Zwölf Uhr mittags

western, usa 1952
original
high noon
regie
fred zinnemann
drehbuch
carl foreman
cast

gary cooper,
grace kelly,
lloyd bridges,
katy jurado, u.a.

spielzeit
85 min.

 

 

Zwölf Uhr mittags - DVD
bei Amazon kaufen >>>

Minutenlang fällt kein einziges Wort. Die Anspannung aller Anwesenden ist unerträglich. Unerbittlich bewegen sich die Zeiger weiter nach vorne. Eine ganze Stadt, die den Atem anhält und wortlos dem Ticken des Uhrwerks lauscht, bis aus der Ferne das laut pfeifende Signal des Mittagszuges erklingt. Darauf haben alle gewartet, denn mit diesem Zug kommt der vor kurzem frei gelassene Mörder Frank Miller zurück in die kleine Stadt Hadleyville, um abzurechnen mit Marshall Will Kane, der ihn damals ins Gefängnis brachte.
Weltberühmt und handwerklich perfekt ist die Inszenierung dieses Höhepunkts von "Zwölf Uhr mittags", ein Film, der die Maßstäbe setzte für jeden Plot, in dem die voranschreitende Zeit der größte Feind des Protagonisten ist, der das klassische Western-Duell zu seiner Essenz hochstilisierte, und der sich gleichzeitig deutlich und überzeugt von den Normen seines Genres entfernte.

Marshall Kane (Leinwandlegende Gary Cooper) hat kaum das Ja-Wort auf seiner Hochzeit mit der Quäkerin Amy (ätherisch-erhaben wie immer: Grace Kelly) ausgesprochen, als ihn die Nachricht von der baldigen Ankunft Millers erreicht. Sein Amt hat er schon niedergelegt, draußen wartet abfahrbereit die Kutsche, die das frisch vermählte Paar in eine friedliche Zukunft und eine andere Stadt bringen soll, doch Kane - ahnend, dass ihm Miller überall hin folgen wird - läuft nicht weg, sondern will sich diesem letzten Kampf in seiner Rolle als Gesetzeshüter stellen. Selbst wenn dies den Verlust seiner frisch Angetrauten bedeutet, denn als Quäkerin lehnt Amy jedwede Form von Gewalt ab und ist so nicht zuletzt der Hauptgrund, warum der Marshall sein Amt überhaupt niedergelegt hat. Kaum verheiratet, schon mit der Ehefrau zerworfen macht sich Kane auf die Suche nach Helfern, die ihm in der anstehenden Schießerei mit Miller und seiner alten Bande, die ihn bereits am Bahnhof erwartet, beistehen. Doch einer nach dem anderen macht einen Rückzieher, aus persönlichen Gründen wie der selbstherrliche Heißsporn Harvey (ein blutjunger Lloyd Bridges), aus Selbstzweck, oder aus purer Angst. Nach und nach wendet sich die ganze Stadt, die vor einem Tag noch scheinbar geschlossen hinter Kane stand, von ihm ab, und so tritt der Marshall den Ganoven schließlich allein gegenüber…

Gewalt nicht als Allheilmittel, sondern als aufgezwungenes Übel - während in den meisten Western ohne Hinterfragen fröhlich rumgeballert wurde, sieht sich in "Zwölf Uhr mittags" selbst der dazu eigentlich berechtigte Gesetzeshüter einer moralischen Debatte ausgesetzt. Aus Liebe zu seiner Frau und aus Respekt für ihre Glaubensgrundsätze hatte er die Waffe eigentlich schon aus der Hand gelegt, und muss sie nun doch noch einmal aufnehmen, als ihn seine Vergangenheit einholt. Er wählt das Duell nicht, weil es die einfachste Lösung ist, sondern die einzige.
Ein des Schießens müder Held, das hatte der Western bis dato ebenso wenig gesehen wie eigenständige und selbstbewusste Frauenfiguren. Dies gilt nicht nur für Kane's Frau Amy, die sich als einzige Stütze für ihren Mann erweist, sondern auch für die Saloon-Besitzerin Helen Ramirez, eine alte "gute Bekannte" sowohl von Kane als auch von Frank Miller. Unabhängig und nach ihrem eigenen Willen führt sie ihr Leben in einer Gesellschaft, in der ihre Position als Frau eigentlich eine ganz andere ist - und lässt so jegliche Beschützerinstinkte von markigen Cowboys ins Leere laufen.
Dank solcher bewusst gegen den Genre-Strich gebürsteter Charaktere wird "Zwölf Uhr mittags" mancherorts auch als "Anti-Western" bezeichnet, treffender ist jedoch die Erkenntnis, dass der Film einfach wesentlich intelligenter und ehrlicher ist als die sonstigen Vertreter des Wildwest-Mythos. Einer enormen Spannung stand diese Öffnung zu mehr Glaubwürdigkeit und Bedeutung jedenfalls nicht im Wege: Bei 85 Minuten Länge, die eine Zeitspanne von etwas weniger als zwei Stunden abdecken, verläuft "Zwölf Uhr mittags" beinahe in Echtzeit, so dass im Kopf des Betrachters fast unweigerlich permanent eine leise Uhr mittickt, während Kane's Suche nach Verbündeten immer verzweifelter und aussichtsloser wird. Selten war ein Film in seinem Spannungsaufbau so einfach und so effektiv. Gleichzeitig fand Regisseur Fred Zinnemann auch noch Wege, um die grundlegenden Konflikte seiner Figuren so prägnant zu zeichnen, dass mit dem Eintreffen des Mittagszuges bereits alles gesagt ist: In den letzten zehn Minuten fällt kaum noch ein Wort, stattdessen gibt es einen der größten Klassiker unter den Western-Showdowns, der allein "Zwölf Uhr mittags" - bei aller Demontage - einen Ehrenplatz in den Genre-Annalen garantiert.

Eine ganz besondere Relevanz hat "Zwölf Uhr mittags" jedoch wegen seiner Entstehungszeit, denn 1952 war die durch den populistischen Senator Joe McCarthy angeführte Kommunisten-Hatz in den USA auf ihrem Höhepunkt. McCarthy, dem es bei seinen "Ermittlungen" immer mehr um die Publicity als die Wahrheit ging, hatte sich mit seinem "House Committee for Un-American Activities" auf die intellektuelle Künstlerszene Hollywoods eingeschossen und lud jeden Kreativen für eine Aussage vor, der einst einmal Mitglied der kommunistischen Partei oder auch nur mit einem ehemaligen Mitglied bekannt war. Nur, wer vor dem Komitee öffentlich dem Kommunismus entsagte und die Namen sämtlicher persönlich bekannter "Genossen" nannte, konnte seinen eigenen Namen reinwaschen. Wer eine Aussage verweigerte landete zwar nicht zwingend im Gefängnis, dafür jedoch auf der Schwarzen Liste: Aus Angst vor den politischen Mächten stellte kein Hollywood-Studio mehr Leute an, die die Zusammenarbeit mit dem Komitee verweigert hatten. Eine ganze Generation hochtalentierter Filmkünstler wurde so in die Arbeitslosigkeit verbannt.
In dieser brisanten Situation wurde der imminent erfolgreiche "Zwölf Uhr mittags" sofort entsprechend seines Interpretationsrahmens gedeutet: Für die Kommunistenjäger war Marshall Kane der standfeste ur-amerikanische Held, der sich allein der drohenden Gefahr der Roten stellt und die Stadt (also das Land) sauber hält. Tatsächlich jedoch wird umgekehrt ein Schuh draus: Produzent Stanley Kramer, bekannt für sein ausgeprägtes Sozialbewusstsein, und Autor Carl Foreman (der bei Veröffentlichung des Films bereits das Land verlassen hatte, weil er kurz nach Fertigstellung des Films selbst auf der Schwarzen Liste landete) schufen mit "Zwölf Uhr mittags" eine deutliche Allegorie auf den schweren Kampf der Opfer McCarthys. So entsprechen Frank Miller und seine am Bahnhof wartende Bande dem anreisenden Kongress-Komitee, während Will Kane ihr moralisch integres Opfer ist. Und während zwar seine ganze Stadt weiß, dass er im Recht ist, lassen ihn letztlich alle aus Angst fallen. Die Verachtung, mit der Kane am Ende wortlos seinen Sheriffstern den Einwohnern vor die Füße wirft, spiegelt das Urteil der wenigen Standhaften wider, die nicht wie die großen Bosse vor dem laut krakeelenden aber letztlich nur Schaum schlagenden Joe McCarthy in die Knie gingen. Wie es an einer Stelle im Film heißt: "The public doesn't give a damn about integrity. A town that won't defend itself deserves no help."
"Zwölf Uhr mittags" ist daher nicht nur rein formal einer der herausragenden Höhepunkte des an Variationen relativ armen Western-Genres, sondern auch eines der besten Beispiele dafür, dass in Hollywood einst einmal auch wichtige Filme mit bedeutenden politischen Anliegen gemacht wurden. Aus heutiger Sicht kaum zu glauben.


Bilder: Courtesy of Universal Pictures, Copyright 1952
F.-M. Helmke
 


Name: Dennis Gärtner
Email: dennisgaertner@lhw.de
Bewertung: -

Wir haben den Film gerade in Deutsch gesehen.
Für die meisten (16-18) war es ein Schock, ich fand ihn trotzdem gut.



Name: Homer
Email: thehomer@gmx.de
Bewertung: -

wass'n das für ein komischer kommentar da über mir? na egal.

frank, ich habe lange, lange nach einer perfekten rezension für "high noon" gesucht - deine isses! ich halte den film für ein echtes meisterwerk des genres, und verdammt, ich liebe den titelsong!!! :-)

homer



Name: Butrint
Email: Butrint@gmx.de
Bewertung:   ( von 10 Digital Eyes)

Wir haben ihn ebenso vor kurzem in Deutsch geschaut, und er war doch sehr interessant. Zunächst war ich etwas überrascht, wieso gerade dieser Film, jedoch erkennt man die Ihn auszeichnenden Elemente recht schnell.
Auf jeden Fall sollte man ihn sehen, wenn man Westerrn gegenüber nicht negativ eingestellt ist.

Gruß
Butrint



Name: Der Ich
Email: Der@Ich.de
Bewertung:   ( von 10 Digital Eyes)

Komisch, anscheinend hat jeder mal den Film in Deutsch gesehen.



Name: Homer
Email: hae@web.de
Bewertung:   ( von 10 Digital Eyes)

Was für Schulen hab ihr denn bitte besucht.
das einzige, das ich jeh im deutschunterricht sah war homo faber, das wars auch schon.



Name: simmi
Email: bla@web.de
Bewertung:   ( von 10 Digital Eyes)

jep........ homo faber.....



Name: Katja
Email: shakti67@gmx.de
Bewertung:   ( von 10 Digital Eyes)

Na, im Fernsehen gibt´s sowas jedenfalls nicht mehr zu sehen. Vielleicht damit niemand mehr merkt, wenn sie uns eine Story als "neu" verkaufen wollen? Siehe "Ladykillers" und viele, viele andere Filme,die aus dem Programm verschwunden sind und neu verfilmt wurden? Die Vergangenheit hat so dermaßen viele, gute Filme zu bieten, dass eigentlich überhaupt nichts Neues mehr gedreht werden müsste(und tatsächlich auch nicht wird!)
Auch wenn man erst 16 oder 18 ist, kann man sich durchaus auf so eine "Zeitreise" einlassen und sich die alten Klassiker reinziehen, wo es nur geht! Man muss sie eben nur im Rahmen der Zeit betrachten, in der sie gedreht wurden. Der Effekt könnte tatsächlich bewusstseinserweiternd sein....



Name: tobi
Email: tobi@web.de
Bewertung:   ( von 10 Digital Eyes)

Ich hab mir den Film privat angesehen und bin begeistert von dem Talent der Darsteller, der Story und wie der Regisseur den Film umgesetzt hat(Kulisse/Auswahl der Schauspieler/etc.)! Insbesondere der Hauptdarsteller Gary Cooper war "1a" wie auf seine Rolle zugeschnitten und macht den Film durch seine perfekte Arbeit zu einem Meisterwerk der es auf jeden Fall wert ist in die Kategorie "Pflichtlektüre" eingeordnet zu werden.



Name: Hepe
Email: hepe@e-garfield.com
Bewertung:   ( von 10 Digital Eyes)

sehr genialer film.

gerade die story ist nervenzerreißend!
allerdings war die action am schluß bissl enttäuschend,
aber derum gehts ja in dem film auch nicht... :-)



Name: Tja
Email: .@...
Bewertung:   ( von 10 Digital Eyes)

Ich fand das Ende irgendwie merkwürdig, weil es so plötzlich kam und weil der Tod des Gegners (der ja zu erahnen war) so... unspektakulär war.




Dein Kommentar zu diesem Film:
Name:
Email:
Bewertung: von 10 Augen