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Sully

Sully
action-drama , usa 2016
original
sully
regie
clint eastwood
drehbuch
todd komarnicki
cast
tom hanks,
aaron eckhart,
laura linney,
anna gunn, u.a.
spielzeit
96 Minuten
kinostart
1. Dezember 2016
homepage
bewertung

7 von 10 Augen

sully 1Clint Eastwood macht dann einfach mal weiter mit seinen Betrachtungen zu sehr amerikanischen Geschichten. Wobei die historischen Personen, für die sich die mittlerweile 86jährige Ikone des Hollywood-Kinos interessiert, dabei nicht immer auch den Nerv des Publikums treffen müssen. Seine Porträts von FBI-Chef J. Edgar Hoover oder den weitgehend vergessenen Musikern der „Jersey Boys“ wollten nicht allzu viele sehen, und Eastwoods sehr ruhige, um nicht zu sagen streckenweise langatmige Art der Inszenierung hat diesen Werken dann auch nicht geholfen. Mit seinem letzten Film „American Sniper“ zielte der Altmeister dann aber wieder sehr genau ins Herz der Kinogänger, zumindest der seines Heimatlandes, und landete einen unerwarteten Riesen-Hit. Nun nimmt er sich mit Captain „Sully“ Sullenberg einer weiteren Heldengeschichte an, einer die deutlich weniger umstritten und fragwürdig daherkommt als die des Scharfschützen Chris Kyle, wird doch der Pilot, der vor ein paar Jahren seine beschädigte Maschine unbeschadet auf dem Hudson River landete und dadurch alle Passagiere rettete, allgemein als Held verehrt. Doch auch dieser „Sully“ hatte seine Kritiker und genau um die herum baut Eastwood seine Geschichte.
 

sully 2Nachdem er eine einsame Entscheidung getroffen und den von ihm geflogenen Airbus nach einem beträchtlichen Triebwerkschaden kurzerhand auf dem New Yorker Hudson River gelandet hat, wird Flugkapitän Chesley B. Sullenberger (Tom Hanks) von Alpträumen geplagt, in denen diese Aktion misslingt und er stattdessen mit seiner Maschine in die Häuserschluchten von Manhattan stürzt. In Wahrheit haben zwar alle 155 Passagiere die Notlandung überlebt, doch das hält Sullenbergers Arbeitgeber sowie die amerikanische Luftaufsichtsbehörde nicht davon ab, eine Untersuchung einzuleiten. Und so stellt man dem erfahrenen Piloten exakt die Fragen, die er sich auch fortwährend selber stellt: War es wirklich richtig und notwendig das Flugzeug auf dem Wasser zu landen, oder hat er die Menschen an Bord damit nur unnötig in Gefahr gebracht?
 

sully 3Es ist ein ungewöhnlicher, aber interessanter Ansatz, den sich Regisseur Eastwood und sein Drehbuchautor Todd Komarnicki ausgesucht haben, um diese im Prinzip allgemein bekannte Geschichte zu erzählen. Denn ihr Film setzt ein nachdem die spektakuläre Landung bereits geschehen ist, und beschäftigt sich zunächst einmal mit deren Aufarbeitung. Die Alptraumsequenz zu Beginn ist dabei vermutlich als Zugeständnis an diejenigen Zuschauer zu werten, die sich von dieser Story vor allem krachende Action versprechen. Die wird ihnen dann im Verlauf auch noch geliefert, bietet doch die gewählte Erzählweise anhand von Flashbacks und Simulationen dann sogar gleich mehrfach Gelegenheit, die dramatischen Minuten im Cockpit erneut zu durchleben.

Auch in Sachen „Schauwerte“ liefert der Film daher also doch noch ordentlich ab. Was Eastwood aber grundsätzlich viel mehr interessiert, sind stets der innere Kampf und das Gefühlsleben von Menschen in außergewöhnlichen Situationen, eine Linie, die sich von „Letters from Iwo Jima“ über „Invictus“ bis zu den weiter oben bereits genannten Filmen durch sein Werk der letzten Dekade zieht . Sein Captain Sully ist dabei alles andere als ein nach Ruhm und Aufmerksamkeit gierender Mann, sondern viel mehr ein nüchterner, pflichtbewusster Arbeiter, der stets höflich und zurückhaltend auftritt und das plötzlich eintretende öffentliche Interesse an seiner Person kaum genießen kann. Stattdessen hadert er gemeinsam mit seinem Co-Piloten und guten Vertrauten Jeff Skiles (durch einen mächtigen Schnauzer entstellt: Aaron Eckhart) bei nächtlichen Spaziergängen mit sich selbst und seiner Entscheidung, die er doch nach bestem Wissen und Gewissen getroffen hat. Tom Hanks besitzt die natürliche Ausstrahlung um exakt derjenige zu sein, den man sich für die Besetzung dieses höchst vertrauenswürdigen, sich um keine Verantwortung drückenden Menschen vorstellt. Und ihm gelingt es auch hier – in einer Rolle, die einem anderen von ihm gespielten Captain namens „Phillips“ nicht unähnlich ist – den Darsteller Hanks fast vollständig hinter seiner Figur verschwinden zu lassen.

sully 4Für den Rest der Besetzung bleibt angesichts der Konzentration auf die Titelfigur fast naturgemäß nur wenig zu tun, während Aaron Eckhart zumindest noch ein paar lässige Einzeiler ablassen darf, ist vor allem Laura Linney als besorgte Ehefrau, die hier ihre gesamte Leinwandzeit am Telefon verbringt, völlig verschenkt. Der nüchterne Analytiker Eastwood behält nicht nur den Fokus komplett auf dem Objekt seines Interesses, er sorgt auch ansonsten dafür, dass sein Film kein Gramm Fett zu viel mit sich rumträgt und handelt das, was er zu erzählen und zu zeigen hat, in knackigen 96 Minuten ab. Ein neues Meisterwerk hat er damit zwar nicht geschaffen, aber „Sully“ reiht sich – vor allem auch dank seines Hauptdarstellers – recht mühelos in die Reihe der sehenswerten Qualitätsfilme aus dem Hause Eastwood ein.

Volker Robrahn

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