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Professor Marston & The Wonder Woman

Professor Marston & The Wonder Woman
psycho-drama , usa 2017
original
professor marston & the wonder woman
regie
angela robinson
drehbuch
angela robinson
cast
luke evans,
rebecca hall,
bella heathcote,
connie britton,
oliver platt, u.a.
spielzeit
108 Minuten
kinostart
2. November 2017
homepage
https://www.facebook.com/marstonmovie/
bewertung

4 von 10 Augen

marston 1In den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts erregen Professor William Marston (Luke Evans) und seine Ehefrau Elizabeth (Rebecca Hall) nicht allein durch ihre wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Psychologie einiges Aufsehen, was unter anderem zur Erfindung des Lügendetektors führt. Nachdem die junge Studentin Olive Byrne (Bella Heathcote) zu ihnen stößt, ergibt sich daraus bald eine polyamoröse Dreierbeziehung, die von der damaligen Gesellschaft natürlich nicht toleriert wird und daher weitgehend im Geheimen abläuft. Für einige seiner anderen Phantasien in Form von erotischen Fesselspielen und der hemmungslosen Bewunderung starker Frauen findet Marston jedoch eine völlig andere Ausdrucksmöglichkeit: Er erfindet für die um 1940 herum enorm erfolgreichen Comic Books die Figur „Wonder Woman“.
 

marston 2Innerhalb der Comicszene durchaus bekannt, dürfte die Hintergrundgeschichte um den Schöpfer der gerade erst in diesem Jahr durch einen sehr erfolgreichen Kinofilm erneut ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückten Amazonenprinzessin bei Vielen für hochgezogene Augenbrauen sorgen. Denn in der Tat, der Comicautor Prof. William Marston erfand nebenbei auch noch den modernen Lügendetektor, indem er die Wahrheitsfindung an die Messwerte von Herz und Blutdruck koppelte. Und ja, er lebte ein für die damalige Zeit recht ungehöriges Leben mit zwei Frauen unterschiedlichen Alters an seiner Seite. Ein interessanter und inmitten der Flut an Comicverfilmungen auch mal etwas anderer Stoff mit Superheldenbezug also, der allerdings trotz des Namens „Wonder Woman“ im Titel Schwierigkeiten haben dürfte auch nur einen Bruchteil des Publikums zu erreichen, welches die DC-Verfilmung zum Blockbuster machte. Dass der Film von Angela Robinson („Herbie fully loaded“) sein Thema zudem erst sehr sperrig und dann wieder ausgesprochen kitschig inszeniert, hilft ebenfalls nicht weiter.

marston 3Dabei gibt es an der Besetzung überhaupt nichts auszusetzen. Der als Leading Man („Dracula Untold“) bisher noch nicht die ganz großen Massen elektrisierende, als Nebendarsteller in „Der Hobbit“ und „Die Schöne und das Biest“ aber stets überzeugende Luke Evans versprüht ausreichend Charisma und einen eher herben Charme, zeichnet seinen Professor als einen zwischen Ehrgeiz und Verbissenheit auf der einen sowie purer Lebenslust auf der anderen Seite hin und her gerissenen Mann. Auch Rebecca Hall als – nicht nur für ihre Zeit – extrem selbstbewusste Frau sowie Bella Heathcote („Dark Shadows“) als zunächst höchst unsichere und mit der ungewöhnlichen Situation oft überforderte Novizin Olive besitzen die passende Ausstrahlung, um ihren Figuren einigermaßen Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Die Handlung schlägt allerdings in mehrerer Hinsicht einige unsinnige Kapriolen, die das Vergnügen hier mitunter zu einem recht anstrengenden machen. So wird die Kerngeschichte in eine Rahmenhandlung eingebettet, bei der sich Marston - zu diesem Zeitpunkt gesundheitlich bereits stark angeschlagen - einer Anhörung zu den angeblich jugendgefährdenden Inhalten seiner Wonder Woman-Comics stellen muss. Im Rückblick erleben wir dann die Entwicklung der Dreierbeziehung über den Verlauf von gut 20 Jahren, was aufgrund der nicht besonders aufwändigen Masken allerdings nicht immer erkennbar ist.

marston 4Doch so sprunghaft wie vor allem die Einstellung Olives zur „Ménage à trois“ sich ständig ändert, so umständlich versucht das Drehbuch deren Historie irgendwie in zwei Stunden zu pressen, wobei das ständige hin und her irgendwann einfach ermüdet. Trotz eindeutiger sexueller Motive muss die Darstellung zudem stets so züchtig bleiben wie es in einer amerikanischen Mainstream-Produktion nun mal vorgegeben scheint, ganz egal wie weit man sich thematisch auch von eben diesem Mainstream wegbewegt. So sehen wir also drei wunderschöne Körper (auch dies bereits eine Hollywood-Veredelung, wenn man sich die Fotos der realen Vorbilder im Nachspann zu Gemüte führt) in luftigen Gewändern mit hauchzarten Spuren von nackter Haut ihre SM-Spielchen veranstalten, was den Pfad der Glaubwürdigkeit doch ziemlich verlässt. Zum bittersüßen Finale hin feiert man dann mit Blick auf die Tränendrüse die wahre, aufrechte und vor allem ewige Liebe sowie den „Kampf“ gegen die spießige Gesellschaft und lässt die zuvor klar erkennbaren Faktoren Opportunismus und reine Zweckmäßigkeit - weil's halt so schön ist - lieber außen vor.

marston 5Auch die Verbindung zu „Wonder Woman“ wird spürbar glorifiziert, wenn nicht gar verfälscht. Denn Marston hatte mit seiner Kreation einfach erstmal den bis dahin von den Verlegern vernachlässigten Markt für Comic-Heldinnen im Blick und wollte damit weniger ein Manifest für die starke Weiblichkeit abliefern – oder kurz gesagt: Er brauchte schlicht regelmäßige Geldeinkünfte um seinen Lebensstil zu finanzieren, da ihm die Universitäten zunehmend die kalte Schulter zeigten. Und die Art und Weise wie hier frühe Wonder Woman-Comicszenen so zusammengeschnitten werden, dass man den Eindruck bekommt es ging darin praktisch ausschließlich um erotische Fesselspiele, bewegt sich dann schon stark im Bereich der gezielten Manipulation. Es trifft zwar zu, dass solche Sequenzen in den Geschichten, die noch von Marston selbst verfasst wurden, zu finden sind. Doch waren diese bei weitem nicht so dominant wie hier suggeriert.

Abgesehen davon, dass man sich thematisch sowieso schon in einer sehr speziellen Nische bewegt, macht es sich „Professor Marston & The Wonder Woman“ durch die Art der Inszenierung zusätzlich schwer das Interesse aufrecht zu erhalten und verliert sich in einer nur wenig spannenden Aneinanderreihung von einzelnen Momenten einer sehr wechselhaften Beziehung. Da die Verbindung zum populären SuperheldInnen-Thema dazu auch noch sehr bemüht und historisch fragwürdig daherkommt, bleibt dann letztlich nicht mehr viel übrig auf der Habenseite.

Volker Robrahn

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