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Poseidon

Poseidon
abenteuer-action , usa 2006
original
poseidon
regie
wolfgang petersen
drehbuch
mark protosevich, paul gallico
cast
kurt russell,
emmy rossum,
josh lucas,
richard dreyfuss,
mike vogel,
jacinda barrett, u.a.
spielzeit
99 Minuten
kinostart
13. Juli 2006
homepage
bewertung

7 von 10 Augen

Für ein paar Sekunden ruht die Kamera auf dem nachdenklichen Gesicht von Kurt Russell alias Robert Ramsey. Gerade ist schon wieder ein Mitglied seiner Gruppe durch herunterfallende Schiffsbestandteile zu Fischfutter verarbeitet worden, doch Robert hat nicht wirklich viel Zeit zu trauern. Einem kurzen Innehalten folgt ein noch kürzeres Kopfschütteln, sowie ein nüchternes "Ok, let's go". Nein, Wolfgang Petersens nun schon dritte Bootsfahrt in den Untergang (nach "Das Boot" und "Der Sturm") lässt seinen Akteuren nicht wirklich viel Zeit zum Luftholen. Gottseidank kann man da nur sagen, denn dies ist die einzig wirklich effektive Waffe des Films, um die Aufmerksamkeit des Zuschauers von dem mit Stereotypen und banalen Dialogzeilen nur so vollgestopften Drehbuch abzulenken.
Auch wenn die Schwächen des Skripts es auf den ersten Blick verführerisch einfach erscheinen lassen, den Untergang der "Poseidon" als metaphorisch für die mangelnde Kreativität vieler Hollywood-Blockbuster zu betrachten, muss diesem vorschnellen Urteil letztendlich doch laut Einhalt geboten werden. Es mag war sein, dass "Poseidon" von intelligenter Unterhaltung so weit entfernt ist wie die Republik Togo vom WM-Sieg, doch dies muss ja noch lange nicht bedeuten, dass es keinen Spaß macht den beiden bei ihrem Auftreten zuzuschauen. Denn Hollywoods aktuellstes Schwergewicht ist auf geradezu erfrischend simple und geradlinige Art und Weise dann doch noch richtig kurzweilige Unterhaltung geworden. Mit dem Fuß auf dem Gaspedal gibt der Film kaum Gelegenheit, sich über die zahlreichen Schlaglöcher des Drehbuchs aufzuregen, und so steht "Poseidon" am Ende symbolisch für etwas, das einfach niemand besser als Hollywood zu leisten im Stande ist: selbst aus den furchtbarsten Klischees noch einen unterhaltsamen Film zu basteln.

Eifrig mitgebastelt hat dabei Wolfgang Petersen, der nach einem U-Boot und einem Fischkutter nun ein Kreuzfahrtschiff auf Grund laufen lassen darf. Ausgerechnet am Sylvester-Abend wird die prachtvolle Poseidon von einer Monsterwelle erwischt, welche das Schiff schließlich Kiel oben auf dem Atlantik treibend zurücklässt. Oben ist nun unten und, das dürfte wohl kaum einen überraschen, die meisten Crewmitglieder und Passagiere des Schiffes sind tot. Die wenigen Überlebenden sammeln sich im noch wasserfreien Ballsaal, doch entgegen der Anweisung eines Offiziers beschließt eine Gruppe von Passagieren, nicht etwa auf Hilfe zu warten, sondern sich alleine den Weg an die Oberfläche zu bahnen.
Angeführt von dem ehemaligen New Yorker Bürgermeister Robert Ramsey (Kurt Russell) und dem professionellen Glücksspieler Dylan (Josh Lucas) wird ihnen aber schon bald bewusst, welches Risiko der Aufstieg birgt, denn das Schiff hält so manche tödliche Überraschung parat. So wird Dylans Vorgabe, so schnell wie möglich nach "oben" zu kommen, gleich von mehreren Teammitgliedern falsch ausgelegt und stattdessen reihenweise der Heldentod gestorben. Angesichts des nackten Überlebenskampfes rücken die Selbstmordabsichten des homosexuellen Richard Nelson (Richard Dreyfuss) und die Heiratspläne von Ramseys Tochter Jennifer (Emmy Rossum), deren Vater den kommenden Bräutigam (Mike Vogel) nicht wirklich ins Herz geschlossen hat, auch sehr schnell in den Hintergrund.

"Poseidon", dieser Name wird im Alltag eher mit luxuriösen Yachten oder dem preiswerten Griechen um die Ecke assoziiert, als mit dem stolzen Meeresgott und seinem Dreizack. Mit "My Big Fat Greek Wedding" hatten griechische Restaurants ja bereits ihren Leinwandauftritt, nun widmet sich der deutsche Regisseur Wolfgang Petersen also dem Überlebenskampf der Passagiere eines sinkenden Kreuzfahrtschiffes. Das gab es zugegebenermaßen allerdings schon einmal 1972, damals mussten sich Gene Hackman und Ernest Borgnine verzweifelt ihren Weg durch den Ozeandampfer bahnen. Wie so oft versucht Hollywood also mal wieder durch ein Remake das Risiko eines Misserfolges gering zu halten, was einmal funktioniert hat wird wohl auch ein zweites Mal die Kassen füllen.
Sehr oft ist diese Rechnung schon aufgegangen, diesmal allerdings nicht. Neben durchwachsenen Kritiken gab es eine satte Ohrfeige an der amerikanischen Kinokasse, und wenn auch noch die internationalen Einspielergebnisse hinter den Erwartungen zurückbleiben, dann dürften wir es hier wohl mit einem aussichtsreichen Kandidaten für den (finanziellen) Flop des Jahres zu tun haben.

Leider hat es da aber mit "Poseidon" den Falschen erwischt, denn auch wenn uns Petersen keine Sternstunde des Kinos liefert, entpuppt sich sein Film dennoch als äußerst kurzweilige Unterhaltung, vorausgesetzt man hat neben Popcorn auch die richtige Erwartungshaltung mit in den Kinosaal gebracht. Dass der Film sich so kurz anfühlt, liegt natürlich zum einen daran, dass der Film auch tatsächlich kurz ist. Nicht einmal 100 Minuten bringt er auf die Uhr, und das ist bei den selbsternannten Blockbustern heutiger Tage dann doch schon eher eine Seltenheit. Zum anderen ist da aber auch die Tatsache, dass Petersen sich glücklicherweise bewusst darüber ist, wo die Schwächen der Story liegen und, noch viel wichtiger, wie man diese möglichst geschickt übertünchen kann.
Sein Rezept: Konzentration aufs Wesentliche und Tempo, Tempo, Tempo. Abgesehen von einem leichten Anflug von Epos in der beeindruckenden Eröffnungssequenz, bei der man allerdings die Computerherkunft etwas zu deutlich spürt, bekommt der Kinobesucher mit "Poseidon" nämlich eine sehr simple Version des "10-kleine-Negerlein Konzepts" serviert, ohne die in Filmen dieser Größenordnung so oft übliche extra Spritze bemühten Dramas und Pathos. So werden die Protagonisten einfach ohne Atempause von einem Set in das andere gescheucht, jedes Mal konfrontiert mit einem neuerlichen Hindernis und seinen tödlichen Tücken. Abgesehen von ein paar eingestreuten Außenaufnahmen des Schiffes bleibt der Zuschauer dabei immer konsequent bei der Gruppe und glücklicherweise auch von überstrapazierten romantischen Nebenplots verschont, womit mögliche Tempobremser gleich schon mal vorab eliminiert wurden.

Sicher, eine Story mit Tiefgang würde zwar zu einem sinkenden Schiff passen, doch im Falle von "Poseidon" ist es nicht so tragisch, dass sich der Film fast ausschließlich von Klischees bedient. Ein gutes Beispiel für diese Vorgehensweise ist die Exposition, bei der alle wichtigen Figuren dem Publikum im Wesentlichen mit zwei oder drei Sätzen vorgestellt werden. So etwas funktioniert natürlich nur, wenn tief in die Klischeekiste gegriffen wird, doch wieso mit langer Exposition Charaktertiefe schaffen für Figuren, die letztendlich doch sowieso nur Fischfutter sind. So dauert es nicht einmal 15 Minuten bis zum Auftauchen der Welle und damit dem Begin des Überlebenskampfes der Passagiere, was dem Tempo des Films alles andere als schadet (man denke nur einmal an den etwas zähen Start von "King Kong" zurück).
Natürlich lässt sich nicht leugnen, dass der Film den Betrachter auch danach noch weiter kräftig mit Klischees und banalen Dialogen "verwöhnt". Wenn Heiratsanträge diskutiert werden, kleine Kinder allzu cleveres Verhalten an den Tag legen und sich die Protagonisten immer in den richtigen Momenten an ihre Vergangenheit als Feuerwehrmänner oder Sportschwimmer erinnern, dann sollte man ja eigentlich den Drehbuchautoren vierteilen. Doch da all dies von dem Film eher beiläufig abgehandelt wird, bekommt man nie wirklich genug Zeit sich so richtig darüber aufzuregen. So wird zum Beispiel der Heiratsantrag Jennifers in einem Schacht ausdiskutiert, mit ansteigendem Wasserpegel unten und verschlossenem Deckel oben. So lächerlich das ist, so dankbar ist man dann doch auch wieder, dass dies nicht mit einer langatmigen und schmalzigen Fünfminuten-Szene zelebriert wird. Petersen bringt diesen Punkten offensichtlich ebenso wenig Interesse entgegen wie der Kinobesucher, und das macht es schwierig, wirklichen Frust darüber zu empfinden.

Stattdessen liegt der Fokus des Films ganz wo anders, nämlich auf dem fleißigen Drehen der Spannungsschraube, den Action-Sequenzen und einem einfallsreichen Set-Design. In diesen Punkten kann sich "Poseidon" recht gut behaupten und selbst die Darsteller können aus einem Nichts an Charakteren genug Ausstrahlung zaubern, um zumindest nicht völlige Gleichgültigkeit an ihrem Schicksal aufkommen zu lassen. Wirklich hervorstechen kann allerdings nur Josh Lucas, was aber hauptsächlich an der aktiven Präsenz seiner Figur liegt. Während Russell ein wenig verschenkt ist, ist es schön, den deutlich gealterten Dreyfuss mal wieder auf der großen Leinwand begrüßen zu können, auch wenn dieser mit seiner Rolle vollkommen unterfordert ist. Schließlich sollte man sich dann auch noch bezüglich des Auftritts von Black Eyed Peas-Sängerin Stacey Ferguson bei der Monsterwelle für ihr frühzeitiges Auftauchen bedanken.

Ja, "Poseidon" darf vollkommen berechtigterweise als Edeltrash deklariert werden, doch wenigstens sind sich bei diesem Film die Macher dieser Tatsache auch bewusst. Die "kreativen" Tötungsszenarien, teilweise stark an die "Final Destination"-Reihe erinnernd, tragen dann ebenfalls noch ihren Teil zur Steigerung des Trash-Faktors bei. Dazu schwimmen fast in jeder Einstellung dutzende Leichen durchs Bild, was im Vergleich "Titanic" wie einen Kindergartenausflug erscheinen lässt. Zarte besaitete Seelen sollten also lieber keine Bordkarte lösen, alle anderen dürfen aber relativ unbesorgt zugreifen, solange man sich bewusst wird was einem hier serviert wird. So schnell "Poseidon" vorüber ist, so schnell ist er letztendlich auch wieder vergessen, doch in diesem Fall darf dies eher als Kompliment denn Kritik verstanden werden.

Matthias Kastl

6

Kann mich der Kritik oben nur anschließen, ein durchaus spannender und vor allem kurzer Hollywood-Katastrophen-Film. Mehr habe ich auch nicht erwartet.

4

Wirklich sehr unzutreffende Kritik! Ehrlich.

8

Wolfgang Petersens neuer Film Poseidon hat mir sehr gut gefallen, obwohl er in der USA nicht so der Knüller war.Die Action und der Untergang des Schiffes ist gut umgesetzt und die Schauspieler passten auch. Fazit: Der Film ist ein guter Sommerhit, den man sich getrost anschauen kann. Er wird nicht enttäschen.

7

Super Kritik, bis auf einen Punkt: Durch diese "super geradlinige Story" ,die einem keinen Moment Atempause gönnt und alle Klischees mit Action überdeckt, kommt zwar insgesamt ein unterhaltender Film raus, der dann aber doch schnell langweilig wird. Darum würde der FIlm von mir höchstens 6 Punkte, eher 5 bekommen. Was die 7 Punkte für mich raushaut, sind die wirklich irrsinnigen Wasser-Special Effects!

7

Ach ja, vergessen: Ich finde die Effects sogar so gut, dass der Oscar meiner Meinung nach an diesen Film hätte gehen sollen und nicht an Fluch der Karibik 2, bei dem die CGI Hintergründe doch ganz schön durchleuchten...

Ups, und noch was: @gute-arbeit: Was heißt da, kein ewiges Liebesgesülze wie in Titanic??? Dafür haben wir hier kurzes Liebesgesülze mit der Feinfühligkeit von Silvester Stallone, wobei man nicht im Geringsten die Möglichkeit hat, die Personen kennenzulernen! Dazu ist es eine typisch Blockbuster-Beziehung: Gut aussehende Schauspieler, oberflächliche und schnell durchschaubare Charaktere. Nichts was der Person Tiefe verleiht.

Und in Titanic steckt weitaus mehr als "Liebesgesülze", das kann gar nicht oft genug gesagt werden!!

So - Over.

8

Ich finde den Film einfach nur toll, aber mit dem dem Film Titanic ist es nich zuvergleichen.
Aber ich gebe trotzdem 8 Augen.

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