Frauenfiguren die hier beschrieben werden oder besser gesagt, es sollten wohl drei solche werden. Denn was die Adaption des Romans unter der Regie von Tate Taylor („The Help“) uns stattdessen präsentiert, sind vielmehr ein paar neurotische Hausfrauen mit Pseudo-Problemen (die dann gerne auch beim – natürlich verdammt attraktiven – Psychiater ausdiskutiert werden). Zumindest gilt dies für die beiden in vermeintlich glücklichen Beziehungen lebenden New Yorker Vorstadt-Damen Anna und Megan, wobei sich vor allem Letztere aus lauter Langeweile in eine sexuelle Affäre nach den anderen stürzt.

girl t 3Es gilt jedoch immerhin nicht für Rachel, die zwar zunächst auch alles andere als besonders liebenswert oder sympathisch gezeichnet wird, sich dann aber als deutlich vielschichtiger entpuppt als es zunächst den Anschein hat bzw. haben soll. Zweifellos eine starke Rolle für Emily Blunt, der es dann auch hervorragend gelingt, diese völlig derangierte und aus der Bahn geworfene, fortwährend an sich selbst zweifelnde Frau überzeugend zu verkörpern. Und es ist schon ein ziemliches Kunststück dies innerhalb dieses Umfeldes zu vollbringen, das ansonsten aus lebenden Abziehbildern und haarsträubenden Plotwendungen besteht. Wobei es sich tatsächlich weniger um einen echten Krimi oder Thriller handelt, wie es der Trailer suggerieren will, sondern vielmehr um ein lähmend langsam und umständlich erzähltes Psycho-Drama, durch das man sich zur Mitte der Laufzeit förmlich durchquält. Es scheint, als hätte man die nicht-chronologische Erzählweise mit diversen Zeitsprüngen vor allem deshalb gewählt, um so dem Betrachter zumindest irgendeine Art von Beschäftigung zu geben.

girl t 4Zwar wird es zum Ende hin ein wenig spannender, kippt nach dem großen Plot-Twist aber in derart absurde Bereiche um, dass es nur noch ärgerlicher wird. Wer nur kurz den Fehler begeht, den „Plan“ des am Ende demaskierten bösen Buben (oder Mädchens) auf Plausibilität zu prüfen, der wird dabei genauso Schiffbruch erleiden wie es „Girl on the Train“ als Gesamtkunstwerk ergeht. Ein zuerst langweiliger, dann alberner Film ist das, mit überwiegend lächerlichen Figuren. Die drei Augen gehen daher auch vollständig an Emily Blunt.

Volker Robrahn

Sehe ich genauso, danke für

Sehe ich genauso, danke für die Rezension.

Ich habe das auch bei der Vorlage schon so empfunden und bin immer wieder überrascht, dass oft eine gute Ausgangssituation reicht, um Bestseller oder Kinokassenhits zu schaffen. Dass der Rest der Geschichte nach der interessanten Einleitung Murks ist, scheint irgendwie oft keinen zu stören.

Schauspielerisch von Emily Blunt sowieso, aber auch von Haley Bennett sehr gut dargestellt. Mit den Männerrollen konnte ich mich weniger anfreunden und naja - das Drehbuch konnte sowieso nicht viel aus der Geschichte herausholen, auf Filmlänge zusammengestaucht wirkt das Ganze dann aber noch unglaubwürdiger.

Stilistisch aber ansprechend gemacht, gutes Licht, schöner Aufbau der Bilder.

Nicht im geringsten kann ich

8

Nicht im geringsten kann ich diese vernichtende Kritik nachvollziehen. Sicherlich handelt es sich hier überwiegend um einen Frauen-Film, der jedoch durchwegs spannend ist und aus der Krimi-Masse ganz besonders hervorsticht, weil er dem Zuschauer eine Protagonistin aufbürdet, die dermaßen derangiert und psychisch fertig ist, dass die Schmerzgrenze zeitweilig überschritten wird. Emily Blunt liefert das Kunststück ab einen bleibenden Eindruck zwischen Mitleid, Ekel und aufrichtigem Interesse zu hinterlassen und auch die Rückblenden tragen sinnvoll zur Geschichte bei. Zumindest zwei der vom Rezensenten als "neurotische Hausfrauen" bezeichneten Figuren haben schwere Traumata erlitten und niemals würde ich mir anmaßen auch nur eines davon als Pseudoproblem zu bezeichnen. Die einzige, die auf eine unbeschwerte Vergangenheit zurückblicken kann ist Anna, die sich deshalb auch entsprechend unaufgeregt verhält und keinen Psychiater-Besuch nötig hat. Der Plan des Täters oder der Täterin, den der Rezensent erwähnt, ist an mir spurlos vorüber gegangen und konnte deshalb auch nicht auf Plausibilität geprüft werden. Ich bezweifle stark, dass es einen gegeben hat. Der Plot Point kommt überraschend und das Finale geht in seiner Unaufgeregtheit für mich völlig in Ordnung. Nichts davon empfand ich albern, lächerlich oder langweilig. Sicherlich geht es ein bisschen zu oft ums "Ficken", wie es alle Beteiligten gerne so formulieren, und die Männer sind in der Tat alle klischeehafte Abziehbilder, wohnend in ganz tollen Häusern. Die unruhige Kamera, die vielen Nahaufnahmen auf Rachels ausdrucksstarkes Gesicht und die stimmungsvolle Farbgebung weiß dafür umso mehr zu überzeugen. Ich bin froh der Rezension zum Trotze diesem Verwirrspiel eine Chance gegeben zu haben und wurde hervorragend unterhalten.

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