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Sieben

Sieben
krimi-thriller , usa 1995
original
seven
regie
david fincher
drehbuch
andrew kevin walker
cast
brad pitt,
morgan freeman,
gwyneth paltrow,
kevin spacey, u.a.
spielzeit
124 Minuten
kinostart
homepage
Anmerkung: Dieser Text enthält Spoiler, ohne die eine adäquate Analyse des Films nicht möglich wäre. Der Autor des Textes geht davon aus, dass die entsprechenden Einzelheiten dem Leser bekannt sind.

Der stilistische Einfluss David Finchers auf den Thriller Hollywoods ist mittlerweile so sehr ausgeprägt, dass es schwer fällt, sich an die Zeit vor dessen patentierter Düsteroptik zu erinnern. Auch Serienkiller gab es natürlich schon vorher als cineastisches Thema - es sei hier nur kurz an den Gold-Kollegen "Das Schweigen der Lämmer" erinnert - aber selten bis nie gingen Thema und Stil so kongenial Hand in Hand wie hier. Denn der abgrundtief düstere Inhalt von "Sieben" wird brillant in den konsequent düsteren Bildern widergespiegelt.
Eine derart dunkle, bedrohliche und ungemütliche Großstadt wie der ungenannte Handlungsort, in dem es offenbar durchgehend regnet, sieht man sonst nirgendwo. Nicht mal die ebenfalls brillant umgesetzten Regenmoloche in "Blade Runner" und "The Crow" sind so bedrückend wie der hier umwerfend umgesetzte Sündenpfuhl Großstadt, dem der religiös motivierte Killer nach dem Motiv der sieben Todsünden eine Lektion erteilen will. Selbst eigentlich positive Orte, wie das Café, in dem sich Sommerset mit Mills' Frau trifft, werden durch Design zu dunklen, bedrohlichen Plätzen. Perfide dabei, wie die Reise in Licht und Sonne am Ende des Films einhergeht mit der Reise in die Dunkelheit der Seele für eine der Hauptfiguren. "Sieben" ist voll von solchen Momenten, in denen sich Inhalt und Form konsequent ergänzen und sich in ihrem Wechselspiel gegenseitig neue Sinnzusammenhänge geben.

Nun ist es so, dass David Fincher ein von seinem Drehbuch-Material abhängiger Regisseur ist, der visuell zwar eine Klasse für sich ist, dessen Filme insgesamt aber nur so gut sind wie ihr Skript. Wenn das Drehbuch nur durchschnittlich ist, macht Fincher daraus immer noch elegantes, durchstilisiertes Spannungskino ("Alien 3", "The Game", "Panic Room"), aber wenn das Drehbuch selbst hervorragend ist, macht er daraus moderne Klassiker wie "Fight Club" oder eben diesen Film hier.
Denn Andrew Kevin Walkers Skript ist perfekt aufgebaut, verfügt über präzise gezeichnete Charaktere und wahrhaft brillante Storyaspekte. Allein Motivation und Vorgehen des Killers sind so gut durchdacht, dass sie von Fincher mit Wonne in einige der unglaublichsten, düstersten und perversesten set pieces der Filmgeschichte umgesetzt werden. Dabei verzichtet er auf Gore oder übertriebene Explizität und setzt voll auf die Kreativität des Zuschauers, der die Details nur vor seinem inneren Auge abspielt. Wodurch die Mordtaten freilich noch schlimmer werden, als er sie je hätte filmen können. Wer zart besaitet ist, der macht sich besser nicht in die Abgründe auf, in die "Sieben" seine Zuschauer lockt.

All das nützt natürlich nichts ohne Darsteller, die das vorgegebene Niveau halten. Das betrifft vor allem das zentrale Ermittlerduo, das dem perfiden Killer das Handwerk legen will. Brad Pitt als der ehrgeizige David Mills, der seiner Frau (exzellenter Support: Gwyneth Paltrow) nicht genug Aufmerksamkeit schenkt und dem älteren, weiseren Sommerset nicht genug Gehör, geht in Ordnung (bisweilen wirken seine Wutausbrüche ein wenig zu studiert), aber Herz und Hirn des Films ist Morgan Freeman als der alte Cop, der es wider Optimismus und Glaube an das Gute im Menschen besser weiß und trotzdem weiter macht. Einen besseren Schauspieler hätte man für diese Rolle nicht finden können, denn Freemans schweigende Autorität und die dem Thema angemessene, fast testamentarische Gravitas, die er seiner Figur verpasst, lassen seine Leistung hier vielleicht sogar als Höhepunkt einer an großen Leistungen nicht gerade armen Filmographie erscheinen.
Dazu kommt natürlich noch die Darstellung von John Doe selbst, der erst spät enthüllt wird, aber von dem Moment an jedes Stück Zelluloid beherrscht und überschattet. Kevin Spacey gibt hier ähnlich wie Freeman eine der besten Darstellungen seiner Karriere. Sein religiös verblendeter, aber hochintelligenter Serienmörder ist einer der furchteinflössendsten Leinwandpsychopathen überhaupt, weil er eben nicht dem Klischee des verrückten Killers entspricht, sondern in seiner zwingenden (wenn auch verdrehten) Logik, mit kühler Rationalität und eiserner Disziplin wesentlich erschreckender ist als jeder Kettensägen schwingende Hüne. Die Art, wie seine Figur den Zuschauer gleichzeitig abstößt und fasziniert, fasst im Kleinen auch die Seherfahrung von "Sieben" als Ganzes zusammen. Es ist alles schrecklich, aber man kann seine Augen trotzdem nicht abwenden.

Wahre Größe erreicht ein Film letztlich auch dadurch, wie gut er beim mehrmaligen Anschauen noch dasteht. Gerade im Thriller-Genre ist dies eine besondere Herausforderung, denn gelöste Rätsel und Mörder-Entlarvungen fallen beim wiederholten Sehen als Spannungseffekte weg. Auch deswegen ist "Sieben" eine Rarität unter den Thrillern - ein Film, der auch beim mehrmaligen Sehen nicht nur kein einziges bisschen Faszination verliert, sondern sogar noch besser wird. Denn wenn erst mal die Plotdetails aus dem Weg sind, ist der Blick frei für die ganzen Kleinigkeiten, die einem beim ersten Schauen noch entgangen sind.
"Sieben" ist einer der an brillanten Details reichsten Filme, bei dem auch die kleinste Szene noch soviel Gehalt hat wie manch anderer Film nicht mal in zwei Stunden aufbringen kann. Etwa die kurze Szene, in der Mills mit seinen Hunden spielt und seine Frau Tracy Sommerset erzählt, er wäre bei ihrer ersten Begegnung der witzigste Mann gewesen, den sie je gesehen habe. Text und Subtext ergeben hier eine einträchtige Mischung, wie überhaupt keine einzige Szene verschenkt oder ‚nur so' da ist. Die brillante Arbeit im Schneideraum, die nicht nur für die klassische, in den Folgejahren zu Tode kopierte Titelsequenz verantwortlich ist, macht "Sieben" zu einem Prachtstück erzählerischer Disziplin und Kohärenz.

Und dann ist da natürlich noch das mittlerweile ebenfalls klassische Ende, das sich in eine Reihe stellt mit legendären Schlusswendungen wie etwa jener aus den "Üblichen Verdächtigen". Doch statt nur einen überraschenden Haken zu schlagen, begeistert "Sieben" mit einem moralisch ambivalenten Ende, wie es Hollywood-Mainstream so gut wie nie produziert. Besonders teuflisch dabei, wie der Zuschauer zum Komplizen gemacht wird, der vom Hirn her nicht will, dass John Doe durch Erfüllung seines Werks gewinnt, und vom Herz her doch voll auf Mills' Seite ist, während er seine Waffe leer schießt. Von diesem konsequent düsteren Ende kann nicht mal Morgan Freemans etwas unpassender Schlussmonolog aus dem Off (der einzige Kompromiss in Richtung "positive Message") ablenken.

Bei der etwas akademisch klingenden Liste von Sachen, die "Sieben" zum Klassiker machen, verliert man eins fast aus den Augen: Der Film ist sauspannend. Design, Subtext, schon klar, ist alles super - aber auch, wer nur einen superspannenden Thriller sehen will, wird nicht enttäuscht. Das dachten sich wohl auch unzählige schwächere Nachahmer, denn nachdem die erste Welle an Serienmörder-Filmen nach dem Überraschungserfolg vom "Schweigen der Lämmer" gerade am Abflauen war, wurden nach "Sieben" alle möglichen Psychopathen auf die Leinwand gezerrt, ohne dass einer von ihnen oder der ihn umgebende Film dem Vorbild auch nur annähernd nahe kam. Finchers düsterer Stil dagegen wurde von jeder Variante des Thrillers aufgenommen und ist fester Teil des Hollywood-Mainstreams geworden. Trotzdem: Vertraut nur dem Original. Denn besser als hier kann man einen Thriller eigentlich nicht umsetzen.

Simon Staake

Aber hallo!!
Ich habe mir den Fim soeben angesehen, finde ihn hervorragend gespielt und auch vom Regisseur in eine düstere kulisse gebracht. Wrrde, wenn es ihn nochmal spielt nochmals ansehen, denn alles kann man gar nicht auf einmal verarbeiten. zum Abschluss. Der Schluss ist einleuchtend, und deshalb ist es perfekt inszeniert.

10

Hey!
Ich habe mir den film gerade angesehen und ich finde ihn echt hammer! leider haben wir einen festplattenspeicher am fernseher und die aufnahme hat kurz vor ende gestoppt als sie zum wagen aussteigen wollten! ( Ich hätte heulen können) und da es leider auch keine wiederholung gibt bin ich gearscht! ich habe in wikipedia das ende erfahren was aber nichtmal annähernd so gut ist wie es wirklich zu sehen! die spannung am ende war für mich unerträglich und als es stoppte war ich ungeheuer entäuscht! ALSO LEUTE! wenn ihr ne festplatte am fernseh habt schaut gute filme verdammmt nochmal an und nehmt sie nicht auf !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

2

der schluss versaut mir fast den ganzen film. das war wie ein schlag ins gesicht. es muss ja nicht unbedingt ein happyend geben, aber das sie stirbt ist einfach ätzend.
evtl. mag das ein gutes zeichen für den film sein, dass er mich entsprechend gefesselt hat, den nur so konnte ich so empfinden.
allerdings nehme ich es pitt übel, sich gegen den willen der produzenten für diesen schluss einzusetzen. ein anderes ende ohne den tod seiner frau hätte dem film meiner meinung nach nicht geschadet.

5

bestenfalls halbgare kost.
freeman ist schon gut, spacey ist sogar fast sehr gut, aber der richtige kick ist das wirklich nicht. pitt ist meiner meinung nach sogar schlecht, er wirkt unecht und übertrieben, paltrow kann man so hinnehmen.
das ganze "drehbuch" und die story wirken äusserst montiert, das ende ist im grunde ein jammer, eine sackgasse, aus der fincher keinen besseren ausgang gefunden hat.
dem film fehlt wirkliches leben, nur immer wieder diese plakative düsternis, welche noch nicht mal gut rüberkommt. aber an manchen stellen kann man schon spüren, was das hätte geben können - wie ein winken nach dem, was das für ein großes werk hätte werden können.

10

Kurz und knapp: DER BESTE PSYCHOTHRILLER ALLER ZEITEN

Ich finde den Film auch packend, aber dennoch überschätzt. Es gibt eine logische Lücke: Der Täter handelt nach seiner eigenen - wenn auch verqueren - moralischen Logik. Die ist selbst unsereinem als Nicht-Psychopathen in gewissen Grenzen nachvollziehbar und innerhalb dieser Grenzen glasklar. Da paßt der Mord an der jungen Frau des Cop nicht, aber auch überhaupt nicht rein. Oder hab ich was übersehen? Was hat die Frau sich denn überhaupt "zuschulden" kommen lassen?

Natürlich hat sich die Frau nichts zuschulden kommen lassen, ist doch klar. Aber da John Does Todsünde Neid ist und er Mills sein "heiles Leben" nicht gönnt, hat er sie umgebracht.

Das ist keine logische Lücke sondern ein absolut geniales Storyelement; hier bezieht sich der Psychopath selbst in "sein Werk" mit ein.

Später Kommentar von mir,

10

Später Kommentar von mir, aber habe gerade noch einmal die super Rezension gelesen:
Dieser Film hat mich lange ,lange nach dem damaligen Kinobesuch "verfolgt" und doch habe ich ihn mir, wenn
er im TV lief, immer wieder angesehen.
M.E. nach ein wirklich brillianter, hochspannender, beunruhigender Film und Morgan Freemans Schauspielkunst fand ich in ihrer lakonischen, ruhigen zurückgenommenen Art wirklich superb.
Ein wirklich großer Film !

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