Ansehen/Wiedersehen

Hier bündeln wir alle Texte, die sich nicht um aktuelle Filme drehen. Wie der Name schon sagt: Dinge, die wir uns selbst gerade ansehen, oder Streifen, die wir gerade wiederentdeckt haben.
Schon die erste Szene ist legendär: Eine Haustür wird geöffnet, und eine Frau tritt hinaus auf ihre Veranda, mitten im sandigen Nirgendwo von Texas. Man braucht einen Moment, um mit ihr die Gestalt zu bemerken, die sich in der Ferne aus der Prärie herauslöst.
Es ist eine der ehrlichsten Szenen im an ehrlichen Gefühlen traurig armen Subgenre der Teenie-Lovestory, die alles zusammenfasst, was "Say anything" zu einem durch und durch außergewöhnlichen Film macht: Lloyd Dobler steht vor dem Haus seiner großen Liebe Diane Court, die aus ihm unerfindlichen Gründen mit ihm Schluss gemacht hat, und hält wortlos seinen Ghetto Blaster in die Höhe, aus dem Peter Gabriels "In your eyes" erklingt.
"Ihr wollt doch nur meinen Körper!" Diesem uralten weiblichen Aufschrei - mal tragisch voller Entsetzen, mal nur kokett in gespielter Empörung hingehaucht - kann sich Rosemary Woodhouse (Mia Farrow), junge Gattin des (noch) erfolglosen Schauspielers Guy Woodhouse (John Cassavetes), im Verlauf ihres ersten Jahres im neuen Heim nur vorbehaltlos anschließen.
Kult as Kult can: Wohl kein Film der Welt wird von einer derart enthusiastischen Fangemeinde so frenetisch und standhaft gefeiert wie die "Rocky Horror Picture Show".
1992 machte auf dem Sundance Festival ein Film Furore, der nicht nur die Ankunft eines neuen Regiewunderkindes versprach, sondern für sich selbst genommen das Kino der 90er entscheidend prägte. Dieser Film war "Reservoir Dogs". Geschrieben und in Szene gesetzt von einem film geek mit Hang zur Ordinärsprache, der früher in der Videothek arbeitete.
Am 03. August 2017 erfährt "Die Reifeprüfung" anlässlich des 50. Geburtstags des Films eine Wiederaufführung in den deutschen Kinos, in einer eigens zu diesem Anlass neu restaurierten Fassung mit komplett überarbeitetem Bild und Ton. Einer der größten Klassiker der Filmgeschichte kann damit nun visuell aufgefrischt in 4K-Auflösung und in neu abgemischtem, glasklarem Ton noch einmal auf der großen Leinwand genossen werden.
Dass man es hier mit einem Film zu tun hat, der nicht wie jeder andere ist, ist spätestens beim Vorspann klar. Der läuft nämlich einfach rückwärts ab. Und so ist dem Zuschauer der erste Hinweis schon gegeben: Hier stimmt etwas nicht.
Wo fängt man bei Lob für Alfred Hitchcock an? Das Gesamtwerk des britischen Meisters des Spannungsaufbaus ist qualitativ so beeindruckend, dass man schon in Schwierigkeiten kommt, vorerst nur einen Klassiker aus seiner an Klassikern reichen Filmographie herauszusuchen.
"Paris, Texas" - der Film, der dem deutschen Autorenfilmer Wim Wenders die Goldene Palme bei den Filmfestspielen in Cannes einbrachte und ihn endgültig als Regisseur von internationalem Rang etablierte - beginnt mit einem der klassischsten Motive des Westerns: Aus der unendlichen Weite der zerklüfteten texanischen Wüste kristallisiert sich ein einsamer Wanderer, der zurückkehrt in die Zivilisation.
Satiren haben es nicht leicht, von bleibender Relevanz zu sein. Widmen sie sich doch zumeist aktuellen Phänomenen ihrer Zeit, die spätestens mit den in groben Fünf-Jahres-Zyklen ablaufenden Trendwenden unserer Welt viel von ihrer Gültigkeit verloren haben.
"Nanuk der Eskimo", allein der Titel dieses Meisterwerks wird bei den meisten eher Schmunzeln als Ehrfurcht hervorrufen. Es handelt sich aber keinesfalls um eine Ergänzung der "Kleiner Eisbär"-Filme, sondern um den ersten als solchen bezeichneten Dokumentarfilm der Geschichte.
Als 1968 etwas außerhalb von Pittsburgh der junge George A. Romero mit Bekannten und Investoren als Schauspieler seinen Ultra-low budget-Film "The Flesh-Eaters" drehte, war keinem der Beteiligten klar, was Romeros Werk lostrat. Umbenannt in "Night of the Living Dead" (der ursprünglich geplante Name war glücklicherweise schon vergeben), ist dieser Schwarz-Weiß-Alptraum der Gral des modernen Horrorfilms.
Man sagt, was den Urlaub angehe, gebe es grundsätzlich nur zwei Arten von Menschen: Die einen fahren immer wieder in die Berge oder irgendwohin, wo sie ihre sportlichen Ambitionen beim Wandern, Bergsteigen, Klettern, Elefantenreiten, Rucksacktrampen, Marathonshopping oder mit tagelangen Busfahrten durch den Dschungel befriedigen können; die anderen zieht es Jahr ums Jahr ans oder aufs Meer, weil sie nur dort (sofern sie nicht zwei Wochen in der prallen Sonne durchbraten wollen) jene Weite finden, ohne die sie auf Dauer glauben, nur schlecht oder kaum leben zu können.
Fritz Langs "Metropolis" gehört unbestritten zu den wichtigsten Werken der Filmgeschichte. Sein Einfluss auf Komposition, Bildsprache und vor allem Spezialeffekte kann kaum hoch genug angesetzt werden. Gerade im SciFi-Genre ist es so gut wie unmöglich, ein urbanes Zukunftsszenario gigantischer Wolkenkratzer zu entwerfen, ohne dabei "Metropolis" zu zitieren.
Man kann sicher nicht behaupten, dass Dziga Vertov nicht ambitioniert war. Vielleicht sogar zu ambitioniert, selbst für seine Zeit und sein Land. Vertov gehört zu der Generation russischer Filmemacher, die in den Jahren nach der Oktoberrevolution 1917 das Medium als Propagandainstrument nutzten und dabei die Möglichkeiten und Grammatik des Kinos soweit verfeinerten und weiterentwickelten.
"Der letzte Kaiser" ist ein großer Film, vielleicht einer der größten, die das Kino je hervorgebracht hat - und hier ist mit groß wirklich Größe gemeint, nicht Qualität. Obwohl er natürlich auch einer der besten Filme aller Zeiten ist, sonst wäre er nicht in dieser Rubrik. Bernardo Bertolucci und sein wahre Wunder wirkender Produzent Jeremy Thomas erschufen mit diesem monumentalen Historienepos ein Werk von beispielloser Dimension, das in seiner visionären Breite weit mehr erzählt als "nur" die Geschichte eines Mannes.
Kaum einen Film verbindet man so eng mit der Idee des bildgewaltigen Epos, das nur auf der großen Leinwand seine wahre Kraft entfalten kann, wie David Leans 218-minütiges Meisterwerk über das aufregende Leben des berühmten britischen Offiziers Thomas Edward Lawrence. ​
Mit der ersten Szene denkt man direkt, man sei mit Martin Scorsese wieder zurück in dessen mean streets. Da sieht man einen leicht abgewrackten Typen mit wildem Bart, Haar und Zuhälterhut beim Billardspielen.
Als am Weihnachtswochenende 1997 James Camerons "Titanic" in den USA anlief, setzte sich eine Lawine in Gang, die, als sie mehr als ein halbes Jahr später endlich zur Ruhe kam, alles mitgerissen hatte, was in der Filmwelt als unerschütterlich galt, und auch alles unter sich begrub, was tatsächlich so viel Aufmerksamkeit verdient hatte.
Tut mir leid, aber an dieser Stelle muss ich einfach eine persönliche Anekdote einbringen. Denn das erste Mal, dass ich "Der König der Löwen" sah, gehört zu den ersten unvergesslichen Erlebnissen meiner Filmfreak-Karriere.
Der Wiederveröffentlichung von Klassikern des Hongkong-Kinos zweiter Teil aus dem Hause E-M-S steht an, und auch Filmszene ist wieder mit dabei.
"This is my Godfather", so schwärmt Regisseur Oliver Stone noch heute von seinem umstrittenen Politthriller, der Anfang der 90er Jahre nicht nur in den US-Medien, sondern auch im amerikanischen Kongress für heftige Debatten sorgte.
Mit den Zufällen ist das ja so eine Sache: Man kann daraus machen, was man will. Gerne, Immer wieder und mit wechselndem Erfolg versuchten und versuchen Zeitgenossen, in erstaunlichen Ereig-nissen Muster zu erkennen, die sie dann einem großen Plan und einer höheren Macht zuschreiben (besonders beliebt sind "Schicksal", "Vorsehung" oder "die Regierung").
Wer konstant über den Niedergang des modernen Kinos dank einer unendlichen Welle reizüberfluteter aber sinnentleerter Bombast-Filme lamentiert, sollte vorsichtig sein, mit wem er sich hier anlegt.
"Sometimes there is so much beauty in the world, I feel like I can't take it," sagte Wes Bentley als Ricky Fitts in "American Beauty". Bei Zeilen wie diesen fragt man sich manchmal, was den Autor wohl dazu inspiriert haben mag. Eine der naheliegenden Möglichkeiten: Er hat Wim Wenders' Zauberwerk "Der Himmel über Berlin" gesehen.