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Game of Thrones (Staffel 1-4)

PlakatAls ein gewisser Peter Jackson vor über 10 Jahren die “Herr der Ringe“-Trilogie in die Kinos brachte, ging ein Jauchzen durch die Fantasy-Gemeinde. Das Genre war zwar bisher im Kino nicht wirklich ignoriert worden, aber zum ersten Mal (oder zumindest fühlte es sich so an) widmete man sich ihm mit der nötigen Epik. Über neun Stunden aufwendig und mitreißend produziertes Fantasy-Kino – was wollte der Fan mehr? Noch ziemlich viel, dachte sich der amerikanische Sender HBO und sicherte sich die Rechte an der Fantasy-Saga “Das Lied von Eis und Feuer“ von George R.R. Martin. Selbst für einen derart erfolgreichen und risikofreudigen Sender ein ambitioniertes Projekt (ein paar Jahre zuvor hatte man sich finanziell mit dem ähnlich gelagerten „Rom“ noch etwas übernommen), aber diesmal übertraf der Sender wieder sich selbst und fügte ein weiteres fettes Ausrufezeichen seinem schon so beeindruckenden Portfolio (“Sopranos“, “The Wire“, “Boardwalk Empire“, “True Detective“, “The Newsroom“) hinzu. Komplexe Geschichten mit faszinierenden Figuren ist man ja inzwischen bei Serien gewöhnt, aber wenn das dann auch noch optisch derart hochwertig produziert wird, dass auch die letzten Unterschiede zwischen Kino und TV endgültig zu verschwimmen scheinen, dann sitzt man nur noch staunend vor dem einst belächelten Medium Fernsehen.

Inhaltsangaben für Serien zu schreiben war früher auf jeden Fall auch deutlich einfacher. Basierend auf einer bisher fünf Teile umfassenden Buchreihe des amerikanischen Autors George R.R. Martin (dessen englische Originalbezeichnungen für Orte und Charaktere hier verwendet werden) spielt die Serie zum Großteil auf dem fiktiven und vom europäischen Mittelalter inspirierten Kontinent Westeros. Das dort herrschende Königreich kann aber nur schwer als stabil bezeichnet werden, denn gleich mehrere Herrscherhäuser kämpfen hier um den Sitz auf dem begehrten Eisernen Thron – und das mit allen Mitteln. Das Haus Baratheon stellt, zumindest noch zu Beginn, mit dem trinkfreudigen Robert Baratheon (Mark Addy, “Ritter aus Leidenschaft“) den König. Der kann aber nicht einmal der eigenen Frau Cersei (Lena Headey, “300: Rise of an Empire“) trauen, denn die gehört zum mächtigen Hause Lannister, dessen Oberhaupt Tywin (Charles Dance, “The Imitation Game“) nur allzu gerne die Macht übernehmen würde. Schließlich braucht man ja einen starken Führer, denn ob die riesige Mauer aus Eis im Norden noch lange die Wildlinge und anderes drohendes Unheil abwehren kann, ist fraglich. Auf jeden Fall genug Gründe für Robert Baratheon, doch seinen alten schwertschwingenden Kumpel Ned (Sean Bean) aus dem Hause Stark um Hilfe zu bitten. Der nimmt die Aufgabe aber nur widerwillig an, denn so wirklich liegt ihm das politische Machtparkett nicht. Und als dann vom Nachbarkontinent auch noch die ersten Botschaften eintreffen, dass das eigentlich als ausgestorben geglaubte Haus Targaryen in Person der impulsiven Daenerys (Emilia Clarke) ebenfalls seine Rückkehr plant, wird klar, dass hier eine Mammutaufgabe auf Ned wartet. Ach ja, und hatten wir bereits die Riesen, Untoten und Drachen erwähnt?

Auf die Annäherung der Fernsehserie an den Roman ist in letzter Zeit, auch an dieser Stelle (“True Detective“, “Breaking Bad“), ja schon oft hingewiesen worden. Während komplexe Sachverhalte im Kino meist auf unter zwei Stunden reduziert werden müssen, bieten Serien die strukturelle Vorraussetzung um deren Welten und Geschichten in ungeahnte erzählerische Tiefen und Breiten zu führen. Genau das ist bei einer mehrere tausend Seiten umfassenden Vorlage wie “Das Lied von Eis und Feuer“ natürlich auch nötig, alleine um das riesige Figurenkarussell und die mit zahlreichen Fantasy-Elementen ausgestattete Welt zumindest ansatzweise in den Griff zu bekommen. Eine der größten Freuden ist es dann auch zu sehen, wie die Serie die faszinierende Welt des Buches Stück für Stück beim Zuschauer etabliert. Es ist ein gigantisches Puzzle, bei dem wir immer wieder von einem faszinierenden Charakter und Ort zum nächsten springen, um jedes Mal ein klein wenig mehr über diesen Abschnitt der Welt zu erfahren. Eine Welt, in der unsere Figuren in mittelalterlichen Städten, Burgen oder Palästen leben, karge Wüsten, feindselige Eislandschaften und große Meere durchstreifen und dabei die seltsamsten Gestalten und Bräuche kennenlernen. Das klingt schon auf dem Papier toll – aufwendig umgesetzt wird dies aber im Fernsehen zu einem Augenschmaus.

Die Wüstenlandschaft Marokkos, die Küste Kroatiens, prunkvolle Paläste auf Malta, die Moore Irlands oder die Vulkane und Gletscher Islands – HBO hat den Geldbeutel für seine Locationabteilung geöffnet und die Filmemacher danken es mit einer Bilderpracht, die so wohl bisher kaum in der Serienlandschaft zu finden war. Natürlich hilft auch hier und da der Computer nach, was manchmal auch durchaus deutlich zu sehen ist. Aber sehr viel passiert eben wirklich in der „freien Natur“ und wenn Figuren anstatt an einem Greenscreen vorbei tatsächlich mitten in einer richtigen Eislandschaft marschieren, verleiht dies der Welt genau die Epik, die sie benötigt.

Verstärkt wird dies auch durch die ständigen Locationwechsel, da man innerhalb einer Folge schon einmal gefühlt vier Klimazonen durchleben darf. Spätestens mit “Game of Thrones“ hat sich der neue Flatscreenkauf also auch gelohnt. Das aufwendige Kostüm- und Setdesign füllt diese Landschaften dann nicht nur mit Leben, sondern unterstreicht auch, dass diese Welt gleichzeitig sowohl golden und prachtvoll als auch erbarmungslos kühl und schmutzig sein kann. Es ist wohl eine der inzwischen berühmtesten Setrequisiten der Welt, die genau diese Stimmung am Besten einfängt: Der Eiserne Thron ist genauso prachtvoll und erhaben wie auch düster und angsteinflößend. Die mit ihm verbundene Macht ist dann auch das zentrale Element in “Game of Thrones“ und somit indirekt der Grund dafür, wieso diese Serie nicht nur optisch ein wahrer Leckerbissen ist.

Alleine wie “Game of Thrones“ schon erzählerisch seine Welt etabliert, ist ein Genuss. Das fängt mit den Fantasy-Elementen an, die in kleinen Häppchen immer mal wieder kurz eingestreut werden. So kennen wir, genau wie viele der Figuren, Drachen oder Riesen lange Zeit nur vom Hörensagen und sind nicht wirklich sicher, vor wem oder was diese riesige Mauer aus Eis im Norden nun eigentlich die Menschen genau beschützen soll. Viele magische Elemente bleiben Andeutungen oder haben lediglich einen Kurzauftritt, wie ein todbringender Schatten oder ein äußerst charismatischer Formwandler. Doch genau dies sorgt für eine spannende Atmosphäre, weil eben die Fantasy-Elemente nicht einfach offen in der Landschaft vor einem liegen. Stattdessen stellt sich schnell das Gefühl ein, dass hier einiges unter der Oberfläche brodelt und sich nur deswegen bedeckt hält, weil die Zeit für den großen Auftritt noch nicht gekommen ist.

So gehört die Bühne erst einmal dem politischen Ränkespiel der Protagonisten mit seinen zahlreichen Intrigen rund um den Thron und die Macht in Westeros. Auf dieser Bühne herrscht aber ein ganz schönes Gedränge und so dauert es schon ein paar Folgen, bis man zumindest grob die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Häusern und seinen Figuren begriffen hat. Jede der zahlreichen Figuren kocht nämlich ihr eigenes Süppchen, hat alte Rechnungen offen und ist oft durchaus “moralisch flexibel“ wenn es um das Erreichen der persönlichen Ziele geht. So wird manipuliert und geheuchelt was das Zeug hält, und so manch vielversprechende Allianz stellt sich schnell als gewiefte Falle heraus. Während die einen offen und aggressiv nach Macht streben, geben andere sich opportunistisch zurückhaltend, stets darauf bedacht ja nicht auf das falsche Pferd zu setzen.

Dieses Ränkespiel ist eine wahre Freude für den Zuschauer und gerät auch nie in die Gefahr langweilig zu werden, schließlich kann keiner Allianz getraut werden und es sind ja auch noch zahlreiche andere Bündniskonstellationen möglich. Dazu versorgt der ständige Nachschub an neuen Charakteren die Serie mit dem nötigen frischen Blut - was oft durchaus wörtlich genommen werden kann.

Womit wir dann aber auch schon bei einem der interessantesten Aspekte der Serie angekommen wären. Denn “Game of Thrones“ fasziniert nicht nur durch das was es uns gibt, sondern auch durch das was es uns nimmt. Lieblingsfiguren zu haben ist hier nämlich eine gefährliche Sache, denn spätestens am Ende der ersten Staffel wird klar, dass der Serientod hier wirklich jeden treffen kann. Und das bereitet einen nicht einmal ansatzweise für das vor, was dann in der dritten Staffel folgt und Autor George R.R. Martin so manche Morddrohung eingebracht hat. Die wollen wir hier aber nicht aussprechen, sondern uns stattdessen vor soviel Mut und Konsequenz verneigen. “Game of Thrones“ schert sich in Sachen Tod einen Dreck um die Beliebtheit seiner Figuren oder darum, ob diese eigentlich noch lauter offene Rechnungen zu begleichen haben. Diese Rücksichtlosigkeit macht die Serie unglaublich spannend und reizvoll, auch wenn wir kurz mahnend den Zeigefinger heben. Denn gegen Ende der vierten Staffel ist diese Rücksichtlosigkeit, die oft mit einer ironischen Boshaftigkeit daherkommt, schon fast wieder ein bisschen vorhersehbar.

 

Doch auch wenn das Figurenkarussell ganz schön am rotieren ist, dank abwechslungsreichen Neuzugängen und einem starken Schauspielensemble lässt sich so manch überraschender Tod dann doch besser als gedacht verkraften. Dabei stehen die alten Schauspielrecken wie Sean Bean, Charles Dance oder Ciarán Hinds gar nicht so stark im Mittelpunkt wie man meinen könnte. Stattdessen werden deren klangvolle Namen eher gezielt eingesetzt, um an den richtigen Stellen für die nötige Glaubwürdigkeit zu sorgen – eine Aufgabe, die alle drei perfekt meistern. Das restliche Ensemble steht dem in nichts nach, wobei wir repräsentativ nur ein paar Namen hervorheben wollen. Maisie Williams überzeugende Darbietung als Arya sorgt schon bald dafür, dass ausgerechnet ein Kind zu einem der wichtigsten Sympathieträger der Serie wird. Wer nun einwirft, dass Kinder ja immer sympathisch rüberkommen, dem sei versichert, dass ein gewisser Thronfolger diese These schon bald eindrucksvoll widerlegt. In der Rubrik „manipulatives Arschloch“ gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Lena Headey als intrigante Königsgattin und Aidan Gillen als schmieriger Berater - beide spielen derart überzeugend, dass man sie wahrscheinlich auch im echten Leben direkt ohne zu Fragen in die Schlucht stoßen würde. Und exemplarisch für die Komplexität der Figuren heben wir Nikolaj Coster-Waldau als Schönling Jamie Lannister hervor, der wohl eine der faszinierendsten Wandlungen aller Figuren durchmacht.

Aber ist das Ensemble noch so groß und begabt, es gibt dann doch eben immer den Einen der aus allen heraussticht. Und es ist Ironie des Schicksals, dass es ausgerechnet der kleinwüchsige Peter Dinklage (“X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“) in der Rolle des von allen verachteten Tyrion Lannister ist. Der Vater ein erfolgreicher Feldherr, der Bruder ein gutaussehender Krieger, die Schwester die Frau des Königs – in dieser Familie würde man schon als Nicht-Kleinwüchsiger Komplexe bekommen. Doch stattdessen zeigt sich bald, dass Tyrion eigentlich der einzig normale in der Familie ist. Ein Widerspruch, in den sich wohl auch der Autor verliebt hat, und so bekommt der mit einer guten Dosis Ironie ausgestattete Tyrion fast immer die cleversten Worte in den Mund gelegt. Das weiß auch Dinklage und genießt deswegen jeden einzelnen seiner Dialoge, so dass man ihm bei seinen ironischen Abrechnungen mit der Umwelt förmlich an den Lippen klebt. Doch diese Ironie ist nur ein Schutzschild seiner Figur gegen die Verdorbenheit seines Umfelds, und es sind die Momente, in denen Tyrion begreift, dass dieses Schutzschild droht in sich zusammenzubrechen, in denen Dinklage zu emotionaler Höchstleistung aufläuft.

Bei all den Lobeshymnen sei aber auch erwähnt, dass “Game of Thrones“ auch durchaus seine Schwächen besitzt. Die Rolle des tollpatschigen Sams, wohl inspiriert vom Namensvetter aus “Herr der Ringe“, wirkt phasenweise mehr wie eine Last als eine Bereicherung für den im Norden an der Eiswand lebenden Jon Snow. Und in der dritten Staffel bekommt ausgerechnet einer der wenigen schwächeren Darsteller, nämlich Alfie Allen alias Theon Greyjoy, einen unnötig in die Länge gezogenen Handlungsstrang verpasst. Trotzdem hat man das Gefühl, dass die Macher von Staffel zu Staffel selbstsicherer werden – insbesondere was die Inszenierung und den Spannungsaufbau angeht.

Nirgends ist das besser zu beobachten als in den letzten beiden Folgen der vierten Staffel. “Game of Thrones“ hatte im Laufe der Zeit schon einige packend inszenierte Action-Szenen zu bieten, aber wie hier die Kamera in einer 360-Grad-Bewegung eine komplette Schlacht einfängt, ist schlicht atemberaubend. Und wenn wir später dann zu bombastischem Soundtrack aus der Vogelperspektive beobachten, wie hunderte von Kämpfern aus verschiedenen Richtungen in ein Waldgebiet einfallen, dann wird klar, dass audiovisuelle Spektakel heutzutage nicht mehr exklusiv der großen Leinwand vorbehalten sind. Aber Spektakel ist eine Sache, gute Geschichten erzählen die andere. Und so gibt es nichts bezeichnenderes für die wahre Klasse von “Game of Thrones“, als die Tatsache, dass das große Staffelfinale nicht mit einem riesigen Knall endet. Stattdessen sind wir am Ende ganz nahe bei einem kleinen Mädchen und ihrer ganz persönlichen Reise. Diese mag im Angesicht des zuvor gesehenen bedeutungslos und klein erscheinen, aber wenn hier die Kamera auf ihren entschlossenen Augen ruht, ist das mindestens genauso packend wie die spektakuläre Schlacht aus der Folge davor.
 

Es sind diese Momente, in denen man merkt, was für intelligente Autoren hier am Werke sind. Natürlich ist es eine tolle Vorlage mit der sie arbeiten, aber die Showrunner David Benioff und D. B. Weiss haben die Übersetzung hin zum Medium Fernsehen schon verdammt gut hinbekommen. Das ihnen dabei der Autor der Vorlage, George R.R. Martin, auch noch geholfen, ja sogar einzelne Folgen selbst geschrieben hat, schmälert ihre Leistung in keinster Weise. Das wahre Meisterstück steht sowieso noch bevor und damit kommen wir dann auch zu einer der wohl ungewöhnlichsten und zugleich faszinierendsten Situationen der Fernsehgeschichte. Die Serie “Game of Thrones“ hat inzwischen die Romanvorlage eingeholt und wird diese, da Martin ein eher gemütlicher Schreiber ist, nun auch bald überholen. Eine Adaption, die ihre eigenen Vorlage überholt – das hat es wohl auch noch nicht so oft gegeben. Aktuell ist der Plan, dass Benioff und Weiss erste Storyideen für die zukünftigen Romane mit in ihre Serie übernehmen, diese aber gleichzeitig mit vielen komplett eigenen Ideen kombinieren, die es wiederum aber nicht in die kommenden Bücher schaffen werden. Oder vielleicht doch? George R.R. Martin hat bereits zugegeben, dass ihn die Serie dazu veranlasst hat eigene Pläne für Figuren zu verwerfen und sich in manchen Punkten an der Serie zu orientieren. Die Adaption der Romanvorlage wird also zur Vorlage für den Roman – da muss man sich auch erst einmal setzen. Puristen mögen das vielleicht nicht gut heißen, aber angesichts von soviel Talent auf beiden Seiten sollte man sich einfach entspannt zurücklehnen und der Dinge harren die da kommen.

 

Bleibt am Schluss nur noch die Frage, ob die vielen Bestenlisten, die “Game of Thrones“ aktuell anführt, nun recht haben. Ist “Game of Thrones“ die aktuell beste Serie auf dem Markt? Ganz ehrlich, wen interessiert das. Stattdessen sollten wir uns einfach über einen weiteren hellen Stern am inzwischen so verführerisch funkelnden Serienhimmel freuen. Qualität findet man als Zuschauer inzwischen Genre-übergreifend, so dass man schon ganz genau entscheiden muss, für was man angesichts dieser Vielfalt seine kostbare Zeit opfert. Das war nicht immer so und wird auch nicht immer so sein – genießen wir es also einfach.


Die fünfte Staffel von "Game of Thrones" startet am 12. April 2015 im Pay-TV bei Sky Deutschland.

Die vierte Staffel ist am 26. März auf DVD und Blu-Ray erschienen. Game of Thrones - Die 4. Staffel DVD bei Amazon bestellen >>>

Matthias Kastl

Weiter so

Persönlich kann ich mich nicht sonderlich mit GoT anfreunden, ist aber nur Geschmacksache. Aber als langjähriger Filmszene-Leser begrüsse ich dieses Format von Rezensionen ausserordentlich! Ich denke es wäre zeitgemäss, denn immer mehr und besser werdenden Serien mehr Aufmerksamkeit zu widmen, erst recht seit das Netflix-Zeitalter angebrochen ist. Denn alleine die hauseigenen Produktionen sind es schon wert! House of Cards, Orange is the new Black, Fargo, Bloodline etc.

Danke für die vielen tollen Rezensionen der letzten Jahre. Muss ja mal gesagt werden. Und hoffentlich lesen wir bald mehr über Serien.

War schon besser

Leider ist die - größtenteils völlig gerechtfertigte - Lobhudelei ein wenig kritiklos geraten.

So sind z.B. die manchmal gezwungenen und aufgesetzt wirkenden Nackt-, Sex- und Ekelgewaltszenen, die in den Büchern übrigens oft kürzer daherkommen, zwar schon sinnvoll, sind aber immer anbiedernd und wirken nur noch effektheischend für ein prüdes, amerikansiches Publikum.
War anfangs noch gut um die Stimmung zu unterstreichen, hat sich aber längst abgenutzt und scheint manchmal verzweifelt und billig.

Auch schade finde ich, daß das Fantasysetting nicht wirklich mit viel High Fantasy aufwarten kann. Das wird in der Vorlage zwar ähnlich subtil gehandhabt und weniger ist manchmal mehr, aber das Budget kann doch nicht so gering sein, daß man sich pro Staffel nur eine größere Schlachtszene, einen CGI-Moneyshot oder ein Monster pro Folge leisten kann.
Ein Beispiel zum Kopfschütteln war mal: die groß angekündigte, entscheidende Schlacht steht bevor und die Figur mit Erzählerperspektive wird ausgeknockt und wacht erst direkt nach der Schlacht auf. Toll.

Ein anderer größerer Knackpunkt war mal ein Markenzeichen der Serie. Bekannte, beliebte Hauptfiguren werden gerne mal überraschend abgemurkst. Klasse Sache, keine Frage. Nur gehen selbst einer Serie mit so vielen Personen und Handlungssträngen irgendwann mal die interessanten Leute aus. Das müssen nicht mal Sympathieträger sein, davon gibts hier eh zu wenige, aber Figuren für die man mitfiebert - auch die Pösen - werden rar und warum sollte ich bei denen noch mitbangen, wenn sowieso jeder Freiwild ist.
Auch der 3. König seit Serienanfang sieht schon so uninteressant aus, kann nicht mehr lange dauern. Schulterzucken statt Schockmoment. Hat sich einfach abgenutzt.

Zuletzt noch zum Hinweis darauf, daß die Serie von zukünftigen Buchvorlagen gezwungenermaßen abweichen wird - da wird sich erst zeigen, ob die Serienautoren auf eigene Faust auch die spannenden Handlungsstränge alleine zusammenführen und vor Allem befriedigend abschließen können.
Genau dazu ist Martin scheinbar nicht mehr in der Lage. Viele glauben, er habe sich in eine Sackgasse geschrieben und da könnte die TV-Serie noch das Ruder herumreißen, worauf ich mich ehrlich noch freue.
Denn ein wenig ist schon der Alltagstrott in der Serie eingekehrt, aber es steckt halt immer noch so viel Potenzial - und HBO-Kohle - drin, daß ich mich auf den Staffelstart heute Abend mal wieder so richtig freu!

Für mich die Referenz aller TV-Serien!

Hab alle vier Staffeln auf Blu-Ray! Bild und Ton stehen großen Hollywood-Blockbustern in nichts nach und übertrumpfen sie zum Teil. Eine Sucht, die berechtigt ist und mich sehnsüchtig auf Staffel 5 warten lässt :-)

Sex sells

Ein persönlicher Kritikpunkt der hier nicht genannt wurde sind die meines Erachtens oft aufgesetzt wirkenden Sex- bzw. Nacktszenen. Ich bin mir durchaus bewusst dass es sich bei GoT um eine erwachsene Serie handelt, doch eben solche Szenen gab es teilweise zu regelmäßig und ohne besonderen Zusammenhang zur Handlung, dass sie schon wie ein Fremdkörper im sonst sehr stimmigen Gesamtbild gewirkt und der Atmosphäre eher geschadet als geholfen haben.

Und genau das hat mich im Laufe der 4 Staffeln immer wieder daran erinnert, dass ich es nicht mit einem Film zu tun habe sondern mit einer Serie die scheinbar ihre Zuschauer unterschätzt und denkt diese mit solch banalen Mitteln wachrütteln zu müssen.

Danke..

Erstmal vielen dank, eure Serienrezensionen machen einfach immer Spaß (doctors diary mal ausgenommen :) ). Auch wenn ich dieses mal finde, dass es sich diesmal ein bisschen ZU sehr nach Fan, denn nach objektiver Kritikerauge anhört.
Was mich bei GoT stört (zugegeben auf hohem (Vergleichs) Niveau (BB,Wire,Sopranos) ist, dass mir die Figuren nicht genug in die Tiefe gehen, nicht ausgearbeitet genug sind, nicht Komplex genug. Sie sind ambivalent, ja. Doch nur weil mal widersprüchliche Charaktere entwirft, heißt das noch nicht das sie Komplex sind. Was sicherlich auch an der Vorlage liegt. Es sind schlichtweg zu viele als das man groß in die Tiefe gehen könnte. Oder sie sterben und es kommen neue.
Und Visuell ist es oft beeindruckend, finde ich auch. Aber ich finde man sieht auch, wie angesprochen, durchaus oft den PC Hintergrund. Zu oft für meinen Geschmack. Was auch zur Folge hat, dass man dann eben manchmal auch nicht sicher sein kann, ist es nun Greenscreen oder Real. Dazu finde ich, (Herr der Ringe lässt grüßen) dass es schon das eine oder andere mal trashig aussieht. Aber ist viell. auch ne Genre Sache.

Schauspielermäßig finde ich, hat Herr Kastl schon ein wenig übertrieben. Ich würde den Cast bestenfalls als leicht Überdurchschnittlich bezeichnen. Da habe ich schon ganz andere Seriencast`s gesehen (BB,Sopranos,The Wire,Homeland,Mad Men, viell. sogar Bates Motel..).
Wenn auch manchmal anderer Meinung, danke nochmal Herr Kastl! Hat Spaß gemacht zu lesen, gerne weitere Rezensionen toller Serien! Wie wärs z.b. mit Sopranos und The Wire? die können hier doch nicht leer ausgehen..
Grüße aus Hamburg

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