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Winter's Bone

Winter's Bone
drama , usa 2010
original
winter's bone
regie
debra granik
drehbuch
debra granik, anne rosellini
cast
garret dillahunt,
jennifer lawrence,
john hawkes,
dale dickey,
ronnie hall, u.a.
spielzeit
95 Minuten
kinostart
31. März 2011
homepage
http://www.wintersbone-derfilm.de
bewertung

9 von 10 Augen

Manchmal braucht es nur einen Film, um aus einem Niemand einen Star zu machen, oder zumindest eine junge Hoffnung mit Starpotential. Ein solcher Film ist "Winter's Bone" und ein solcher vielleicht zukünftiger Star ist Jennifer Lawrence. Dieser Film wird fast allein von dieser jungen, bis hierhin nahezu vollkommen unbekannten Dame getragen, und mit welcher Leichtigkeit und Natürlichkeit sie die sture, eisenharte Ree hier verkörpert, ist absolut beeindruckend. Es beeindruckt so nachhaltig, dass "Winter's Bone" vor allem dank Lawrences famoser Leistung nach einem Sieg in Sundance zu einem Hit auf Filmfestivals wurde und auch verhältnismäßig gut an den Kinokassen abschnitt.
Eines war allerdings Pech für "Winter's Bone" und Jennifer Lawrence, nämlich dass es da einen anderen Independentfilm mit einer jungen Frau in der Hauptrolle gab, der mehr Einspielergebnis hatte, viel mehr Aufmerksamkeit auf sich zog und letztendlich dann auch die großen Preise für sich verbuchen konnte. Aber gegen Natalie Portman als schwarzem Schwan war halt kein Kraut gewachsen. Dass dies bei den Oscars so sein würde, davon war auszugehen, dass der vermeintliche Favorit "Winter's Bone" allerdings auch bei den Independent Spirit Awards (den "Oscars" der Independentszene) in den wichtigen Kategorien gegen den flashigeren "Black Swan" verlor, war denn doch ein bisschen bitter für Debra Graniks Werk, und auch ein kleines bisschen ungerecht. Wo "Black Swan" bei aller Klasse ein effektheischender "Guck mich an! Guck mal, was ich mache!"-Film ist (so wie eigentlich jeder Aronofsky-Film), ist "Winter's Bone" quasi die Antithese: ein karger, leiser Film ohne jegliche Showallüren.

Viel hat dabei natürlich mit Schauplatz und Geschichte zu tun. Entgegen der Östrogen-überdosierten und repressiven Welt des Balletts, in der man offenbar schon mal den Verstand verlieren kann, spielt "Winter's Bone" so weit weg von New Yorker Balletthäusern, wie es innerhalb der USA nur vorstellbar ist. Der Schauplatz ist der heimliche Hauptdarsteller von "Winter's Bone" und dieser Schauplatz sind die Ozark Mountains, eine Gebirgskette in Süd-Missouri/Nord-Arkansas. Bekannt sind die Ozarks nicht, außer für die dort lebenden Hinterwäldler, die zum Teil bettelarm sind.
Um genau so eine Person handelt es sich bei der 16-jährigen Ree Dolly, die sich quasi als Herrin des Hauses um ihre zwei jüngeren Geschwister und ihre Mutter kümmert. Letztere ist katatonisch (wohl aufgrund ihrer Drogenvergangenheit, der Film lässt dies allerdings offen) und starrt den ganzen Tag nur abwesend in die Gegend. Es liegt also an Ree, die Familie trotz ihrer Armut irgendwie durchzubringen. Eine Aufgabe, die fast gänzlich unmöglich wird, als der lokale Sheriff (Garret Dillahunt) die Nachricht überbringt, der von der Familie getrennte Vater Jessup sei nicht aufzufinden. Das Problem dabei: Er hat die Blockhütte der Familie als Kautionspfand hinterlegt. Wenn er nicht gefunden wird - tot oder lebendig - verlieren Ree und ihre Familie die Hütte und damit wirklich alles, was sie haben. Ree macht sich also auf die Suche nach ihrem Vater, und muss feststellen, dass man in der eingeschworenen Gemeinschaft der in den Ozarks lebenden Bevölkerung besser nicht zu viele Fragen stellt. Die Suche nach der Wahrheit über das Schicksal ihres Vaters wird so zu einer lebensgefährlichen Odyssee....

Kaum ein Autor kennt die Missouri Ozarks so gut wie Daniel Woodrell. Der Verfasser der Romanvorlage hat die meisten seiner Bücher dort angesiedelt (auch den Großteil seiner Bürgerkriegsgeschichte "Woe To Live On", die von Ang Lee als "Ride With the Devil" verfilmt wurde). Die meisten davon sind von ihm so bezeichnete "Country Noir"-Geschichten, die ein Verbrechen in dieser einsamen ländlichen Gegend mitsamt ihrer sehr speziellen Kultur behandeln. So auch in "Winter's Bone", aber mehr soll nicht verraten werden, denn diesen Film sollte jeder selbst entdecken. Inhaltlich trifft die Bezeichnung "Country Noir" sicherlich zu, jedoch nicht, was den Stil des Films betrifft. Hier bleibt Granik - die zusammen mit Produzentin Anne Rosellini auch das Drehbuch schrieb - stilistisch einem Naturalismus treu, der das Optimum aus den realistisch abgewrackten Schauplätzen herausholt. Das natürliche, kalte Licht und die trostlosen winterlichen Schauplätze lassen einen hier immer wieder frösteln.
"Country Noir" trifft aber ins Schwarze, was den Ton des Films trifft, denn es geht hier ausgesprochen düster zu. Hinterwäldlerhorror, aber mal ganz anders: Keine grenzdebilen Rednecks, keine Hünen mit Ledermaske und Kettensäge, keine schreienden Teenager auf der Flucht. Stattdessen: der kalte Wald, der lange Weg und eine Mauer des Schweigens, die kaum zu durchbrechen ist.
Die Leute in den Ozarks sind anders, dies wird schon in den Anfangsminuten deutlich. Man hält zusammen, komme was wolle, und mit Auswärtigen spricht man nicht. Wundervoll subtil setzt die Regisseurin Debra Granik dies um: Als etwa der Sheriff das Dolly-Haus besucht, um Ree die schlechten Nachrichten zu bringen, genügen schon kleine Details, meistens Blicke: der nervöse Blick des sich sehr unwohl fühlenden Sheriffs, die misstrauisch-feindseligen Blicke der Nachbarn. Probleme in den Ozarks werden nicht von der Polizei oder sonst einer anderen Behörde geregelt. So scheint auch keine Sozialbehörde so recht zuständig zu sein für die Leute hier, dafür zeigt der Film am Anfang schön das interne soziale System: Eine Nachbarin hat ein Kaninchen gefangen und zu Ragout verarbeitet und bringt den Dollys eine Schale vorbei, weil sie angeblich zu viel gekocht hat. Wieder genügen hier Blicke, um alles auszudrücken: Hilfe ohne das Stigma der Almosen, schweigender Dank. Man hilft sich aus, hier in den Ozarks, wo alle relativ arm sind. Außer jemand stellt zu viele Fragen, dann ist es schnell vorbei mit nachbarschaftlicher oder sogar familiärer Unterstützung. Dies stellt Ree schnell fest, als sie sich aufmacht herauszufinden, wo ihr Vater ist und was mit ihm geschehen ist. Keiner will ihre Fragen beantworten, dafür wird sie mehrmals gewarnt, die Dinge ruhen zu lassen. Sie wendet sich an ihren Onkel Teardrop (John Hawkes), aber auch er warnt Ree aufs Schärfste, nicht weiter zu forschen.

Aber natürlich tut sie dies, und hier wandelt sich der Film vom Drama langsam aber sicher zum Thriller, ohne jemals laut, pompös oder unrealistisch zu werden. Granik versteht, dass die Situationen selbst furchteinflößend genug sind und nicht durch Genrestereotypen verstärkt werden müssen. Und so gibt es hier keine "Buh"-Schockeffekte oder Verfolgungsjagden, sondern ein sich immer mehr steigerndes Gefühl der Bedrohung. Geschickt spielt "Winter's Bone" dabei mit Genres, ohne sich jemals einem komplett zu verschreiben. Er ist weder Horrorfilm noch Thriller, aber er vereint Elemente von beiden. Er ist kein klassisches Sozialdrama, hat aber auch davon Züge. Einem Multiplexpublikum wird dieser Film nicht zusagen, aber es ist auch kein schwer zugängliches Kunstkino. Es ist ein leiser, langsamer Film, dessen Brutalität und brutale Wahrheiten daher umso härter auf den Zuschauer einwirken.
Man will letztlich mit diesen (bis auf Ree) wenig sympathischen Figuren nicht viel Zeit verbringen, wird aber gepackt von der dichten Atmosphäre und dem grandiosen Spiel aller Beteiligten. Dazu gehört neben Jennifer Lawrence, die der Figur Ree eine eiserne Härte und fast schon gefährlichen Mut verleiht, auch John Hawkes. Dieser immer wieder in Nebenrollen gerne gesehene Charakterdarsteller darf hier zeigen, was er kann und hat dafür hoch verdient ebenfalls eine Oscarnominierung bekommen. Sein Teardrop ist in gewisser Weise die komplizierteste Figur in "Winter's Bone". Er kennt die Kodexe der eingeschworenen Ozark-Gemeinde genau, respektiert sie und will daher zuerst nichts mit der Mission seiner Nichte zu tun haben, bedroht sie gar körperlich, um sie davon abzuhalten. Aber er ist, versteckt hinter dem brutalen Äußeren und der im Knast eintätowierten Träne, die ihm seinen Spitznamen gibt, ein Mann der Recht von Unrecht unterscheidet und weiß, dass das seinen Nichten und Neffen drohende Schicksal Unrecht ist.
Großartig verkörpert Hawkes die Zerrissenheit zwischen einem privaten Ehrenkodex und den Regeln der Gemeinschaft um ihn. "Wenn du herausfindest, was mit deinem Vater geschehen ist, sag es mir nicht", erklärt er Ree, "denn dann müsste ich deswegen etwas tun, und ich möchte nicht auch mit den Zehen nach oben enden". Motivationen sind für ihn, wie für alle Charaktere hier, ein gefährlich zu navigierendes Labyrinth. In der Reihe der außergewöhnlichen Darstellerleistungen soll auch Dale Dickey erwähnt werden, die als Frau des örtlichen Gangsterbosses Thump Milton (Ronnie Hall) furchteinflößender als jeder Hüne mit Kettensäge ist.

Obwohl der Film nur anderthalb Stunden läuft, braucht man ein wenig Geduld für "Winter's Bone", denn er nimmt sich die Zeit um Schauplatz, Atmosphäre und Figuren herauszuschälen. Wer sich aber auf diesen Film einlässt, wird mit einem kleinen Meisterwerk belohnt, dessen Stärke die unvoreingenommene Sichtweise ist. Granik verurteilt ihre Charaktere und ihren alternativen Stil vom Miteinander und von Recht und Ordnung nicht, sie beobachtet sie. Kälte und Armut und einzigartige Charaktere, die nur das Nötige sagen und tun. "Winter's Bone" bedeutet im Roman ein kleines Geschenk, das der Winter bereit hält. Und auch wenn Rees Wintergeschenk eher schrecklicher Natur ist, so ist "Winter's Bone" ein winterliches Geschenk für alle Filmliebhaber.

Simon Staake

8

Düsteres Neo-Western meets Social-Life-Drama das voll überzeugt, gut als Triple-Feature mit true Grit und the Road vorstellbar

9

passende rezension zu einem beeindruckendem film. ich rate aber dringendst den film auf englisch zu sehen soweit irgendwie möglich auch wenn der ozark mountain "dialekt" schwer zugänglich ist, denn ohne die original sprechweise der charaktäre ist die eindringliche wirkung nur halb so viel wert.

8

Ein echter Hammerfilm! Bin schon lange nicht mehr so platt aus dem Kino gekommen.

Nicht perfekt; solide acht Augen. Und wie jnjndsa schon schrieb: Unbedingt in O-Fassung ansehen.

Mein Wunsch-Zweitfilm fürs Double Feature: "Schlaflos in Seattle".

8

Stimme der Rezension hier voll und ganz zu.

7

Zweifelsohne ein kleines Meisterwerk, ... für das man aber viel Geduld mitbringen sollte. Der Film kommt rein ohne überemotionale Reaktionen seiner Figuren aus und wenn sie geschehen, dann sind sie rein physischer Gestalt.

Auch wird Spannung nie künstlich aufgebaut. Die Musik bleibt immer sehr subtil im Hintergrund trägt zu dieser kalten und tristen Atmosphäre bei.

Was aber ein kleines Problem für mich war ist eine emotionale Identifikation mit der Hauptfigur. Vielleicht wirkt die Hauptfigur auch einfach nur hart und mutig, dass man für sich selbst denkt, man sei zu sensibel für eine derartige Situation, wie die Hauptprotagonistin erlebt. Denn der Film baut zu keiner Zeit eine dermaßen dramatische Szene auf, die gar einen zu tränen rühren könnte. Nein, dass passiert nie. Er zeigt sehr nüchtern und so selbstverständlich, wie hart die Situation der Hauptfigur und ihren Geschwistern ist.

So entsteht aber auch eine Kälte beim Zuschauen, weil man sich doch auch als Zuschauer gerne vom Leid der Hauptfigur anstecken lässt. Doch hier muss man genau, sehr genau hinsehen. So subtil geht dieser Film zu Werke. Er lässt sich ebenso viel Zeit um die Kraft der Bilder voll und ganz auszureizen, was ab und an auch den Zuschauer etwas unruhig werden lässt, da es nun mal auch eine Frage der Geduld ist.

Das jedoch größte Problem des Films ist seine deutsche Synchronisation, die mitunter so mies ist, dass man schmunzeln muss. Wenn man schon ein Kleinkind mit einer Stimme einer jugendlichen (oder gar Erwachsenen?) sprechen hört, muss man sich die Lache verbeißen. Und das zerstört dann schon einiges. So auch einige kleinere Rollen, die einfach nur mit üblen Amateur-Stimmen vertont wurden, die verdammt inszeniert und unglaubwürdig klingen. Auch für die Hauptdarsteller hätte ich mir erfahrenere Sprecher gewünscht, gerade weil die Figuren so subtil wirken, ist die Wirkung auch arg auf die Betonung der Stimme angewiesen.

Was einem dann nur übrig bleibt ist, den Film im Original zu sehen, .. mit Untertiteln, wer diesen Slang-Dialekt-Mischmasch nicht verstehen kann.

3

Der Film an sich ist schon gut gemacht, klasse kostüme, gute mimik und gestik, also absolut nicht künstlich gemacht, problem find ich nur einfach die story, die wie ich finde doch sehr, nicht bei den haaren herbeigezogen, aber doch irgendwie absolut unzugänglich.
Würde den film zwar weiter empfehlen, jedoch nur aufgrund der guten machart des films.

Ein ganz starker Film mit

9

Ein ganz starker Film mit sehr guten Schauspielern! Für jeden der sich auch mal auf einen etwas anderen Film einlassen kann. Ein Stück Filmkunst das man so schnell nicht vergisst. Hoffen wir das wir diese junge Schauspielerin noch öfter sehen.

Bin ehrlich gesagt schon

3

Bin ehrlich gesagt schon etwas erschüttert über diese ganzen maßlos überzogenen Meinungen hier.
Ja...okay, die schauspielerische Leistung von dem Mädel war gut, aber das wars dann auch schon.
Ich weiß, ist alles Geschmacksache...aber ich fand dass dieser Film sooooooo langweilig ist.
Der einzige Grund warum ich ihn bis zum Ende geschaut / ausgehalten habe, waren die ganzen super tollen Bewertungen hier.
Meine Meinung: Total langweilig und überbewertet!

Eben geschaut...wegen der

6

Eben geschaut...wegen der vielen sehr guten Meinungen zu diesen Film. Für mich eine Milieustudie vom Rande der Gesellschaft mit guter Schauspielerin. Der Film ist dreckig, unschön, nicht künstlich, will nicht gefallen. Etwas langatmig, ohne echte Überraschungen und ohne emotional zu fesseln. Daher hätte ich gut auch drauf verzichten können. Der Film ist nicht schlecht aber sooo gut? Fand ich nicht. Daher 6 Augen.

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