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Timm Thaler oder das verkaufte Lachen

Timm Thaler oder das verkaufte Lachen
familien-dramödie , deutschland 2017
original
regie
andreas dresen
drehbuch
alexander adolph
cast
arved friese,
justus von dohnànyi,
axel prahl,
charly hübner,
jule hermann,
steffi kühnert. bjarne mädel, u.a.
spielzeit
102 Minuten
kinostart
2. Februar 2017
homepage
https://www.constantin-film.de/kino/timm-thaler-oder-das-verkaufte-lachen/
bewertung

7 von 10 Augen

timm 1Timm Thaler (Arved Friese) lässt sich seine gute Laune auch durch ein Leben in ärmlichen Verhältnissen nicht vermiesen. Das enge Verhältnis zu seinem Vater (Bjarne Mädel), die Freundschaft mit der jungen Ida (Jule Hermann) und vor allem sein ansteckendes Lachen sorgen überall für gute Laune. Doch als sein Vater plötzlich stirbt, ist es mit der Fröhlichkeit schlagartig vorbei und Timm lässt sich auf einen verhängnisvollen Pakt mit dem durchtriebenen Baron Lefuet (Justus von Dohnanyi) ein. Der erfolgreiche Geschäftsmann besorgt sich das, was ihm zur Ausweitung seiner Macht noch fehlt, und das ist Timm Thalers Lachen. Nachdem der Junge dieses an den Baron verkauft hat, gewinnt er von nun an jede Wette und sieht einem Leben in großem Reichtum entgegen. Doch glücklich macht ihn das auf Dauer nicht und zusammen mit Ida und seinem neuen Freund Kreschimir (Charly Hübner) macht er sich daran, den Vertrag irgendwie rückgängig zu machen.
 

timm 2Nahezu jedem heute Erwachsenen über 40 dürfte die Geschichte vom „Jungen, der sein Lachen verkaufte“ bestens vertraut sein, lockte doch die 13teilige TV-Verfilmung Ende der 70er Jahre als echter Straßenfeger die halbe Nation vor den Bildschirm und machte den jungen Thomas Ohrner in der Hauptrolle für einige Zeit zum Teenageridol. Doch die Zuschauer von damals werden „ihren“ Timm in der neuen Kinoversion kaum wiedererkennen, sieht der doch unter der Regie von Andreas Dresen völlig anders aus. Denn Dresen, zweifellos einer der profiliertesten deutschen Filmemacher und sonst mit Dramen wie „Halbe Treppe“ und „Halt auf freier Strecke“ oder auch Komödien wie „Sommer vorm Balkon“ erfolgreich, hält sich deutlich enger an die Romanvorlage von James Krüss, und verzichtet darauf die Handlung in die Gegenwart zu verlegen, wodurch wir uns nun in einer zwar nicht konkret terminierten, den 1920er Jahren jedoch sehr ähnlich sehenden Zeit bewegen. Darin riecht es an allen Enden nach Armut und Weltwirtschaftskrise und diese Ära wird mit aufwändigen Produktionsdesign und Kostümen eindrucksvoll eingefangen.

timm 3Von TV-Frührentner Harald Schmidt über Milan Peschel, Nadja Uhl bis zu Thomas Ohrner höchstselbst schauen hier diverse namhafte Darsteller mal kurz in die Kamera, und auch für die größeren Rollen versammelt sich einige Prominenz, wobei vor allem Charly Hübner als gutmütiger Barkeeper und noch mehr Alex Prahl als unterwürfiger, stets verschwitzter und geschundener Gehilfe des Barons viel Spielfreude zeigen. Die Szenen mit den zeitweilig zu Ratten verwandelten Helfern erweisen sich dabei allerdings ab und zu als eher nervig denn wirklich lustig, doch sind diese Elemente eben vor allem ein Zugeständnis an die ganz jungen Zuschauer. Die dürften hier zeitweilig aber auch etwas überfordert sein, findet sich doch auch die deutliche Gesellschafts- und vor allem Kapitalismuskritik der Romanvorlage in der Adaption wieder, die ohnehin eine Spezialität des in dieser Frage stets sehr engagierten James Krüss war (und die einst mit dazu führte, dass das ZDF der damaligen Verfilmung erst nach einigem Zögern und diversen Änderungen zustimmte).

timm 4Denn während der vom zweifellos extrem charismatischen Horst Frank verkörperte Bösewicht mit dem sprechenden Namen Lefuet einst einfach nur aus Prinzip teuflisch böse war, legt Justus von Dohnanyi die Figur anders, aber nicht minder wirkungsvoll an. Sein Baron ist freundlicher und verschlagener, verfolgt mit seinen Aktionen konkretere Pläne, die Menschheit zu manipulieren und auszubeuten, lässt aber zwischendurch auch immer wieder Frustration und Zerrissenheit über die eigene Persönlichkeit durchschimmern. Der junge Arved Friese in der Titelrolle macht seine Sache zwar ebenfalls gut, kann allerdings in Sachen Charisma mit den Kollegen um sich herum (naturgemäß) nicht mithalten und besitzt auch nicht das wirklich strahlende Lachen seines Vorgängers in dieser Rolle. Insgesamt handelt es sich beim „Timm Thaler“ nach Dresen-Art aber um eine sehr liebevolle Umsetzung, die allein schon durch ihren völlig eigenständigen Ansatz ihre Existenzberechtigung hat.

Volker Robrahn

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