Ready or Not - Auf die Plätze, Fertig, Tot

Originaltitel
Ready or Not
Land
Jahr
2019
Laufzeit
95 min
Release Date
Bewertung
6
6/10
von Moritz Hoppe / 17. September 2019

Die beiden Regisseure Matt Bettinelli-Oplin und Tyler Gillett gehören hierzulande noch zu den eher unbekannteren Namen in der Filmbranche. Mit „Devil’s Due“ versuchte sich das Regie-Duo 2014 erstmals am Genre des Horrorfilms, sorgte dabei jedoch noch für wenig Aufsehen. Dieses Jahr hingegen wird ein etwas anderer Ansatz gewählt, denn mit ihrem neusten Film „Ready or Not“ leisten die beiden Regisseure ihren Beitrag für das Genre der Horrorkomödie und auf dem Papier sind dafür auch alle nötigen Voraussetzungen gegeben: Das einfache Prinzip des Versteckspiels wird zum erbarmungslosen Kampf um Leben und Tod, bei dem eine reiche Adelsfamilie den angeheirateten Familienzuwachs aufgrund einer finsteren Familientradition möglichst rabiat aus der Welt schaffen will. Mit Fox Searchlight steht dabei auch noch ein vielfach ausgezeichnetes Produktionsstudio hinter dem Projekt („12 Years A Slave“, „Birdman“, „Shape of Water“, etc.), das schon mit „28 Days Later“ und „The Hills Have Eyes“ beweisen konnte, dass auch das Genre des Horrorfilms für das Studio keinen Fremdkörper darstellt. Dies klingt zwar alles vielversprechend, doch leider bleibt einiges an Potential ungenutzt, was dem Unterhaltungsaspekt aber keinen Abbruch tut.

Grace (Samara Weaving) wird am Abend ihrer Hochzeit mit Alex Le Domas (Mark O’Brien) von seiner exzentrischen und steinreichen Familie darum gebeten, an einer langjährigen Familientradition teilzunehmen. Die Le Domas haben ihren Reichtum über die Veröffentlichung von Gesellschaftsspielen erwirtschaften können, und so muss Grace eines dieser Spiele absolvieren, um als Teil der Familie anerkannt zu werden. Sie ahnt jedoch nicht, dass für sie damit ein Kampf um Leben und Tod beginnt, denn die abergläubische Familie sieht in Grace eine Gefahr für den Familienfrieden.

Auf rein visueller Ebene gibt es wenig zu meckern, denn hinsichtlich der Kameraarbeit und der Ausstattung entwirft „Ready or Not“ ein liebevoll gestaltetes Gesamtbild. Vor allem das Kostümdesign und die Detailverliebtheit wissen zu überzeugen. „Ready or Not“ spielt zu weiten Teilen im Anwesen der Familie Le Domas, das vor purer Dekadenz nur so trotzt. So wird auch die Größe des Hauses nur schwer ersichtlich, wodurch sich der Zuschauer – ähnlich wie die Hauptfigur Grace – in den Räumlichkeiten verlieren kann. „Ready or Not“ stellt den Reichtum der Familie eindrucksvoll aus und sorgt mit der musikalischen Verwendung von Beethoven und Tchaikovsky für eine Überinszenierung der familiären Bräuche und Traditionen, was vor allem zu Beginn des Films einen großen Unterhaltungswert hat.

Ein Highlight von „Ready or Not“ ist zudem die Badass-Performance von Samara Weaving („Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“), die als wehrhafte Braut genretypische Opferrollen ablegt und die nötige Selbstironie in sich trägt. Auch Adam Brody („O.C., California“) sorgt als gelangweilter und zynischer Bruder des Bräutigams für Vergnügen. Leider ist aber auch „Ready or Not“ nicht frei von Klischeefiguren, die man so schon aus anderen Splatter-Komödien kennt (z.B. die koksende Schwester oder die pedantische Tante), was dem Film in einigen Momenten unnötigerweise schadet. In Anbetracht des recht großen Cast hätte man gut und gerne auf die ein oder andere Figur verzichten können oder einen kreativeren Umgang bevorzugen sollen.

Der größte Schwachpunkt von „Ready or Not“ ist jedoch die Uneindeutigkeit und Inkonsequenz, mit der die Geschichte erzählt wird: Der Film will das Publikum gleichermaßen beängstigen als auch belustigen. So wird immer wieder versucht, Ernsthaftigkeit in das Geschehen zu bringen, meist durch belanglose Dialogsequenzen oder fehlplatzierte Kapitalismuskritik. Hier und da kommt es deshalb zu unnötigen Längen in der Erzählung, was hinsichtlich der überschaubaren Laufzeit von ca. 90 Minuten vermeidbar gewesen wäre. Anstatt den Spagat zwischen Horror-Komödie und ernstzunehmenden Thriller zu meistern, besitzt die Genrevermischung leider einen störenden Charakter. Auch hinsichtlich der Splatter-Einlagen bleibt viel Luft nach oben: Einige dieser Szenen wirken leider so, als habe man sie mit angezogener Handbremse inszeniert, was Liebhaber des Splatter-Kinos enttäuscht zurücklassen wird. Allerdings muss fairerweise angemerkt werden, dass es durchaus auch die eine oder andere unterhaltsam-kreative Gewaltspitze gibt. Leider aber bleibt insgesamt das Gefühl, dass hier wesentlich mehr möglich gewesen wäre, zumal die Prämisse durchaus Ähnlichkeiten zum Home-Invasion-Thriller „You're Next" besitzt, der schon 2011 unter Beweis stellen konnte, wie Familiensatire und ernstzunehmender Horror-Thriller harmonisch unter einen Hut zu bringen ist.

Die angesprochenen Kritikpunkte trüben den Gesamteindruck zwar ein wenig, insgesamt sorgt „Ready or Not“ aber für einen unterhaltsamen Kinoabend. Darüber hinaus ist es erfreulich zu sehen, dass sich mittlerweile auch größere Studios an Genrefilmen versuchen und jungen Regisseuren und Regisseurinnen die Möglichkeit bieten, eigene und erfreulich unkonventionelle Ideen umzusetzen. Und etwas lernen kann man bei all der chaotischen Versteckspielerei dann auch noch: Wer sich immer mal schon gefragt hat, wozu eine durchschossene Handfläche so alles zu gebrauchen ist, wird den Kinosaal definitiv (wenn auch auf unschönem Weg) schlauer verlassen.

Bilder: Copyright

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