Trader Horn

MOH (21): 4. Oscars 1931 - "Trader Horn"

In unserer Serie "Matthias' Oscar History" (MOH) bespricht Matthias in jeder Folge jeweils einen der zwischen den Jahren 1929 und 2000 nominierten Oscar-Beiträge aus der Kategorie "Bester Film".

von Matthias Kastl / 25. November 2023

Manche Reviews gehen leicht von der Hand, bei der anderen überlegt man sich jedes Wort zweimal. Letzte Folge hatten wir es hier noch mit den harmlosen Abenteuern eines Lausbuben in "Skippy" zu tun, nun ploppt im Abenteuerfilm "Trader Horn" überdeutlich das brisante Thema Rassismus auf.


Trader Horn

Land
Jahr
1931
Laufzeit
122 min
Genre
Release Date
Oscar
Nominiert "Outstanding Production"
Bewertung
5
5/10

Bisher sind wir in dieser Reihe dem Thema Rassismus im Film ja noch meistens aus dem Weg gegangen. Was auch daran liegt, dass dieser sich vor allem bisher oft "nur" dadurch gezeigt hat, dass eben nichts gezeigt wurde. Es gab kaum nicht-weiße Figuren und wenn waren diese höchstens einmal in Kurzauftritten als Diener, Schaffner oder Haushaltshilfe im Hintergrund zu sehen. Ab und zu, wie zum Beispiel in "Skippy", war mal in einer Szene ein schwarzes Kind in einer Gruppe weißer Kinder zu erhaschen. Für ein paar Sekunden. Das alles ist natürlich Ausdruck des damaligen Rassismus, wirkt aber heute noch "harmlos" genug, um den Filmen zumindest keinen extrem negativen Anstrich zu verpassen. Aber das geht natürlich auch leider anders.

"Trader Horn" zeigt nun deutlich offensichtlicher was für ein fehlgeleitetes Weltbild damals teilweise so in den Tiefen der Gesellschaft schlummerte. Der Film basiert auf den Memoiren des Jägers Alfred Aloysius Horn und dessen Abenteuern in Afrika. Begleitet wird der erfahrene Trader Horn (Harry Carey Sr.) dabei von dem einheimischen Führer Renchero (Mutia Omoolu) und dem jungen Peru (Duncan Renaldo). Ihre Suche nach einer einst von einem Stamm verschleppten jungen Frau (Edwina Booth) führt die Gruppe dabei in unentdeckte und von Kannibalen und wilden Tieren dominierte Gebiete des alten Kontinents.
 


Die Inhaltsangabe in Verbindung mit dem Jahr der Produktion lässt ja schon einiges befürchten. Um es "positiv" zu sehen, rassistische Positionen brechen nur an manchen Stellen heraus und das Ganze ist kein Vergleich zu den schlimmsten Werken Hollywoods, wie zum Beispiel D.W. Griffiths "Birth of a Nation". Wenn es aber rausbricht, dann schon so, dass man doch deutlich schlucken muss. Da werden Eingeborene als Affen oder naive Kinder bezeichnet oder ihnen zur deren Ansporn mal "scherzhaft" ein ordentlicher Tritt in den Hintern verpasst. Das scheint ein wenig durch das positive Porträt des einheimischen Führers Renchero "ausgeglichen" zu werden, doch dessen Figurenzeichnung endet dann auch im Klischee des romantisierten edlen Wilden.

Obendrauf gesellt sich dann noch das Thema Tierquälerei bei den Dreharbeiten und natürlich kann man das alles jetzt nicht mit einem "so war es halt früher" abtun. Gleichzeitig tue ich mir aber schwer den Film nur darauf zu reduzieren, womit man es sich dann auch wieder sehr einfach machen würde. Es gibt nämlich durchaus interessante Aspekte, wie die Tatsache, dass "Trader Horn" sich in anderen Bereichen schon Mühe gibt auch ein wenig (wenn auch simple) Bildungsarbeit zu leisten. Das zeigt sich in einer langen Sequenz, in der einem minutenlang alle Tierarten der Savanne vorgestellt werden. Dramaturgisch eine ziemliche Vollbremsung, aber irgendwie doch eine nette Idee und ein löbliches Anliegen.
 


Dazu muss man verstehen, dass "Trader Horn" der erste in Afrika gedrehte Spielfilm der Traumfabrik war. Das dort gedrehte Material wurde später dann auch immer wieder in den "Tarzan"-Verfilmungen mit Johnny Weissmüller recycelt. Für das Publikum in den 1930ern war das sicher damals ein großartiges Abenteuer auf der Leinwand, für die Crew dagegen ein unglaublicher und gefährlicher Kraftakt. Ein Crewmitglied fiel einem Krokodil, ein anderes einem Nilpferd zum Opfer. Und Schauspielerin Edwina Booth erkrankte so schwer, dass sie nach Jahren des Leidens ihre (zugegeben eher kurze) Filmkarriere an den Nagel hängen musste. 

Unter diesen chaotischen Umständen ist das Ergebnis, rein filmisch betrachtet, über weite Strecken wirklich ordentlich. Die Inszenierung holt aus der eher simplen Story einiges an Spannung raus. Trotz der vielen Jahre auf dem Buckel wirkt das Setting auch heute noch relativ frisch, auch weil in den letzten Jahrzehnten das Genre des klassischen Abenteuerfilms doch ziemlich vernachlässigt wurde. Vielleicht liegt es auch an dem Wissen um die Schwere der Dreharbeiten, aber "Trader Horn" ist irgendwie immer interessant anzuschauen. Und das will was heißen angesichts sehr klischeehafter Figuren und dem schauspielerischen Totalausfall von Edwina Booth, die eigentlich nur grimmig schauen kann.

Auch der Hauptfigur Trader Horn kann man ihr machohaftes Auftreten irgendwie gerade noch so verzeihen. Selbst die Vorstellung der lokalen Tierwelt erfolgt von Horn nämlich stets in Form aneinandergereihter cooler Sprüche. Diese konstante Selbstverliebtheit in die eigene Weisheit geht einem auf die Dauer schon ein wenig auf die Nerven. Ab und zu hat dieser afrikanische John Wayne-Verschnitt aber auch erstaunlich reflektierte Einsichten, wie die Feststellung, dass er ohne Waffe hier in der Wildnis eindeutig am unteren Ende der Nahrungskette angesiedelt wäre.

So ist "Trader Horn" am Ende ein Film, der einen komischen Zwiespalt hinterlässt. Wirklich mögen kann man ihn aufgrund des Rassismus natürlich unmöglich, aber so ganz kann man sich seiner Faszination und dem Respekt vor der Leistung der Filmemacher eben auch nicht entziehen. Ich stecke ihn darum hiermit in die Rubrik schwieriges aber doch irgendwie spannendes Zeitzeugnis. Es schließt sich eben nicht gegenseitig aus, dass man einen Film eindeutig für gewisse Aspekte verurteilen, gleichzeitig aber (auch mit einem Verständnis für den historischen Kontext) dessen Entertainment-Potential zu Teilen genießen kann.
 
"Trader Horn" ist aktuell als DVD-Import auf Amazon in Deutschland verfügbar. Alternativ ist der Film auch auf Youtube auffindbar (Suche nach "Trader Horn 1931").
 

Trailer zu "Trader Horn"


Ausblick
In unserer nächsten Folge widmen wir uns dem Oscar-Gewinner der vierten Academy Awards und einer epischen Zeitreise vom Wilden Westen bis hin zu den Anfängen der Industrialisierung.


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