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World Trade Center

World Trade Center
drama , usa 2006
original
world trade center
regie
oliver stone
drehbuch
andrea berloff
cast
nicolas cage,
maria bello,
maggie gyllenhaal,
michael shannon,
michael pena, u.a.
spielzeit
125 Minuten
kinostart
28. September 2006
homepage
bewertung

7 von 10 Augen

Selten hat ein Film bereits mit seiner Ankündigung derart viele Diskussionen ausgelöst wie Oliver Stones neuestes Werk "World Trade Center". Nach "Flug 93" ist dies bereits der zweite Hollywood-Film im Jahr 2006, der sich mit den Anschlägen vom 11.September beschäftigt, und genau wie sein Vorgänger hatte dieser bereits im Vorfeld mit äußerst kritischen Äußerungen zu kämpfen. Da hieß es unter anderem, ein Film über 9/11 komme schlicht und einfach zu früh, die schrecklichen Bilder der Berichterstattung seien noch zu präsent, als dass man sie jetzt schon mit einem auf Hochglanz polierten Spielfilm nachstellen könne. Und über allem schwebte natürlich die Angst, das Ganze könnte zu einer kitschig patriotischen Hollywood-Schmonzette geraten und somit als Propaganda-Vehikel für George Bushs auch in Amerika äußerst umstrittene Irak-Politik dienen.

Mit exakt jenen Vorurteilen hatte eben auch "Flug 93" zu kämpfen, und obwohl die meisten Kritiker damals nach den ersten Vorführungen zu Recht verstummten, so gab es auch dort weiterhin Stimmen, die dem Film vorwarfen auf subtile Art und Weise anti-islamistisch zu sein. Dies wurde unter anderem damit begründet, dass Regisseur Greengrass den Zuschauer gegen Ende des Films Zeuge werden lässt, wie zahlreiche, sich in Todesangst befindliche Passagiere ihr letztes Vater Unser beten, während die vorne im Cockpit sitzenden Entführer zur selben Zeit Zeilen des Korans zitieren und schließlich das Flugzeug samt Besatzung in den sicheren Tod fliegen. Mit dieser Gegenüberstellung schüre der Film auf filmisch clevere Art und Weise Hass auf Islamisten, hieß es.
Bei genauer Betrachtung grenzt dieser Vorwurf tatsächlich fast schon an eine schlechte Satire. Eine detailgetreue Darstellung des 11.Septembers bringt es faktisch mit sich, dass die Täter Muslime sind und die Opfer nun mal amerikanische Zivilisten. Jenen Punkt dann schließlich zu Rate zu ziehen, um darzulegen, dass der Film anti-islamistisch sei, ist reichlich abwegig, zeigt in seiner Absurdität jedoch eindrucksvoll wie kritisch Amerika in der Öffentlichkeit inzwischen beäugt wird, und auf welches hohe Maß die Abscheu gegen die amerikanische Politik, insbesondere in Europa, inzwischen angewachsen ist.
Tatsächlich ertappt man sich auch bei "World Trade Center" als geneigter Zuschauer dabei, wie man förmlich jede Sekunde des Films auf zu einseitige Darstellung oder überzogenen Patriotismus überprüft und dabei fast schon vergisst, dem Film und vor allem seiner Geschichte eine faire Chance zu geben, sich vorurteilsfrei zu entfalten.

Eben jene Geschichte von "World Trade Center" ist nämlich eine sehr universelle, und auch wenn sie auf dem Schicksal von wahren Personen beruht, so ist sie in ihrer Grundaussage nicht zwangsläufig an die Ereignisse vom 11.September gebunden. Der Film erzählt von den New Yorker Polizisten John McLoughlin (Nicolas Cage) und William Jimeno (Michael Pena), zwei der letzten Überlebenden, die aus den Trümmern des World Trade Centers gerettet wurden. Nach dem Einschlag des ersten Flugzeugs wurden sie zusammen mit ihrer Einheit in die Einkaufs-Ebene unter den Türmen geschickt, um eine Evakuierung durchzuführen, als schließlich das Unfassbare geschieht. Der erste Tower des World Trade Centers bricht zusammen und begräbt das Rettungsteam unter Tonnen von Stahl, Glas und Beton. Innerhalb von Sekunden werden die Retter zu Opfern, und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Während draußen die Angehörigen versuchen noch einen letzten Funken Hoffnung zu bewahren, läuft in den Trümmern von Ground Zero eine beispiellose Rettungsaktion.

"World Trade Center" ist in allererster Linie ein Film über den Mut und Willen zum Überleben. Konsequenterweise hält man sich hier auch nicht lange mit einer großen Einleitung auf. Bereits nach wenigen Minuten schlägt das erste Flugzeug in den Tower ein, und der Film ist noch keine halbe Stunde alt, als das Rettungsteam beim Versuch einer Evakuierung verschüttet wird. Ab diesem Punkt wechselt man als Zuschauer zwischen den unter den Trümmern lebendig begrabenen Polizisten sowie deren Familien und Angehörigen hin und her.
Letztere verfolgen die schrecklichen Ereignisse in den Nachrichten und warten derweil darauf, auch nur irgendein Lebenszeichen von ihren Liebsten zu erhalten. Zusätzlich hierzu verwendet Oliver Stone Rückblenden, um dem Zuschauer das Leben der beiden Polizisten und deren Familien näher zu bringen. Der Fokus des Films liegt hier also eindeutig nicht auf den Anschlägen an sich, geschweige denn auf deren Hintergründen, sondern vielmehr und einzig auf dem Überlebenskampf der beiden Verschütteten und dem gleichzeitigen Versuch der Rettungskräfte, diese unter Einsatz Ihres eigenen Lebens zu befreien. "World Trade Center" zeigt wahrhaftig nichts anderes als eine existentielle Geschichte über Hoffnung, Selbstlosigkeit und unbändigen Überlebenswillen. Gleichzeitig wird das alles von Stone derart geradlinig und konventionell inszeniert, dass man über weite Strecken kaum glauben kann, dass eben dieser Regisseur für den Film verantwortlich zeichnet.

Der als links-liberal geltende Stone hat mit zahlreichen seiner Filme wie "JFK", "Geboren am 4.Juli" oder "Platoon" schon in der Vergangenheit für so manches Aufsehen gesorgt und nicht gerade selten die Politik von George W. Bush sowie dessen Vorgängern in der Öffentlichkeit massiv kritisiert. So wurden im Vorfeld des Films sogar einzelne Stimmen laut, Stone sei nicht patriotisch genug für dieses Projekt und das Ganze könnte zu einer großen Verschwörungstheorie im Stil von "JFK" ausarten.
Schaut man sich nun das fertige Produkt an, kann man nur sagen, dass diese Sorgen tatsächlich mehr als unbegründet waren. "World Trade Center" ist wahrscheinlich einer der unpolitischsten Filme, die Oliver Stone jemals gemacht hat. Und beachtet man um welches Thema es sich hier handelt, dann ist allein diese Tatsache wiederum sehr bemerkenswert und ungewöhnlich, insgesamt aber sicherlich keine schlechte Entscheidung von Seiten des Regisseurs.
Hinzu kommt, dass Stone mit Nicolas Cage und Michael Pena ("L.A. Crash") zwei wirklich hervorragende Schauspieler verpflichten konnte. Beide standen vor der großen Herausforderung, sämtliche Emotionen ausschließlich über Gesichtsmimik und Stimme darstellen zu müssen, da sie über die längste Zeit des Films unter den Trümmern begraben sind und sich nicht bewegen können. Wie zu erwarten zeigt Cage hier eine große Leistung, aber auch sein junger Kollege Pena steht ihm in absolut Nichts nach und kann getrost als die große positive Überraschung des Films verbucht werden. Als Ehefrauen zeigen Maggie Gyllenhaal ("Donnie Darko") und die ohnehin immer bezaubernde Maria Bello ("A History of Violence") ebenfalls ansprechende Leistungen, so dass es in diesem Bereich nichts zu beanstanden gibt.

Die Gründe, warum "World Trade Center" dann allerdings doch nicht auf ganzer Linie funktioniert, sind ziemlich vielfältig. Da wäre zum einen das Drehbuch von Andrea Berloff, das man insgesamt zwar loben muss, aber dennoch einige Schwachstellen aufweist. Das Schlüsselwort lautet Dramatisierung, und Berloff macht den Fehler, dass sie eben genau diese zu häufig bemüht. Beispiele hierfür gibt es mehrere, z.B. den Ex-Marine Dave Karnes, der - im übrigen hervorragend verkörpert von Michael Shannon - nach Betrachtung der schrecklichen Bilder im Fernsehen beschließt, seine alte Uniform wieder herauszuholen und sich zu Ground Zero zu begeben, um dort nach Überlebenden zu suchen. Er war es dann auch, der McLoughlin und Jimeno unter den Trümmern entdeckte, und steht hier repräsentativ für die vielen Amerikaner, die nach den Anschlägen den Drang verspürten, einen Beitrag für ihr Land leisten zu müssen, so wie es schließlich auch der echte Dave Karnes getan hat. Er kehrte nach dem 11.September zu den Marines zurück und leistete zwei Jahre Dienst im Irak.
Ihn als zentrales Element in die Geschichte einzubauen war sicherlich keine schlechte Idee, in der Umsetzung wirkt das Ganze dann aber doch einen Tick zu konstruiert und formelhaft. Hinzu kommt, dass Berloffs Drehbuch vor allem gegen Ende immer häufiger die Tendenz besitzt, ein wenig in Richtung Kitsch abzudriften. Die essentielle Aussage des Films bekommt man dann schließlich kurz vor Schluss auch noch einmal wortwörtlich auf dem Silbertablett serviert. Ein wenig mehr Zurückhaltung und ein eher dokumentarischer Ansatz hätte dem Film hier wirklich gut getan und ihm viel an Glaubwürdigkeit zurückgegeben.
Tatsächlich ist Berloff allerdings nicht die einzige, die sich diesen Vorwurf gefallen lassen muss, denn ähnliches gilt auch für die Regie von Oliver Stone. Dieser hat die zugegebenermaßen ungemein schwere Aufgabe, vor allem in den ersten 30 Minuten des Films das Chaos an den Türmen des World Trade Centers einzufangen, und ganz ohne Abstriche gelingt ihm das leider nicht. Dabei macht er Fehler, die man so eigentlich nicht von ihm erwartet hätte - er überinszeniert. Bei der Ankunft des Rettungsteams um Sergeant McLoughlin an den Türmen benutzt Stone teils digitalisierte Bilder vom brennenden World Trade Center aus spektakulären Kameraperspektiven, er schneidet Großaufnahmen der schockierten Polizisten mit Großaufnahmen von springenden Menschen aus den Türmen gegen, er benutzt phasenweise Zeitlupen, doch gleichzeitig verfügt er nicht über die Anzahl von Statisten und Sets, um das Chaos dieses Tages angemessen zu vermitteln.
So hat man auch hier wieder das Gefühl, eine inszenierte Dramatisierung der Ereignisse zu sehen, und eben eine solche kann niemals die Wirkung entfalten wie die realen Nachrichtenbilder, die wir alle noch von diesem schrecklichen Tag in Erinnerung haben. Vor dem gleichen Problem stand auch "Flug 93". Paul Greengrass umging es, indem er es zur größten Stärke seines Films machte: Er tarnte sein Werk stilistisch und durch den Einsatz von realen Personen als Dokumentation und gab dem Zuschauer so jederzeit das Gefühl, live an Bord der Maschine und in den Flughafenzentralen dabei zu sein. Sein Inszenierungsstil war unsichtbar, und nur auf diese Weise konnte er eine maximale Wirkung auf den Zuschauer erzielen. Dieses Kunststück gelingt "World Trade Center" leider nicht, was den Film definitiv schwächt.

Trotz der besprochenen Kritikpunkte ist "World Trade Center" ein hervorragend gemachter Film mit guten bis exzellenten Leistungen aller Beteiligten. In seiner erschütternden Wirkung bleibt er allerdings deutlich hinter Greengrass' kleinem Meisterwerk "Flug 93" zurück, so dass sich angesichts der ganzen Diskussionen im Vorfeld dann doch ein klein wenig die Phrase "Viel Wirbel um Nichts" aufdrängen mag.
Zur Verteidigung von Stones Film muss man sagen, dass er gar nicht solch ein Schlag in die Magengrube sein will wie der themenverwandte Vorgänger. "World Trade Center" versteht sich als eine Ode an Überlebenswillen und Mitmenschlichkeit, als ein Appell, niemals die Hoffnung zu verlieren, und vor allem als ein Tribut an jene Menschen, die an diesem Tag alles in ihrer Macht Stehende getan haben, um unter Einsatz Ihres eigenen Lebens das von Anderen zu retten. Dies ist dem Film sicherlich gelungen. Ein Meisterwerk ist er dabei aber nicht geworden. Schade, denn eben ein solches wäre den tapferen Polizisten und Feuerwehrmännern vom 11.September 2001 als Würdigung sicher zu wünschen gewesen.

Johannes Miesen

7

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten:

Der Film ist unheimlich dramatisch mit viel Emotionen, aber für meinen Geschmack hätte es ruhig noch mehr an Melancholie sein können.
Ich war, wie wahrscheinlich viele Kinobesucher, etwas enttäuscht über diesen Film. Die Handlung und die Aufmachung des Streifens waren erste Klasse - die Umsetzung leider weniger gut.

9

der film war der geilste den ich über das world trade center gesehen habe in ausnahme von nine eleven

6

Die Story war ja im großen und ganzen ganz in Ordnung. Doch ich hätte mir auch viel mehr Dramatik versprochen. Was mir auch gefehlt hat, war die ganze Hektik an diesem Tag. Man hatte das Gefühl als ob keinem so richtig bewusst ist was da gerade passiert ist. Acuh den Marine fand ich sehr übertrieben und lächerlisch.
Was positiv ist, ist die schauspielerische Leistung von Cage und Pena.
Ich habe schon, eh ich den Film mir angschaut habe, keine großen Hoffungen in den Film gesetzt. Daher war meine Entäuschung auch nicht so groß.

10

Ich habe noch nie so einen guten film gesehen.Aber was vergessen wird,sind die Opfer.An die sollte mann denken und nicht an die Schauspieler.Es sind nur Schauspieler,keine opfer und angehörige.

10

Also ich fande den Film sehr gut, er hat vorallem die vielen Emotionen der Mensch am 11. September gezeigt!

Bibelbullshit

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