Filmszene-Special: Interview mit Synchronsprecher Elyas M'Barek

von Volker Robrahn / 25. Oktober 2012

Filmszene:  Elyas, auch für Dich war es das „erste Mal“ als Synchronsprecher, oder?

Elyas M’Barek: Ja, das war ganz neu für mich und sehr interessant, sich mal nur auf die Stimme zu konzentrieren.  Alles drum herum kann man vergessen, die Kamera, Kostüme und so weiter. Wobei das schon richtige Akkordarbeit war, die in drei Tagen durchgezogen wurde. Ich musste dann jeden Abend meine Stimme wieder „reparieren“. Mit viel Wodka, Drogen und Rock’n Roll – oder vielleicht auch nur mit Tee.

 

M'barek 1Wie stark hattet Ihr Euch dabei an die Vorgaben der US-Version zu halten?

Wir hatten ja nur eine noch nicht ganz fertige Version zur Verfügung, zudem in Schwarzweiß und zweidimensional. In 3D sehe ich den fertigen Film heute bei der Premiere auch zum allerersten Mal. Aber viel Spielraum bleibt da bei der lippengenauen Synchronisation grundsätzlich nicht.

 

Gibt es denn Gemeinsamkeiten zwischen Dir und deiner Figur Jonathan?

Das ist schwer zu beantworten, denn im Grunde war die Figur ja schon vorher da und ist nicht speziell für mich entwickelt und zugeschnitten worden. Andererseits hat  man mich aber nicht ganz ohne Grund für die deutsche Fassung ausgewählt, da scheint es also doch eine gewisse Verbindung zu diesem etwas unbedarften und neugierigen Typen zu geben.

 

Inwiefern konntest Du denn vielleicht etwas Einfluss auf die „Jugendsprache“ nehmen, in der Jonathan oft redet? Da sind die Begriffe doch recht unterschiedlich im Deutschen und Englischen.

Das war eigentlich nicht nötig, da auch die deutsche Fassung schon sehr gut ausgearbeitet war, eigentlich perfekt. Die Amerikaner nehmen das wirklich sehr genau, nicht nur bei der Auswahl der Sprecher. Es war zum Beispiel ständig jemand da, der alles überwacht hat. Der hat zwar noch nie in Deutschland gelebt, sprach unsere Sprache aber perfekt und völlig akzentfrei. Und noch ein paar andere Sprachen dazu, das war schon ziemlich abgefahren.

 

Wonach wählst Du denn grundsätzlich Deine Rollen aus?

Na, jedenfalls nicht danach, welchen kulturellen Hintergrund meine Figur hat, ob die nun deutsch, türkisch oder tunesisch ist spielt überhaupt keine Rolle. Ich muss schlicht Spaß an der Figur haben und der Film muss gut sein. Klingt ziemlich simpel, ist aber tatsächlich so. Und ich sehe auch eigentlich immer ziemlich schnell beim Drehbuchlesen ob das etwas für mich ist oder nicht, da reichen meist schon wenige Seiten. Einige Journalisten werfen mir ja gerne vor, dass ich oft ähnliche Charaktere spiele, aber ich glaube dieser Eindruck ist falsch.

 

M'barek 2Du drehst jetzt eine internationale Produktion, den Medicus.  Sind solche Angebote eine Folge des großen Erfolgs von „Türkisch für Anfänger“? Und unterscheiden sich die Dreharbeiten in Kanada oder den USA sehr von denen bei uns?

Nein, die Rolle im „Medicus“, wo ich den Karim spiele, stand für mich schon etwas länger fest, so direkt hast sich da der Kinofilm bisher noch nicht ausgewirkt, ist ja auch erst wenige Monate her. Und die Dreharbeiten unterscheiden sich nicht groß, denn die Filmleute sind überall ähnliche Typen.  Soll heißen, die Beleuchter, die Tonleuchte oder die Maskenbildner sehen auf der ganzen Welt  immer gleich aus –was ich sauwitzig finde. Nur die Sets sind halt etwas größer.

 

Wo ist Deine Heimat?

Das ist eindeutig München.  Ich bin Bayer und geh  jedes Jahr aufs Oktoberfest.  Man darf mir also auch ruhig mal eine Figur mit bayerischem Dialekt anbieten.

 

Glaubst Du, dass Dir Dein gutes Aussehen manchmal in dieser Branche geholfen hat?

Es ist schwierig darauf zu antworten ohne eitel zu klingen, oder?  Es ist natürlich nicht schädlich, denn man wird halt oft nach Typen besetzt. Aber trotzdem glaube ich, dass es hoffentlich nicht nur danach geht. Bei „Hotel Transsilvanien“ war mein Aussehen jedenfalls nicht entscheidend, behaupte ich mal. 


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