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Oh, wie schön ist Panama!

Oh, wie schön ist Panama!
animation , deutschland 2006
original
regie
martin otevrel
drehbuch
guido schmelich
cast
til schweiger,
dietmar bär,
ralf schmitz,
anke engelke, u.a.
spielzeit
73 Minuten
kinostart
21. September 2006
homepage
bewertung

6 von 10 Augen

Wie schön Panama wohl ist, das fragten der kleine Bär und der kleine Tiger sich zum ersten Mal 1978. Seitdem begeistert das domestizierte Raubtier-Duo Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Für die nächste Generation erobert die kurioseste Lebensgemeinschaft seit Ernie und Bert jetzt die Kinoleinwände, schließlich wird außer Harry Potter nicht mehr viel gelesen. Aber kann der Film auch den hohen Erwartungen derer, die damals Janoschs Kinderbücher geliebt haben, standhalten? Da vier Augen bekanntlich mehr sehen als zwei und der Film eigentlich für Kinder ist, nahm die Rezensentin eine Fünfjährige mit ins Kino. Natürlich hatten beide Generationen ihre eigene Meinung zum Film.

"Es waren einmal ein kleiner Bär und ein kleiner Tiger, die lebten unten am Fluss..." Einig waren wir uns nicht mal am Anfang: Während der Tiger Pilze fürs Abendessen sammelt und ich mich über den etwas lieblosen, glatten Animationsstil ärgere, der Janoschs Zeichnungen nicht gerecht wird, strahlt meine Co-Rezensentin "Ist das schön, wie in Schweden!". Sie muss es ja wissen, da war sie gerade in den Ferien. Aber zurück zu unseren Helden: Eigentlich sind die beiden betont glücklich in ihrem Häuschen, aber als der kleine Bär am Fluss eine Holzkiste mit der Aufschrift "Panama" findet, verliert die heimische Idylle sofort an Attraktivität, denn die Kiste riecht nach Bananen, und damit folglich auch ganz Panama. Aufgeregt beschließt der kleine Bär, in das sagenhafte Land zu reisen. Nachdem der Tiger überzeugt, Angel, Kochtopf, und - ganz wichtig - die Tigerente eingepackt sind, machen sich die beiden auf den Weg in das Land ihrer Träume.

Da die Reise im Buch gar nicht so lange dauert (schließlich musste das damals ein armes Elternteil von Anfang bis Ende vorlesen) wurde für den Film ordentlich was dazu erfunden. Damit gewinnt "Oh, wie schön ist Panama" aber nicht. Ausnahme ist die anderswo entliehene Figur Schnuddel, die ein wenig von Janoschs Humor aus den Büchern in den Film herüberrettet. Das gleiche gilt auch für den Reiseesel Mallorca, dessen exotischer Akzent bei meiner jungen Kollegin gut ankommt.
Soweit, so gut. Dann wird es jedoch immer dramatischer. Mussten Bär und Tiger im Buch lediglich ein Brett überqueren, um über den Fluss zu kommen, stehen die Filmtiere jetzt vor einer baufälligen Brücke, die über einer tiefen Schlucht hängt. Aus einer kleinen Ruderbootsfahrt wird eine Dampfschifffahrt (diese hätte 1978 immerhin nicht mit drei "f" geschrieben werden müssen) und dann taucht auf einmal ein Fisch auf, der die beiden begleitet und auch noch von Anke Engelke gesprochen wird. Kein Wunder, denn "Nemo" steht nicht nur bei meiner Co-Rezensentin ganz weit oben auf der Hitliste. Ob diese Referenz nun postmoderne Selbstironie oder einfach nur Sympathiegier ist, sei mal dahingestellt.
Den modernen Zeiten entsprechend gestaltet sich die gesamte Panama-Reise weitaus gefährlicher für Tiger und Bär als damals im Buch. Unnötig, finde ich. Nicht so schlimm, findet meine Kollegin, sie hatte sich eh schon gedacht, dass den beiden Protagonisten nicht wirklich etwas Schlimmes passieren würde...

Ein definitives Plus des Films sind die Stimmen der beiden Hauptfiguren. Wie Dietmar Bär an die Rolle des kleinen Bären gekommen ist, kann sich wohl jeder denken. Toll ist jedenfalls Til Schweiger als kleiner Tiger, der wurde bei Janoschs Traumstunde nämlich aus unerklärlichen Gründen immer von einer Frau gesprochen. Gut gelungen ist auch der Panama-Song, den die beiden beim Packen des Reisekoffers singen. Davon hätte es gern mehr geben können.

"Oh, wie schön ist Panama" ist gewiss kein schlechter Film, aber für echte Janosch-Fans zwangsläufig enttäuschend, denn es ist zuviel vom stets mit den Augen zwinkernden Erzähler verloren gegangen. Es fehlen die kleinen Kanten, sowohl in der Geschichte als auch in den glatt statt strubbelig gezeichneten Figuren. Nichtsdestotrotz ist meine Kollegin begeistert: Die Höchstwertung würde sie geben, der Film gefällt ihr sogar noch besser als Disneys "Robin Hood", und das ist ihr Lieblingsfilm. So soll es ja auch sein, schließlich ist sie fünf und der Film auf ihre Altergruppe zugeschnitten, nicht auf meine. Aber beim nächsten Babysitten les ich ihr trotzdem das Buch vor...

Anna Plumeyer

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