Robin Hood

abenteuer, usa/gb 2010
original
robin hood
regie
ridley scott
drehbuch
brian helgeland
cast

russell crowe,
cate blanchett,
max von sydow,
william hurt,
mark strong,
kevin durand, u.a.

spielzeit
135 min.
kinostart
13.05.2010
homepage
www.robin-hood-film.de
bewertung


(7/10 augen)




 

 

 

 

 

 

"Entdecken Sie die Wahrheit hinter der Legende" tönt die Tagline von Ridley Scotts neuestem Epos, das ihn erneut mit Russell Crowe aus seligen "Gladiator"-Zeiten zusammenführt. Nun ja, zumindest eine Wahrheit ist es, die Drehbuchautor Brian Helgeland hier erzählt, aber ob er mit dieser Geschichte nun wirklich die echten Hintergründe hinter der wohl populärsten Volkslegende aller Zeiten aufgedeckt hat? Zumindest ist die hier erzählte Geschichte das Interessanteste am ganzen Film, denn es wird hier so ziemlich alles anders gemacht als in den bisherigen Streifen um den mittelalterlichen Waldguerilla und Meisterschützen.

Keine Angst, es gibt hier noch einen mutigen Helden namens Robin (Russell Crowe), seine Herzensdame Marion (Cate Blanchett), seine Bande rund um den hünenhaften Raufbold Little John (Kevin Durand), den trinkfreudigen Mönch Tuck (Mark Addy), Pfeilschützenkollege Will Scarlet (Scott Grimes) und den Barden Allan A'Dayle (Alan Doyle). Es gibt auch noch einen seine Bewohner unterdrückenden Sheriff von Nottingham. Aber da enden dann auch die Parallelen zu den bisherigen Robin Hood-Filmen wie etwa Michael Curtiz' früher Klassiker mit Errol Flynn oder Kevin Reynolds' 90er Jahre-Klassiker "Robin Hood - König der Diebe" mit Kevin Costner im - wie manch Spötter meint - wohl längsten Bryan Adams-Musikvideo aller Zeiten. Denn die Frage, wie man eine nun wirklich sehr wohl bekannte Geschichte mit eben so bekannten Figuren auf noch halbwegs interessante Art noch einmal erzählen kann, lösen Scott, Helgeland und dessen Helfer bei der Storyentwicklung Ethan Reiff und Cyrus Vorris auf ihre Weise: Sie erzählen kurzerhand die Geschichte, wie Robin Hood zu dem wurde, was er ist. Und das nicht wie die meisten bisherigen Hood-Filme in der ersten halben Stunde, sondern über die ganze wieder mal epische Laufzeit von knapp 135 Minuten.
Jawohl, der Titel ist tatsächlich nicht hundertprozentig korrekt, denn für geschätzte 98 Prozent seiner Laufzeit ist Robin nicht Robin Hood der Outlaw, sondern der einfache Bogenschütze Robin Longstride, und dieser Film ist eine waschechte Herkunftsgeschichte, wie sie ja gerade im Superheldengenre beliebt ist. Daher sollte man vielleicht einfach gedanklich ein "Die unbekannten Abenteuer des..." dem Titel voranstellen, um auch die richtigen Erwartungshaltungen zu haben, und sich zudem auf einen recht ernsten Film einstellen. Zuviel soll über die Storyentwicklung auch gar nicht verraten werden, denn der vielleicht beste Trumpf dieses Films ist, dass das Publikum über die fast gesamte Laufzeit eine ihm größtenteils unbekannte Geschichte vorgesetzt bekommt, was freilich nicht ohne Risiken ist.
Denn ein Teil des Publikums wird sicherlich auch enttäuscht sein, dass es hier gar keinen "richtigen" Robin Hood zu sehen gibt. Es gibt hier auch keinen lustigen Schabernack, der mit dem Sheriff von Nottingham und seinen Schergen getrieben wird, wie überhaupt jener Sheriff nur eine ganz kleine Nebenrolle spielt. Stattdessen wird mit Mark Strong als Godfrey ein ganz neuer Bösewicht in das Robin Hood-Universum eingeführt. Strong hat ja mittlerweile fast ein Abonnement auf Bösewichtrollen in Hollywood, dies ist nach "Sherlock Holmes" und "Kick-Ass" bereits seine dritte große Rolle dieser Art in fast eben so vielen Monaten. Überhaupt die Bösewichte: Da hat man es hier sowohl anders gemacht, als sich auch leicht, denn neben ein paar bösen britischen Steuereintreibern sind es vor allem die Franzosen, die hier als Feindbild dienen, und da sind ja bekanntlich Briten, Amerikaner und fast der ganze Rest der Welt vereint im Nichtmögen der Froschschenkelesser.

Andere Dinge sind so überraschend wie interessant: Lady Marion ist zum ersten Mal weder jung noch eine ausgesprochene Schönheit, sondern in Gestalt von Cate Blanchett eine in einer arrangierten Ehe gelandete, selbstbezeichnete alte Jungfer, die nun als Dame in den besten Jahren freilich viel besser zum ja auch schon nicht mehr ganz taufrischen Russell Crowe passt. Der trägt hier Maximus-Gedächtnis-Frisur und Bart und zeigt, dass er als waffenschwingender Rebell doch am Besten besetzt ist, zumindest bis jemand einen Film über Telefonwerfer macht. Insgesamt ist der Cast wie eigentlich immer bei Scotts Filmen ohne Schwächen.
Gleiches gilt auch für Scotts Film im Allgemeinen. Alles ist hier wieder erlesen: Kulissen, Kostüme, Kameraführung. Wenn es an diesem Film etwas auszusetzen gibt, dann, dass man diese Qualität von Scott gewohnt ist und sie quasi voraussetzt, und er hier den wie immer souverän in Szene gesetzten Schlachten und Scharmützeln nichts hinzufügen kann, was er nicht schon beeindruckender in "Gladiator" und "Königreich der Himmel" gezeigt hat. "Robin Hood" ist dabei ähnlich geplottet wie diese beiden Filme, wie auch in den beiden Vorgängern in Scotts Historienspektakel-Trilogie gibt es reichlich Intrigen, Bündnisse und Verrat. Aber so spektakuläre Bilder wie die Waldschlacht zu Beginn von "Gladiator" oder die Belagerung von Jerusalem stellen sich hier nicht ein, und die immer noch sehr nett anzusehenden Schlachten zu Pferd oder Fuß sind somit leider nur gut gemacht, was als Kritikpunkt zugegebenermaßen nun wirklich fast schon kleinlich ist - wobei es dem zünftigen Actiongehalt allerdings definitiv nicht gut tut, dass diesmal eine niedrigere Altersfreigabe angestrebt wurde (hierzulande ab 12) und es weder deftige Blutspritzer noch authentisch durchbohrte Leiber zu sehen gibt.

Die zweite kleine Kritik ist dann, dass diese Action- und Kampfszenen doch einigermaßen spärlich auf die Laufzeit verteilt sind, und sich Scott hier wieder alle Zeit der Welt nimmt. Anders als in "Königreich der Himmel", der erst im längeren Director's Cut seine volle Wirkung entfachte, hätte man in diesem Fall sogar noch ein paar Minuten wegschnippeln können, denn es geht hier ziemlich gemächlich zu. Da wir Robin am Anfang des Films auf dem Rückweg von den Kreuzzügen erleben, dauert es eine Dreiviertelstunde bis der Held überhaupt erstmal in Nottingham ankommt, und danach dann nochmal fast eine ganze Stunde, bis das Scharmützel so richtig los geht. Dem Rezensenten wurde es angesichts der Schauwerte hier zu keinem Moment langweilig, aber eine Garantie kann er nicht dafür geben, dass der eine oder andere ungeduldige Zuschauer nicht doch nach anderthalb Stunden anfängt, auf seinem Stuhl hin- und herzurutschen.
Und wo es zwischenzeitlich etwas langsam wird, geht es zum Schluss zu schnell. Wenig überzeugend kommt in dem Film namens "Robin Hood" ausgerechnet der kurze Teil herüber, in dem der Titelheld zu eben jenem wird, denn dieser Epilog wirkt erstens unnötig überhastet und zweitens wie angeklebt. Ganz so, als hätte Scott mit Freude die Geschichte erzählt, die ihn interessierte, und dann gemerkt, dass sein Robin Hood ja noch gar nicht der Robin Hood ist, um dieses Dilemma noch schnell innerhalb von wenigen Minuten zu beheben. Das hätte man sicherlich etwas eleganter lösen können.

"Robin Hood" ist so gut, wie man es von Ridley Scott mindestens erwartet, aber nicht so genial, wie man es von diesem immer mal wieder zu Meisterwerken fähigen Regisseur erhofft hatte. Wer Lust hat, einmal eine ganz andere Robin Hood-Geschichte - oder mal wieder einen Russell Crowe in Paraderolle - zu sehen, der sollte hier trotz dieser kleinen Einwände nicht zögern. Denn Dreck wie "Kampf der Titanen" zeigt Scott hiermit allemal, wo in Sachen episches Abenteuerkino der Hammer hängt.

S. Staake