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Appleseed

Appleseed
science fiction-anime , japan 2004
original
appurushido
regie
shinji aramaki
drehbuch
haruka handa, tsutomu kamishiro
cast
ai kobayashi,
jurota kosugi,
yuki matsuoka,
yuzuru fujimoto, u.a.
spielzeit
108 Minuten
kinostart
8. September 2005
homepage
bewertung

6 von 10 Augen

 

Die Zukunft, das Jahr 2131: Ein dritter Weltkrieg hat den Planeten Erde und alle auf ihm befindlichen Zeugnisse menschlicher Zivilisation in Schutt und Asche zurückgelassen. Deunan Knute, eine junge, kampferprobte Elite-Soldatin, kämpft noch in den Ruinen gegen den Feind an, bis sie von einem Spezial-Einsatzkommando entführt und nach Olympus gebracht wird. Dort macht sie bald Bekanntschaft mit der freundlichen und fürsorglichen Hitomi und sieht zum ersten Mal ihren alten Freund Briareos wieder, der inzwischen zu einem Cyborg mutiert ist. In dieser als ein Utopia gepriesenen Stadt herrscht eine neue futuristische Gesellschaftsordnung, in der Menschen mit sogenannten Bioroids - genetisch veränderte Klone, die weder zur Reproduktion noch zu Emotionen fähig sind - zusammenleben. Sie sollen die im Menschen omnipräsenten Aggressionen und Missgunst kompensieren, um so eine friedvolle Koexistenz zu gewährleisten. 
Gaia, das Hauptkontrollsystem und "Gehirn" von Olympus wacht zusammen mit dem Rat der sieben Ältesten über die Stadt. Entschiedener Gegner des Bioroid-Konzepts ist General Uranus, Kopf des Olympus-Militärs. Als schließlich das Reproduktionszentrum sowie das menschgesteuerte Lebens-Verlängerungs-System der Bioroids durch einen Anschlag zerstört werden, beschließt die Präsidentin Athena die generelle Reproduzierbarkeit der Bioroids wieder herzustellen. Deunan wird beauftragt das dazu notwendige Forschungsmaterial "Appleseed" ausfindig zu machen. Ein erfolgreiches Gelingen dieser Rettungsmission kann General Uranus jedoch auf keinen Fall zulassen. Wird Denuan die Bioroids-Population retten können? Auf wessen Seite steht ihr Freund Briareos? Und was hat der Rat der sieben Ältesten mit dem ganzen zu tun?

Basierend auf der Comic-Buch-Serie von Masamune Shirow, der schon die Vorlage zum weltbekannten Anime "Ghost in the Shell" lieferte, wird "Appleseed" als Japans erste voll-computeranimierte Manga-Adaption beworben. Ohne jeden Zweifel brilliert dieser Film entsprechend vor allem auf visueller Ebene. Die Videospiel-Ästhetik, die die Bilder in den ersten Minuten annehmen, ist beeindruckend und mitreißend. Deunan und ihre Mitstreiter liefern sich inmitten einer von Trümmern übersäten Stadt einen Kampf mit Mecha-Robotern, erbarmungslosen Killermaschinen. Es wird geballert, was das Zeug hält und eine Explosion folgt der anderen. 
Diese actiongeladene Eröffnung, die völlig ohne Dialogzeilen abläuft, könnte auch gut aus einem der aktuellen Ego-Shooter stammen, wären da bloß nicht die atemberaubenden und fast schon photorealistischen 3D-Kulissen, in denen die Figuren interagieren. Ihre durch Motion-Capturing erzeugten, flüssigen Bewegungsabläufe wirken echt und sehr lebensnah, lediglich die Figuren selbst mögen manchmal etwas deplaziert wirken. Das liegt an ihrem Comic-haften Aussehen, mit extrem erhöhten Kontrasten sowie minimalisierten Texturen, was charakteristisch für das Cel-Shading (auch Toon-Shading) ist, das sonst gewöhnlich in Konsolen-Videospielen eingesetzt wird. So erinnert eine Szene, in der Denuan mit ihren neuen Teammitgliedern eine Trainingseinheit absolviert, sogar an eine Mission aus dem PC-Ego-Shooter "Counter-Strike" - beabsichtigt oder nur Zufall?
Auffällig sind auch die zahlreichen Anleihen, die der Film bei anderen SciFi-Filmen macht. Die bekannten und mittlerweile unzählige Male kopierten Zeitlupeneffekte aus den "Matrix"-Filmen sind auch hier in den Kampfszenen anzutreffen und eigentlich nicht mehr der Rede wert. Der Rat der sieben Ältesten ist offensichtlich an den Jedi-Rat aus "Star Wars" angelehnt: Es sind vom Alter gezeichnete Männer, die hier auf ihren "Rollstühlen" schwebend durch die Lüfte gleiten. Darüber hinaus lassen sich Referenzen aus "Terminator", "Blade Runner" und weiteren Genre-Klassikern ausmachen.

Die Geschichte, die hier erzählt wird, ist komplex. Zudem spielt sie in einer Welt, die der unseren zeitlich und technisch weit voraus ist. Daher bedarf es vieler Erklärungen und Erläuterungen, um alles nachvollziehbar und plausibel erscheinen zu lassen. Aus diesem Grund ist der Film an einigen Stellen stark dialoglastig und erfordert volle Konzentration. Ein weiteres Manko sind die Figuren: Da gibt es einmal die Kriegerin, die zu viel weint; den stillen, beschützenden Freund, der unerklärlicherweise an Frank (den Horror-Hasen) aus "Donnie Darko" erinnert; die bioroide Freundin, deretwegen unsere Heldin Olympus zu retten versucht; den Mechaniker, der Todgeglaubte wieder zum Leben erwecken kann; die ernste Präsidentin, die die ganze Zeit grimmig dreinschaut; und zu guter letzt zwei Schurken, die Bioroids hassen. Nach ausdefinierten Figuren sucht man hier vergeblich. Die Charaktere sind mehr als flach und dienen lediglich dem Fortschreiten der Geschichte.

Die als Träume Denuans getarnten Rückblenden dienen dazu, ihr Verhältnis zu Briareos für den Zuschauer ergründbar zu machen und seinen brüderlichen Beschützerinstinkt hervorzuheben. Doch wirkt das alles relativ emotionsarm und teilnahmslos, was an der starren Animation der Mimiken und Gestiken liegt, die vergleichsweise rudimentär ausgefallen sind.
Die Macher scheinen gedacht zu haben, dass sie über Mitleid und Mitgefühl das Publikum doch noch erreichen können. So wird zum Ende hin immer öfter auf die Tränendrüse gedrückt, wodurch die Heldin in jeder dritten Szene anfängt zu weinen. Dieser Gefühlsüberschwang fällt unangenehm auf, wirkt kitschig und einfach nur unnötig dramatisch.
Das apokalyptische Finale entschädigt zwar für das über Hand nehmende Pathos, doch der Schlussmoment ist kindisch und hätte gut und gerne einer der japanischen Zeichentrickserien, die bei uns im Mittagsprogramm laufen, entnommen sein können.

So ist "Appleseed" am Ende ein unterhaltsamer, wenn auch sehr Story-lastiger Actionfilm geworden, der in besonderem Maße durch seine teilweise superbe 3D-Animation beflügelt, jedoch Mängel in seinen Figuren und einer allzu konstruierten Geschichte aufzuweisen hat.

Denis Kirimtay

10

Niemand kann so gut kritisieren wie derjenige der nie selbst einen Film zustande gekriegt hat!

Der Film ist einfach klasse und die Story auch. Da kommt Hollywood nicht so einfach ran.

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