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Das Leben der Anderen

Das Leben der Anderen
polit-thriller , d 2006
original
das leben der anderen
regie
florian henckel von donnersmarck
drehbuch
florian henckel von donnersmarck
cast
ulrich mühe,
martina gedeck,
sebastian koch,
ulrich tukur, u.a.
spielzeit
137 Minuten
kinostart
23. März 2006
homepage
bewertung

10 von 10 Augen

 

Deutsche Demokratische Republik, Mitte der 80er Jahre. Der effiziente und zuverlässige Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler (Ulrich Mühe) erhält von seinem Vorgesetzen (Ulrich Tukur) den Auftrag zur Überwachung des Theaterautors Georg Dreymann (Sebastian Koch). Der hegt zwar eigentlich keinerlei republikfeindliche Pläne, ist aber dem zuständigen Minister ein Dorn im Auge. Grund dafür ist die attraktive Schauspielerin Christa-Maria Seeland (Martina Gedeck), Dreymanns Lebensgefährtin, gleichzeitig aber auch Geliebte des Ministers, der sie lieber für sich allein hätte und dem Dramatiker daher gern etwas anhängen würde. Dessen Wohnung wird verwanzt und Wiesler nimmt pflichtbewusst und emotionslos seine Arbeit auf. Als er dahinter kommt, worum es bei dieser Aktion wirklich geht, ist er zwar nicht begeistert, reagiert aber zunächst nicht weiter darauf.
Doch der heimliche Zeuge der intimsten Gespräche des nicht ganz glücklichen Paares beginnt schließlich selbst Einfluss auf die Geschehnisse zu nehmen, indem er Dreymann Informationen zuspielt. Er gewinnt einen tiefen Einblick in das Leben der von ihm bisher eher verachteten Intellektuellen, und Stück für Stück wird ihm dabei die Armseligkeit seiner eigenen Existenz bewusst. Eines Tages sitzt die Spitzenkraft der Staatssicherheit dann in ihrer kargen Plattenbauwohnung und liest zum ersten Mal in seinem Leben ein Buch von Bertolt Brecht, welches er aus der Wohnung seines Überwachungsobjektes entwendet hat. Als sich die Ereignisse zuspitzen, ist plötzlich gar nicht mehr sicher, auf wessen Seite Wiesler eigentlich steht.

Noch ein Film über das Leben in der DDR? Ja, noch einer, oder besser: Eigentlich der Erste. Denn mehr als fünfzehn Jahre nachdem dieser Staat aufgehört hat zu existieren, gibt es endlich eine Kinoproduktion, die einen überzeugenden und vor allem realistischen Blick auf das komplexe "System DDR" wirft und dabei weit entfernt ist von der bisher auf unseren Leinwänden überwiegenden nostalgischen Verklärung und Verharmlosung dieser Zeit. Das er trotz seines ernsthaften Anliegens aber nicht einfach den moralischen und besserwisserischen Zeigefinger hebt, sondern beim Zuschauer tiefstes Verständnis für nahezu alle agierenden Charaktere weckt, das ist die große Leistung dieses Films.

Florian Henckel von Donnersmarck. Ein Name wie ein Donnerhall, und genauso kommt er plötzlich über uns, dieser Jungregisseur mit seinem beeindruckenden Spielfilmdebüt. Das hat er in acht Jahren Arbeit recherchiert, geschrieben und schließlich auch selbst inszeniert. Und das hört sich dann nicht nur nach einer großen Portion "Herzblut" an, genau die spürt man auch in jeder Szene. Dieses Drehbuch ist großartig, es erzählt eine wundervoll komponierte Geschichte, gibt allen seinen Figuren Raum zur Entfaltung und Entwicklung - kein Wunder also, dass der Debütant recht mühelos eine Reihe namhafter Darsteller für sein Projekt begeistern konnte.
Gelang es überhaupt schon einmal jemanden, seine Hauptfigur zuerst als zutiefst verabscheuungswürdiges Arschloch darzustellen und diese sich dann tatsächlich derart glaubhaft und überzeugend verändern zu lassen? Wenn Wiesler zu Beginn brutal einen Verdächtigen verhört, anschließend dem Stasi-Nachwuchs die Genialität seiner Methoden anpreist und jeden kritischen Nachfrager sofort notiert, mag man es sich wirklich nicht vorstellen, dass man gut zwei Stunden später diesem Hassobjekt die Daumen für ein kleines Stückchen Glück drückt. Ulrich Mühe gibt eine beeindruckende Vorstellung als zunächst asketisch emotionsloses Rädchen im Stasi-Getriebe, welches langsam entdeckt, dass es da noch etwas Anderes gibt und schließlich auch einen neuen Weg findet. Das Bild seiner Figur mit dem aufgesetzten Kopfhörer prägt sowohl die Plakatwände als auch diesen Film, und man wird es nicht so schnell vergessen.
Mühes Charakter dominiert zwar die Geschichte, erdrückt die weiteren Akteure aber keineswegs. Der Blick in die Welt der engagierten Künstler, die ihr Land nicht hassen, aber trotzdem auch nicht völlig unkritisch sein wollen, und die mit den Gängelungen von oben unterschiedlich gut zurecht kommen, ist interessant und neu. Selbst die Führungsebene erscheint hier nicht allzu eindimensional: Wieslers Vorgesetzter Grubitz möchte halt Karriere machen, geht dabei so hart vor wie eben nötig, macht aber auch gern mal einen Honecker-Witz. Lediglich die Figur des rücksichtslos seine Macht ausspielenden Ministers Hempf wirkt dann doch ein wenig klischeehaft. Sie macht andererseits aber auch schön deutlich, dass für den Einsatz des Überwachungsapparates der Staatssicherheit oft wohl weniger politische, als vielmehr rein persönliche Aversionen gegen unliebsame Mitmenschen ausschlaggebend waren.

So wird sie wohl wirklich gewesen sein, die Realität des sozial existierenden Sozialismus nach DDR-Prägung. Der Kampf um ein paar persönliche Freiheiten bei allgegenwärtiger Einschüchterung, das Streben nach ein bisschen persönlichem Glück in einer ziemlich grauen und trüben Zeit, die hier dank detaillierter und akkurater Ausstattung überzeugend vermittelt wird. Diese Atmosphäre haben natürlich auch schon Publikumserfolge wie "Goodbye Lenin" oder "Sonnenallee" eingefangen, doch im Vergleich zu diesem Film war das alles nur leidlich nette und harmlose Unterhaltung.
"Das Leben der Anderen" ist viel mehr. Unterhaltsam und humorvoll zweifellos auch, so man denn zumindest ein bisschen Geduld mitbringt und sich fürs Thema interessiert. Aber noch viel mehr als das, nämlich in vielen Szenen spannend wie die besten Thriller, aufschlussreich und bewegend. Ein paar bayerische Filmpreise konnte "Das Leben der Anderen" bereits abräumen, dass er jedoch nicht im Wettbewerb der Berlinale lief, erscheint sehr unverständlich und war sicher ein großes Versäumnis. Aber bereits jetzt wird vielerorts die Forderung laut, ihn flächendeckend im Schulunterricht einzusetzen, was begrüßenswert ist, auch wenn das zum Anschauen genötigte jugendliche Publikum sicher zunächst nicht allzu motiviert sein wird. Aber diesem Film könnte es durchaus gelingen, auch dieses Publikum zu überzeugen.
Schließlich schafft es dieser aus dem Nichts aufgetauchte Autor und Regisseur sogar noch, seinem unglaublich ausgereiften und intelligenten Werk ein perfektes Ende zu verpassen; eine Aufgabe, an der schon ganz Andere gescheitert sind. Nicht so von Donnersmarck, der offensichtlich auch noch die Fähigkeit besitzt, sein Publikum mit einem finalen Kloß im Hals nach Hause zu entlassen. Das Tüpfelchen auf dem "i" und der letzte Schritt zur Höchstwertung für "Das Leben der Anderen".

Volker Robrahn

10

Na, ihr Kinokenner mit Einpunktebewertungen und pro 7 Vorfilmkommentar!
Was sagt Ihr denn zum Oscar?

1

dem film gelingt es in keinster weise, auch nur annähernd DDR-atmospäre einzufangen. auf mich wirkte es extrem aufgesetzt und bemüht. was mich besonders stört, ist der versuch, aus den biederen, trotteligen stasi-typen weltmännische, durchtriebene agenten à la CIA machen. funktioniert nicht und führt zur oben beschriebenen unauthenzität. es gibt genug zeitgenossen, die söhnchen von donnersmarck hätten beraten könne, aber ichg laube, der hat von anfang an nur nach dem oskar geschielt und dazu eignet sich natürlich hervorrragend dieses thema. der film ist genauso scheiße wie goodybye lenin. DDR als staffage. einfach nur zum k....

7

guter film, wobei mir als "aussenstehender" GOOD BYE LEININ deutlich besser gefällt.
das leben der anderen ist gut gemacht, aber teilweise etwas elitär-schlüpferig (dass politiker frauen nachspannen, dürfte wohl mit der DDR nichts zu tun haben....)
aber wenn ihr weiter nett seit, braucht es diese filme gar nicht mehr, hehehehe
gruss

10

Der Film ist eine Offenbarung! Ich habe das Gefühl, dass einige Miesmacher sich wohl noch nicht wirklich mit den harten Fakten der Stasimethoden auseinandersetzen wollen! Hat auch etwas mit emotionaler Intelligenz zu tun, dass man sich der Wahrheit stellt! Warum soll denn ein 'Wessi' nicht in der Lage sein, die Dinge beim Namen zu nennen? Vielleicht gelingt das einer 'Ossi' Produktion ja immer noch nicht... schade eigentlich! Und die fetten Oberstasis leben ja auch heute noch recht gut, während die Wieslers wohl tatsächlich von Hartz 4 leben müssen!

7

ich hab den film im Politikuntericht gesehen.
Der film ist eigentlich ganz okay. muss morgen ne arbeit drüber schreiben.
ich finde die schauspieler versetzen sich gut in die rolle der jeweiligen personnen.
Was habt ihr alle gegen den film.

1

viel zu lange und wirkt aufgesetzt!

10

der film ist echt klasse

9

Meiner Meinung nach ein sehr guter deutsch Film.
Zu den Leuten die nur 1 oder 2 Augen geben kann ich nur sagen: ihr habt keine ahnung. und die, die sagen die DDR sei nicht gut, realistisch dargestellt worden, die trauern sicher der DDR noch hinterher, und wollen nicht das die DDR als ein kontroll fanatisches land dargestellt wird.

9

Wer immer noch behauptet, die Deutschen könnten keine Filme machen, dürfte nun endgültig eines Besseren belehrt worden sein.

Gehört in den Gesellschaftskunde-Unterricht, an jede Schule - ebenso wie Schindlers Liste...

Ich kenne leider zu viele die in Ostalgie verfallen und höre zu viele Sprüche wie "Es war nicht alles schlecht" usw. Alle die inzwischen vergessen haben oder es noch nicht wusste wie "toll" die Stasi und das Drumherum funktionierte, sollten diesen Film verordnet bekommen. Mich schauderts wenn ich daran denke, dass ein Bekannter von mir genau diese Stasibehandlung selber erleiden musste. Und er wusste bis zum Film nicht, warum er die Hände (mit Handflächen nach unten) unter seine Schenkel tun sollte.

Genauso ein therapeutischen Filmzwang sollten diese braunen Deppen verordnet bekommen, mit Schindlers Liste. Und danach sollte die sich mal mit diesem SS-Mann Amon Göth intensiv beschäftigen um zu merken, dass der Film noch nicht mal die komplette Perversität dieses Menschen gezeigt hat.

Ich bin selbst im Westen

9

Ich bin selbst im Westen aufgewachsen, aber war 3 mal vor der entgültigen Wende drüben und finde dass dies m.E. der einzige Film ist in dem die Atmosphäre halbwegs stimmt.
Goodbye Lenin ist dagegen ja wohl totaler Vollkitsch!

Das einzige was mich in Punkto Autentizität gestört hat war die Rolle von Ulrich Tukur - ich kann mir einen auf diese Weise schmierigen Typen ehrlichgesagt da drüben nicht vorstellen.

Natürlich sind die Szenen alle recht intim/klein gehalten, die echte DDR war ja voller Menschen und bestand nicht nur aus 5-6 Personen wie es in diesem Film aussieht :)

Bis auf weiteres ist dies trotzdem der Film der die Situation in der DDR am Besten trifft.

Für mich ist dieser Film

10

Für mich ist dieser Film sowohl emotional, als auch in Bezug auf die "Moral" und die historische Genauigkeit sowie die Requisiten und die Darsteller hervorragend.
Ich fühlte mich in die Zeit zurückversetzt (auch wenn ich nur als Kind zwei Mal in der DDR war).
Ein Film für den Kopf und für das Herz, ohne zu "moralin" zu wirken oder auf eine unsachliche Art und Weise mit der DDR-Diktatur abzurechnen. Sicherlich einer der besten zehn Filme des 2000er-Jahrzehnts.

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