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Ein Fisch namens Wanda - Special Edition

Ein Fisch namens Wanda - Special Edition
komödie , großbritannien 1987
original
a fish called wanda
regie
charles crichton
drehbuch
john cleese
cast
john cleese,
jamie lee curtis,
kevin kline,
michael palin, u.a.
spielzeit
108 Minuten
kinostart
homepage
"Nenn mich nicht dämlich!" Wer schon mindestens einmal "Ein Fisch namens Wanda" gesehen hat, muss bei diesem Satz bereits unweigerlich anfangen zu schmunzeln, ist er doch einer der zahlreichen grandiosen Running Gags in der vielleicht besten britischen Komödie, die Monty Python nie gemacht hat. Obwohl das so auch nicht stimmt: Schließlich ist nicht nur John Cleese, der führende kreative Kopf hinter "Wanda", ehemaliges Mitglied der legendären englischen Komiker-Truppe, sondern auch Nebendarsteller Michael Palin. Drum kann man - bei allen Annäherungen an den komödiantischen Mainstream - hier auch mehr als nur ein paar Spuren des unverwechselbaren, anarchischen Python-Humors finden. Ganz abgesehen von den zahllosen anderen Volltreffer-Gags, die "Wanda" an vorderster Spitze mitspielen lassen, wenn es darum geht, den witzigsten Film aller Zeiten zu küren.

Wie es sich für eine Legende gehört, war auch diese im Voraus nicht abzusehen: Eine relativ kleine, schnell abgedrehte Produktion, die sich nach Veröffentlichung in Windeseile Kultstatus erarbeitete und bei ihrem Publikum inzwischen allgemein als unvergesslich betrachtet wird. Die Grundstory ist dabei ziemlich simpel und so etwas wie die böse ältere Schwester von "Verrückt nach Mary", denn auch hier stehen alle Männer nur auf eine Frau: Wanda (Jamie Lee Curtis) ist eine durchtriebene amerikanische Gaunerin, die mit ihrem englischen Liebhaber George und dessen stotterndem (und ebenfalls in Wanda verliebten) Gehilfen Ken (Michael Palin) einen Juwelen-Diebstahl durchführt, und dazu ihren "Bruder" Otto (Kevin Kline) als nötigen Scharfschützen mitbringt. Der ist nicht wirklich ihr Bruder, sondern heimlicher Partner, und nachdem sie George an die Polizei verpfiffen haben, wollen sich die beiden eigentlich mit der Beute aus dem Staub machen. Die hat George jedoch schon wieder woanders versteckt. Da muss man improvisieren, und deshalb schmeißt sich Wanda an Georges Pflichtverteidiger Archie Leach (John Cleese) ran, in der Hoffnung, dass der als erstes herausfindet, wo die Beute versteckt ist.
Aus dieser Ausgangssituation entwickelt sich ein wahrer Reigen an unübertroffenen Comedy-Nummern, die das gesamte Spektrum der Komik abzudecken wissen. Der kongeniale Schachzug, aus Wanda und Otto zwei Amerikaner zu machen, bietet immer wieder Gelegenheit für heftige Sticheleien des jähzornigen Otto in Richtung verstockte Inselaffen, deren Mentalität wiederum eines der Hauptziele der satirischen Spitzen in Cleese' brillantem Skript ist: die steife Leblosigkeit der englischen Mittelklasse wird hier genüsslich seziert, und ihre unglaubliche Angst vor Blamagen bloßgestellt in einer Szene, in der Archie Leach stellvertretend für seine gesamte Klasse den absolut peinlichsten Moment seines Lebens erfahren darf.
Ebenso unvergesslich der kurze Ausflug in die Farce, als Archie sich zum ersten romantischen Date mit Wanda bei sich zu Hause trifft, und dabei von mehr als einer unerwarteten Person überrascht wird. Simply hilarious.
Die größten Lacherfolge verbuchen jedoch die hochgradig politisch unkorrekten Witze: das Töten kleiner Hunde und der dazugehörigen alten Oma; die amüsanteste Folter-Szene aller Zeiten, als Otto nach und nach Kens Aquarium leer frisst; und natürlich das permanente Lustig machen über Kens Sprachfehler, das in einer der witzigsten Szenen der Kinogeschichte kulminiert: Wer die "Kaaahhh"-Szene, in der Archie verzweifelt versucht, eine enorm wichtige Information aus Ken heraus zu bekommen, ohne Lachmuskelkater übersteht, darf sich offiziell als völlig humorlos bezeichnen.

Es sind auch eben diese herrlich unkorrekten Gags, die "Wanda" seine Originalität erhalten: In seiner Gesamtheit nähert sich der Film merklich einer konventionellen Erzählweise an, viele kleine Elemente deuten darauf hin, dass man hier an mehr Massenkompatibilität interessiert war als zu den anarchischen Python-Zeiten. Das führt allerdings auch zu einer lehrbuchartigen Vorführung, wie gute Komik funktioniert, und wie viel Arbeit tatsächlich dahinter steckt. Von der ersten bis zur letzten Sekunde ist "Wanda" perfekt durch konstruiert, baut seine Gags kongenial aufeinander auf und weiß immer wieder durch absurde Szenarien zu überraschen (die Szene, in der Otto den armen Archie kopfüber aus dem Fenster hängt …).
Natürlich ist brillant geschriebene Komik nichts ohne nicht ähnlich brillant agierende Darsteller, und die gibt es hier in Hülle und Fülle, wobei Jamie Lee Curtis als das Zentrum aller Aufmerksamkeit fast die undankbarste Rolle hat, während sich alle um sie herum wegen ihr zum Affen machen dürfen. John Cleese und Michael Palin agieren wie zu besten Python-Zeiten, wobei Cleese der zusätzlichen Herausforderung gegenüber stand, noch nie eine romantische Szene gespielt zu haben. Der unvergessene König dieses Films ist jedoch Kevin Kline als Otto: Diese Rolle hatte schon in ihrem Grundentwurf das Potential für komödiantisches Genie, denn ein gewalttätiger Dummkopf mit einer Faszination für nihilistische Philosophie und buddhistische Meditationstechniken kann nur brüllend komisch sein. Was Kline jedoch daraus machte, sucht seinesgleichen, und kam zudem völlig unerwartet: Berühmt geworden durch seine hochdramatischen Rollen in "Sofies Entscheidung" und "Schrei nach Freiheit" hatte er sich als ernsthafter Schauspieler etabliert, und vollzog hier eine vollkommene Kehrtwendung, die ihm dann auch prompt den hochverdienten Oscar als bester Nebendarsteller einbrachte. Wie Kline seine Figur in jeder Szene mit wenigen Gesten der kompletten Lächerlichkeit hingibt, das ist wirklich einmalig, und einmalig komisch. Eine ähnlich brillante Vorstellung versteckt sich übrigens in der kleinen Nebenrolle von Archies Ehefrau: Maria Aitken liefert hier ein wundervolles Portrait des personifizierten Albtraums versteifter englischer Hochnäsigkeit ab, dass höchstens noch von Maggie Smith in "Gosford Park" übertroffen wird.

All das lässt sich nun in einem Doppel-DVD-Set bewundern, das mit reichlich und größtenteils interessantem Bonusmaterial aufwartet. Zwei Dokumentationen (ein Original-Making of von 1987 und eine Retrospektive fünfzehn Jahre später) liefern viele Hintergründe und Anekdoten zur Produktion. Hier erfährt man unter anderem auch, dass die erwähnte legendäre "Kaaahhhh"-Szene eigentlich noch viel länger konzipiert war, und das Ende des Films ursprünglich dunkler ausfallen sollte. Man schämt sich auch nicht zuzugeben, dass diese und andere Änderungen nach Testvorführungen durchgeführt wurden, um sich mehr dem Publikum anzupassen. Das muss schließlich nicht immer eine schlechte Sache sein, denn nur so wurde "Wanda" zu dem fulminanten Lacherfolg, der er letztlich ist.
Ebenfalls auf der DVD enthalten sind 26 entfallene Szenen, die unter anderem den ursprünglichen Running Gag enthalten, dass Otto ständig vorbei laufenden Katzen die Schwänze abschießt - worauf man in der Endfassung verzichtete, da man schon genug Gemeinheiten gegen Tiere drin hatte.
Weniger sehenswert ist eine alte BBC-Dokumentation, die die Drehorte des Films abklappert: Unspektakulär und langweilig inszeniert, kann man sich dieses Extra getrost sparen.
Auch der Audio-Kommentar von John Cleese braucht ein wenig Zeit, bis er in Schwung kommt und käut viele der Informationen wieder, die bereits die beiden ausführlichen Dokumentationen vermittelten. Er bietet dann aber schließlich doch noch ein paar sehr interessante Einblicke in Cleese' Arbeitsweise beim Schreiben und Spielen von Komik und vermittelt einen Eindruck, was für harte und langwierige Arbeit eine solch brillante Komödie darstellt. Kleiner Tipp: Gleichzeitig mit dem Audio-Kommentar sollte man den ebenfalls enthaltenen Trivia-Track laufen lassen. Während dem Film erscheinen dann immer wieder kleine Texttafeln mit allerlei Wissenswertem (dass Archie Leach z.B. auch der bürgerliche Name von Leinwand-Legende Cary Grant ist, der aus demselben Ort stammt wie John Cleese), die nicht von den Erzählungen des Kommentars ablenken. Das spart einen weiteren Extra-Durchlauf.

Insgesamt fällt das Bonusmaterial zwar nicht atemberaubend, aber sehr zufrieden stellend aus. Bild- und Tonqualität der Scheibe sind nicht außergewöhnlich, was bei einem technisch unspektakulären Film wie diesem aber auch kein wirkliches Manko darstellt. Eine Kaufempfehlung kann man von daher getrost aussprechen, sowohl für alte "Wanda"-Fanatiker, die gerne einen intensiven Blick zurück werfen wollen, als auch vor allem für die bemitleidenswerten Seelen, die dieses Juwel der Kinokomik noch nicht kennen lernen durften. Diesen Frischlingen seien daher auch noch ein paar wichtige Richtigstellungen mit auf den Weg gegeben:
Aristoteles war kein Belgier.
Die zentrale These des Buddhismus lautet nicht: Jeder Mann für sich selbst.
Und die Londoner Untergrund-Bahn ist keine politische Bewegung.

Wie war das im Mittelteil …?

Ein Fisch namens Wanda - Special Edition (2 DVDs)
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Frank-Michael Helmke

Eine der besten britischen Komödien aller Zeiten !

10

wunderbar-was zum immer wieder anschauen.- John cleese und jamie lee curtis sind ein wirklich unschlagbares paar

10

Es ist nicht der knallharte Humor wie bei "Das Leben des Brian", aber gehört dennoch zu meinen Lieblingskomödien. Besonders die Scene, als die Frau von Archi Leach überraschend nach Hause zurückkommt und es zu diesem total schwachsinnigen Dialog mit Otto kommt. Während dieses Parts sollte man einfach zuhören und unbedingt nur auf das Gesicht von Archi (John Cleese) achten. Ein wahrer Genuß!

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