filmszene special: Interview mit "Avatar"-Hauptdarstellerin Zoe Saldana
 
 
Filmszene-Redakteur Volker Robrahn mit Zoe Saldana
beim Interview in Berlin

Filmszene: Zoe, wir sehen Dich dieses Jahr schon zum zweiten Mal in einem großen Science-Fiction-Film. Aber obwohl man Dich jetzt als die neue "Uhura" aus "Star Trek" kennt, hast Du mit der Arbeit an "Avatar" ja bereits davor begonnen, oder?

Zoe Saldana: Schon laaange davor! Die Dreharbeiten begannen ja vor vier Jahren und waren bereits vor mehr als zwei Jahren für mich abgeschlossen. Erst dann wurde ich für "Star Trek" gecastet. Dass beide Filme nun in einem Jahr und in der umgekehrten Reihenfolge herauskommen ist zwar etwas ungewöhnlich, aber "Avatar" ist ja eben auch kein alltäglicher Film. Und immerhin kennt man mein Gesicht, das so im Film ja nicht zu sehen ist, nun schon ein wenig.

Ganz ehrlich: Verstehst Du vollständig die Technik, mit der dieser Film gemacht wurde?

Es hat gut drei Jahre gedauert, aber mittlerweile hab ich's schon begriffen, ja. Jim war sehr geduldig und großzügig mit uns und hat uns jeden Tag immer wieder versucht zu erklären, was das letztendlich werden und wie es aussehen soll. Irgendwann mochte man aber auch nicht mehr fragen, sondern begann einfach darauf zu vertrauen, dass der Mann schon weiß was er tut. Und das Endergebnis ist meiner Meinung nach auch wunderschön geworden. Sehr geholfen hat uns aber auch, dass Jim, sobald eine Szene auch nur halb fertig war, sie uns sofort vorgeführt hat, um uns einen Eindruck davon zu vermitteln. Das hat schon dafür gesorgt, dass wir durchgehend aufgeregt, gespannt und hoch motiviert blieben. Da fehlten dann aber natürlich noch Dinge wie der 3D-Effekt und die großartige Musik von James Horner.

Das ist interessant, denn man hört ja sehr oft von etwas "ratlosen" Schauspielern, die vor einer grünen oder blauen Leinwand agieren und bis zum fertigen Film dann überhaupt keine Ahnung haben, was sie da genau tun oder gegen was für Wesen sie kämpfen.

Ja, aber da sage ich: Schande über diese Filmemacher! Nein, im Ernst, das kann nicht immer in der Verantwortung des Schauspielers liegen. Wenn Du als Regisseur erwartest, dass ich mir etwas vorstelle, dann nimm mich mit, zeige mir etwas und vermittle mir zumindest den bestmöglichen Eindruck von dem was Du haben willst. Mit einem simplen "Schau auf die grüne Leinwand und reagier auf das Monster" funktioniert das nicht. Das ist dann einfach unfair gegenüber uns Darstellern und umso begeisterter bin ich deshalb von der Arbeit mit Jim, der wirklich jedes einzelne Detail dieser Welt entworfen und sich etwas dabei gedacht hat.

Das virtuelle Ich: Zoe Saldana nach der "Motion
Capture"-Behandlung als Na'vi-Prinzessin Neyfiri

Es bist also immer Du selbst, die da läuft und springt und sich durch die Kulissen kämpft, nur später dann halt verfremdet durch das "Motion Capture"-Verfahren. Ich nehme mal an, dass dafür einiges an Training nötig war?

Eine Menge, ja, genauer gesagt waren da sechs Monate "Body Work" notwendig, inklusive Training fürs Reiten und Bogenschießen. Wobei man sich auf Dinge wie diese Art "Regenwald" auch mit stundenlangem Anschauen von "National Geographic" nur bedingt vorbereiten kann. Erst wann man das auch physisch spürt und wirklich mit den Füßen im Schlamm und Morast steckt, man den Regen und den Geruch der Bäume spürt, dann hat man auch das Gefühl "Okay, jetzt bin ich da und mittendrin". Bei all dem hat mir übrigens auch meine tänzerische Ausbildung sehr geholfen.

Auch die Sprache der Na'vi wurde ja extra für den Film entwickelt und musste also auch von Euch erlernt werden. Wie schwer war das?

Gar nicht so sehr, es war eher ein großer Spaß, dieser "Na'vi-Akzent". Jedenfalls für jemanden wie mich, der spanische Wurzeln hat und dem der Rhythmus dieser Sprache dann etwas leichter fällt. Außerdem bin ich ja schließlich auch die Sprachexpertin Uhura mit perfektem Klingonisch, nicht wahr? Am schwersten war es vermutlich für Sam Worthington, der als Australier sowohl amerikanisches Englisch, als auch die Na'vi-Sprache lernen musste.

Ist es denn richtig, dass die neue "Science-Fiction-Ikone" Zoe Saldana auch selbst ein großer SF- und Fantasy-Fan ist?

Ein richtig großer Science-Fiction Geek, ja. Ich habe "Terminator" gesehen, als ich fünf war und "Aliens" mit acht Jahren. Ich wuchs in einem Haushalt auf, in dem alle Film- und SF-Freaks waren und ich ging auch immer ganz selbstverständlich davon aus, dass das für alle anderen Mädchen genauso gilt.

Was leider nicht der Fall ist…

Ich weiß! Aber ich war echt schockiert das zu erfahren, denn ich dachte das liebt wirklich jeder. Und ich kann auch überhaupt nicht verstehen, wenn sich jetzt vielleicht das weibliche Publikum nur deshalb nicht für "Avatar" interessiert, weil der Film auf eine fremden Planeten spielt und von blauhäutigen Wesen bevölkert wird. Nicht nur, dass er genau wie "Titanic" eine Liebesgeschichte der Marke "Boy meets Girl" enthält, er hätte ja auch genauso gut in einem echten, irdischen Dschungel spielen können, ohne dass sich der Kern der Geschichte ändern würde. Die Technologie nimmt davon nichts weg und sollte daher auch niemanden abschrecken. Im Gegenteil, sie sorgt doch für wunderschöne Bilder, die man so noch nie zuvor gesehen hat. Und James Cameron gehört für mich, genau wie auch Steven Spielberg oder George Lucas, zu denjenigen, die die Latte eben immer wieder ein bisschen höher legen, nicht weil sie etwa den Druck verspüren, das tun zu müssen, sondern weil sie selbst das einfach wieder und wieder austesten wollen. Und diesen Leuten sollte man daher auch jede Menge Respekt entgegenbringen.

Interview: V. Robrahn