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Roter Satin

Roter Satin
liebes-drama , frankreich/tunesien 2002
original
satin rouge
regie
raja amari
drehbuch
raja amari
cast
hiam abbass,
maher kamoun,
hend el fahem, u.a.
spielzeit
100 Minuten
kinostart
16. Mai 2002
homepage
bewertung

7 von 10 Augen

Lilia (Hiam Abbas) ist eine Hausfrau in einem gutbürgerlichen tunesischen Vorort. Sie schlägt die Zeit, die ihr nach dem frühen Tod ihres Mannes viel zu lang geworden ist, mit gelegentlichen Näharbeiten und exzessiven Putzattacken tot. Lilias pubertierende Tochter Salma scheint ihr mehr und mehr zu entgleiten, was das Gefühl der Einsam- und Nutzlosigkeit Lilias noch verstärkt. Als Salma eine Beziehung mit einem tingelnden Musiker eingeht, befürchtet Lilia den Abstieg ihrer Tochter in halbseidene Nachtclubs und will ihr dort nachspüren. Im Cabaret "Satin Rouge" findet Lilia zwar nicht ihre Tochter, dafür aber Gefallen an den Tanznummern und dem Musiker Chokri. Lilia beginnt eine Affäre mit Chokri, nicht ahnend, dass dieser auch mit Salma liiert ist.

Raja Amari erzählt ihr Spielfilmdebüt "Roter Satin" unspektakulär in langen, ruhigen Bildern. Sie lässt Lilia viel Zeit für die Wandlung von der grauen Hausfrau zur Nachtclub-Tänzerin, und diese schrittweise Annäherung an das Doppelleben macht ihren Charakter so glaubwürdig. Auch das Mutter-Tochter-Verhältnis wird in seinem Prozess von Salmas Versuch der Abnabelung über Lilias Anstrengung, sie festzuhalten bis zum Aufbau eines freundschaftlichen Verhältnisses sensibel beobachtet.
Lilias Geschichte könnte in jedem beliebigen westeuropäischen Land spielen, sie scheint nicht spezifisch für das Leben einer modernen afrikanischen Frau zu sein. Der Kontrast zu der islamischen Familie, die auf dem Lande lebt und Lilias Rückkehr dorthin fordert, wird mit dem patriarchalischen Onkel nur kurz angeschnitten und Salmas Aufbruch in die Eigenständigkeit ist weniger der Emanzipationsversuch einer jungen Frau im Islam als vielmehr der konfliktbeladene Prozess des Erwachsenwerdens.
Von den Lebensbedingungen moderner Frauen in Tunesien wäre ein tieferer Einblick wünschenswert gewesen, aber dennoch ist Amari eine intensive, glaubwürdige Zeichnung ihrer Figuren gelungen. Hiam Abbas überzeugt in der Darstellung der Lilia, die wie magisch, entgegen ihren eigenen inneren und gesellschaftlichen Schranken von der Welt des "Satin Rouge" angezogen wird und sich selbst neu entdeckt.

Das versöhnliche Ende, das die unentdeckte Dreiecksbeziehung zurück in gesellschaftlich akzeptierte Bahnen lenkt, kann polarisieren, ist aber als Abschluss der Entdeckungsreise einer Frau zu sich selbst durchaus plausibel.

Miriam Flüß

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